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Helfen beim Sterben?

Nußbaumers Welt

Vom Streit um das rechte Sterben

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

" Wollten unsere Vorfahren noch gut vorbereitet in den Tod gehen, so hofft eine große Mehrheit heute, plötzlich sterben zu dürfen - immer öfter auch nach freier Entscheidung. “Menschen, denen ich einmal näher gekommen bin, sind gestorben. Drei allein in diesen Tagen: Kurt Krenn, Karl Löbl und Maximilian Schell. Der Neigung, von ihnen zu erzählen, widerstehe ich - zu nahe läge der Verdacht, mich durch deren Bekanntheit wichtig machen zu wollen. Um Sterben und Tod geht es in diesen Zeilen aber doch.

Genau zehn Jahre sind vergangen, seit Kardinal König seinen wunderbaren Brief an den "Österreich-Konvent“ geschrieben hat: Der Mensch solle nicht "von der Hand, sondern an der Hand eines Anderen“ sterben; Also optimale Sterbebegleitung statt Sterbehilfe ("Tötung auf Verlangen“), mit mehr Palliativmedizin, mehr Hospizen ... Vieles davon hat die Politik nie eingelöst.

Dramatisch veränderte Situation

Dramatisch verändert aber hat sich die reale Situation. Soziologen sehen eine "anthropologische Revolution“: eine enorme Lebensverlängerung, ausgelöst durch medizinische Kunst, ein neues Gesundheitsbewusstsein und weniger Kriege. Der Tod weicht zurück - das macht aber Behinderungen, Leiden, Abhängigkeiten erwartbarer und langfristiger. Dazu kommt die "Verdunstung des Religiösen“ und der zunehmende Wunsch nach dem "selbst bestimmten Tod“ als Flucht vor einem "Leben ohne Würde“.

Wollten unsere Vorfahren noch gut vorbereitet in den Tod gehen, so hofft eine große Mehrheit heute, plötzlich sterben zu dürfen - immer öfter auch nach freier Entscheidung. Das macht viel Druck auf eine neue Rechtssetzung. Vermutlich hat auch die Koalitionsregierung mit ihrem Wunsch, das Sterbehilfe-Verbot in der Verfassung zu verankern, dem Thema ungewollt Brisanz gegeben.

Medien tragen das Ihre dazu bei - Filme wie "Amour“, "Die Auslöschung“, "Anfang 80“ und zuletzt "Ob ihr wollt oder nicht“ im ORF-Hauptabend (eine Familie mischt ihrer krebskranken Tochter den Todestrank). Berührende Bilder, die Trends dort verstärken, wo ein ethisch höchst komplexes Thema nach Orientierung schreit.

Zugegeben, selbst meine Ablehnung jeglicher Sterbe-Beihilfe hat - auch aus manch eigenem Erleben - zuletzt einer Ratlosigkeit Platz gemacht: Wie können Einzelschicksale und Allgemeingültiges jemals deckungsgleich gebracht werden? Und wem gehört mein Leben: Nur mir? Auch meinem privaten Umfeld? Oder meinem Schöpfer?

"Ich möchte eine Rechtslage, die niemandem erlaubt, mein Leben zu verkürzen - oder mein Sterben zu verlängern“, hat mir ein erfahrener Krankenhaus-Seelsorger gesagt. Und er hat für einen behutsamen Dialog von Philosophen, Medizinern und Theologen plädiert (noch immer haben religiös geprägte Sterbebegleiter das größte Vertrauen sterbender Menschen). Zu vieles sei aufgebrochen.

Wie gut, im Gewirr der Standpunkte lesen zu dürfen, wo die Vorsitzende unserer Bioethikkommission, Christiane Druml, jetzt die Grenze des Diskutierbaren sieht: "Die Lösung mit dem Schierlingsbecher wäre die Bankrotterklärung einer Gesellschaft!“

Sollten Sie sich in einer ausweglosen Situation sehen, finden Sie Hilfe unter www.suizid-praevention.at sowie rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der Nummer 142.

