Digital In Arbeit

Schutz vor Hepatitis wird empfohlen

1945 1960 1980 2000 2020

Der Fall der 22jährigenStudentin, die sich in Afrika mit dem Lassa-Virus angesteckt hat und inzwischen verstorben ist, machte Schlagzeilen. Doch Fernreisen sind mit weitgrößeren Infektionsrisikenverbunden.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Fall der 22jährigenStudentin, die sich in Afrika mit dem Lassa-Virus angesteckt hat und inzwischen verstorben ist, machte Schlagzeilen. Doch Fernreisen sind mit weitgrößeren Infektionsrisikenverbunden.

Die Leidensgeschichte der 23jährigen Studentin aus Deutschland fegte gleich einem mittleren Sturm durch die Medienlandschaft. Die junge Frau hatte sich an der Elfenbeinküste in Westafrika an dem seltenen Lassa-Fieber angesteckt. Vergangenen Samstag verstarb die Studentin in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg an der laut Ärzten "neuen und sehr aggressiven Variante des Lassa-Virus". Von den Mitreisenden, melden die Zeitungen erleichtert, zeige bisher keiner die Symptome einer Erkrankung.

So tragisch diese Leidensgeschichte auch war, so unverhältnismäßig ist das mediale Echo. Ein österreichischer Experte für Tropenkrankheiten meinte, die Gefahr, sich mit dem Lassa-Fieber anzustecken, sei geringer als die Chance, einen Lottogewinn zu machen.

Das bedeutet aber nicht, daß die Gefahren von Tropenkrankheiten generell unterschätzt werden sollten. Immer mehr Menschen reisen, vor allem in der kalten Jahreszeit, in tropische Länder (siehe auch Dossier 2/2000). Die tatsächlichen Gefahren - Malaria oder Hepatitis - werden dabei allzu oft übersehen.

Das Österreichische Impf-Komitee warnt in Zusammenhang mit den hohen Zuwachsraten von Abenteuer-Reisen und Reisen in exotische Länder vor den vielfältigen Gesundheitsrisiken. Erstens sei die Risikobereitschaft im Urlaub grundsätzlich erhöht. Zweitens bringe ein intensiver Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung ein größeres Ansteckungsrisiko und drittens entsprechen die hygienischen Bedingungen in vielen exotischen Ländern nicht den westlichen Standards. Vielen Gefahren könne man aber durch rechtzeitige Vorsorge aus dem Weg gehen. Doch nur zehn Prozent der Österreicher gehen vor dem Urlaub zum Arzt.

Die Statistik zeigt, daß jeder zweite im Urlaub erkrankt. Nach dem Reisedurchfall, den man durch eine frühzeitige Behandlung rasch in den Griff bekommt, ist die Hepatitis A die häufigste Reiseerkrankung. Sie kann durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. Alle Lebensmittel, die nicht ausreichend gekocht wurden, stellen eine potentielle Gefahr dar: Eiswürfel, Salate, Obst, Speiseeis aber auch Muscheln und Fisch. Hepatitis A kann aber auch über die sogenannte Schmierinfektion (schlechte Händehygiene) übertragen werden.

Seltener, aber weitaus gefährlicher, ist die Hepatitis B. Sie wird über Körperflüssigkeiten - unter anderem Blut, Speichel und Schweiß - übertragen. Hepatitis B ist 1.000mal infektiöser als das Aids-Virus. Es genügen bereits geringe Mengen um sich zu infizieren. Besonders gefährlich sind etwa Bluttransfusionen nach Unfällen, nicht optimal sterilisierte medizinische Geräte und Kontaktinfektionen. Wer sorgenfrei Urlaub machen will, sollte sich rechtzeitig impfen zu lassen, denn Hepatitis kann langwierige Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen. Wird Hepatitis B chronisch, können Leberzirrhose und Leberkrebs die Folgen sein. Allein in Österreich sterben jährlich 500 Menschen an den Folgen einer Hepatitis B-Infektion. "Weder bei der Hepatitis A noch bei der Hepatitis B gibt es eine Heilung. Vorsorgen ist auch hier nicht nur die beste, sondern die einzige Medizin", empfiehlt Universitätsprofessor Franz Ambrosch vom Impfzentrum Nord in Wien.

Eine Umfrage bei Charter-Reisenden vor dem Abflug in Schwechat ergab, daß nur jeder vierte Reisende in die Dominikanische Republik an den Schutz vor Erkrankungen gedacht hat. Bei Urlaubern nach Kenya war das Verantwortungsbewußtsein wesentlich stärker ausgeprägt: drei von vier Reisenden gaben an, geimpft zu sein.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau