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Helfen beim Sterben?

Hospiz Palliativ Sterbehilfe  - © Foto: Andrzej Rembowski / Pixabay
Gesellschaft

Herbert Watzke über Sterbehilfe: "Wesentlich ist die Lebensqualität"

1945 1960 1980 2000 2020

Herbert Watzke, Leiter der Abteilung für Palliativmedizin am AKH Wien, über das jüngste Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum „assistierten Suizid“, die Selbstbestimmung von Patienten, hilflose Ärzte und seine Wünsche für Österreich.

1945 1960 1980 2000 2020

Herbert Watzke, Leiter der Abteilung für Palliativmedizin am AKH Wien, über das jüngste Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum „assistierten Suizid“, die Selbstbestimmung von Patienten, hilflose Ärzte und seine Wünsche für Österreich.

Das Thema Sterben ist auf Ebene 17 omnipräsent. Vor allem Krebspatienten werden hier, auf der Palliativstation des Wiener AKH, umfassend betreut. Was bedeutet hier Autonomie? Ein Gespräch mit Herbert Watzke, Leiter der Abteilung und Professor für Palliativmedizin an der Medizin-Universität Wien.

DIE FURCHE: Herr Professor Watzke, was sagen Sie zum deutschen Urteil zur Suizid-Beihilfe?
Herbert Watzke:
Dieses Urteil geht nicht spurlos an uns vorüber. Aber in Deutschland gibt es eine andere Rechtssituation: Im dortigen Grundgesetz kennt man ein allgemeines Persönlichkeitsrecht, das laut diesem neuen Urteil auch das Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfassen würde. Österreich kennt so ein Persönlichkeitsrecht nicht, hier stützt man sich direkt auf die Europäische Menschenrechtskonvention, und aus der ist gerade kein Recht auf selbstbestimmtes Sterben abzuleiten. Außerdem halte ich aus meiner Erfahrung in der Betreuung von mehr als tausend unheilbar erkrankten Krebspatienten auch kein neues Gesetz für notwendig.

DIE FURCHE: Warum nicht?
Watzke:
Weil es bereits das unverrückbare Grundrecht gibt, dass Menschen über ihre medizinische Behandlung selbst entscheiden können – oder auch verlangen können, diese zu stoppen. Die Patienten haben damit ein Instrument in der Hand, das ihnen erlaubt, ein natürliches Sterben zuzulassen. Umso erstaunlicher ist, dass diese Option, etwa das Ablehnen von Antibiotika am Lebensende, nur von relativ wenigen unserer Patienten genutzt wird. Ich erkläre mir das damit, dass wir den Patienten – und ich betreue vor allem Krebspatienten – eine Betreuung anbieten können, die ihre Lebensqualität so verbessert, dass sie weiterleben wollen und können. Leider ist diese Betreuung aber nicht für alle Österreicherinnen und Österreicher zugänglich.