" Wollten unsere Vorfahren noch gut vorbereitet in den Tod gehen, so hofft eine große Mehrheit heute, plötzlich sterben zu dürfen - immer öfter auch nach freier Entscheidung. “Menschen, denen ich einmal näher gekommen bin, sind gestorben. Drei allein in diesen Tagen: Kurt Krenn, Karl Löbl und Maximilian Schell. Der Neigung, von ihnen zu erzählen, widerstehe ich - zu nahe läge der Verdacht, mich durch deren Bekanntheit wichtig machen zu wollen. Um Sterben und Tod geht es in diesen Zeilen aber doch.

Genau zehn Jahre sind vergangen, seit Kardinal König seinen wunderbaren Brief an den "Österreich-Konvent“ geschrieben hat: Der Mensch solle nicht "von der Hand, sondern an der Hand eines Anderen“ sterben; Also optimale Sterbebegleitung statt Sterbehilfe ("Tötung auf Verlangen“), mit mehr Palliativmedizin, mehr Hospizen ... Vieles davon hat die Politik nie eingelöst.

Dramatisch veränderte Situation

Dramatisch verändert aber hat sich die reale Situation. Soziologen sehen eine "anthropologische Revolution“: eine enorme Lebensverlängerung, ausgelöst durch medizinische Kunst, ein neues Gesundheitsbewusstsein und weniger Kriege. Der Tod weicht zurück - das macht aber Behinderungen, Leiden, Abhängigkeiten erwartbarer und langfristiger. Dazu kommt die "Verdunstung des Religiösen“ und der zunehmende Wunsch nach dem "selbst bestimmten Tod“ als Flucht vor einem "Leben ohne Würde“.

Wollten unsere Vorfahren noch gut vorbereitet in den Tod gehen, so hofft eine große Mehrheit heute, plötzlich sterben zu dürfen - immer öfter auch nach freier Entscheidung. Das macht viel Druck auf eine neue Rechtssetzung. Vermutlich hat auch die Koalitionsregierung mit ihrem Wunsch, das Sterbehilfe-Verbot in der Verfassung zu verankern, dem Thema ungewollt Brisanz gegeben.

Medien tragen das Ihre dazu bei - Filme wie "Amour“, "Die Auslöschung“, "Anfang 80“ und zuletzt "Ob ihr wollt oder nicht“ im ORF-Hauptabend (eine Familie mischt ihrer krebskranken Tochter den Todestrank). Berührende Bilder, die Trends dort verstärken, wo ein ethisch höchst komplexes Thema nach Orientierung schreit.

Zugegeben, selbst meine Ablehnung jeglicher Sterbe-Beihilfe hat - auch aus manch eigenem Erleben - zuletzt einer Ratlosigkeit Platz gemacht: Wie können Einzelschicksale und Allgemeingültiges jemals deckungsgleich gebracht werden? Und wem gehört mein Leben: Nur mir? Auch meinem privaten Umfeld? Oder meinem Schöpfer?

"Ich möchte eine Rechtslage, die niemandem erlaubt, mein Leben zu verkürzen - oder mein Sterben zu verlängern“, hat mir ein erfahrener Krankenhaus-Seelsorger gesagt. Und er hat für einen behutsamen Dialog von Philosophen, Medizinern und Theologen plädiert (noch immer haben religiös geprägte Sterbebegleiter das größte Vertrauen sterbender Menschen). Zu vieles sei aufgebrochen.

Wie gut, im Gewirr der Standpunkte lesen zu dürfen, wo die Vorsitzende unserer Bioethikkommission, Christiane Druml, jetzt die Grenze des Diskutierbaren sieht: "Die Lösung mit dem Schierlingsbecher wäre die Bankrotterklärung einer Gesellschaft!“

Sollten Sie sich in einer ausweglosen Situation sehen, finden Sie Hilfe unter www.suizid-praevention.at sowie rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der Nummer 142.