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Wrabetz’ ORF-Pläne: Funkhaus in Gefahr

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Alexander Wrabetz will den ORF nach St. Marx übersiedeln. Die einst teuerste Standortvariante ist plötzlich die billigste.

Alexander Wrabetz hat es schon wieder gemacht: Der ORF-Generaldirektor hat zum wiederholten Mal just am Freitagabend vor einem verlängerten Wochenende Brisantes kundgetan, auf dass das Thema nicht von der tagesaktuellen Presse aufgegriffen werde. Diesmal geht es um die Berechnungen, auf deren Basis entschieden werden soll, wo der ORF in Zukunft seinen Sitz haben soll. Zur Auswahl stehen der Erhalt der bisherigen Standorte Küniglberg, Funkhaus, Ö3-Gebäude in Heiligenstadt, ein generalsanierter Küniglberg als alleiniger Standort und ein Neubau in St. Marx, der den gesamten ORF beherbergt. Bislang wiesen alle Berechnungen St. Marx als die teuerste der drei Varianten aus. In den neuen Kalkulationen jedoch ist der von Wrabetz favorisierte Standort wie durch ein Wunder zur kostengünstigsten mutiert. In St. Marx, wird frohlockt, könnten enorme "Synergie-Potentiale“ gehoben werden. Ein zentraler multimedialer Newsroom könnte realisiert und Mehrgleisigkeiten bei der Rundfunktechnik beseitigt werden. Damit, heißt es wörtlich, "lässt sich natürlich auch Personal einsparen“.

Gute Gründe und Hintergründe

In der Tat gibt es gute Gründe, die gegen den Küniglberg sprechen: Das erneuerungsbedürftige Gebäude steht unter Denkmalschutz, was notwendige bauliche Veränderungen erschwert bis unmöglich macht. Doch auch ganz andere Interessen spielen eine Rolle: Es ist kein Geheimnis, dass sich die Wiener Stadtregierung den Umzug des ORF nach St. Marx wünscht, um diese trostlose Gegend neben der Südost-Tangente attraktiver zu machen.

Die geplante Konzentration auf einen Standort jedenfalls bringt einen gewaltigen Kollateralschaden mit sich: Sie würde das Ende des Funkhauses in der Argentinierstraße bedeuten, wo derzeit Ö1 und FM4 (und auch das ORF-Landesstudio Wien) untergebracht sind. "Man kann nicht einfach so über die Mitarbeiter und das Publikum drüberfahren“, empört sich die Ö1-Journalistin Brigitte Fuchs, Mitbegründerin der Initiative "Rettet das Funkhaus“. "Das Funkhaus ist ein zentral gelegener, für das Machen von Radioinformation sehr geeigneter und technisch auf dem neuesten Stand befindlicher Ort“, erklärt sie.

Fuchs fürchtet um die Qualität von Ö1, sollten alle ORF-Medien zentral an einem Ort untergebracht werden: zum einen durch die gepriesenen Synergieeffekte (im Klartext: Personalabbau), zum anderen durch die neuen Arbeitsbedingungen, nämlich die Lage an der Peripherie und vor allem den großen Newsroom: "Wenn alle Redaktionen - Fernsehen, Radio, online - zusammengelegt werden, geht die Informationsvielfalt verloren. Ö1 wird von den Informationssendungen getragen. Wenn wir da Abstriche machen, dann könnten manche nach der Legitimation der Rundfunkgebühren fragen.“

Die Initiative "Rettet das Funkhaus“ hat eine Unterschriftenliste im Internet eingerichtet ( www.rettet-das-funkhaus.at) Die Petition wurde bislang von 6634 Menschen unterzeichnet (Stand: 29. Mai, 8 Uhr 45).