Federspiel

Trutzburg auf dem Küniglberg

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

D er ORF bleibt eine Baustelle. Die Verschnaufpause infolge des Ibiza-Videos gilt nur für die externen Begehrlichkeiten der parteilichen Art. Ansonsten schafft der Umbau auf dem Küniglberg kontinuierlich Tatsachen. Nach der bereits übersiedelten Online-Redaktion folgt im Herbst FM4 als erster Radiosender. Bis 2022 ziehen auch Ö1 vom Funkhaus und Ö3 aus Heiligenstadt auf den Hügel.

Aus heutiger Sicht ist diese Veränderung für das Qualitätsprogramm aus dem Funkhaus schwieriger zu bewältigen als für den Quotensender aus Heiligenstadt. Denn spätestens seit dem bundesweiten Start der Privatradios 1998 steht beim ORF im Zweifelsfall – uneingestanden, aber erkennbar – das Primat der Publikumsmaximierung vor dem inhaltlichen Anspruch. Das künftig eigene Ö1-Haus auf dem Küniglberg wirkt wie ein Mahnmal, dass die Sorge vor einer allfälligen Ö3-isierung berechtigt ist.

In dieser Umbruchphase erhält die Bestellung einer neuen Senderleitung noch mehr Gewicht. Peter Klein geht in Pension. Sein/e Nachfolger/in muss zugleich Widerstandskampf führen und neues Bewusstsein schaffen. Ö1 hat zwar nur rund ein Viertel der Reichweiten und Marktanteile von Ö3 oder den ORF-Regional­radios, ist aber für die Erfüllung des öffentlichen Auftrags ebenso wichtig.

Diese Funktion nährt sich daraus, dass insbesondere sein Informationspublikum über eine enorme Wirkung als Multiplikator verfügt – hat. Doch mit der Infragestellung jeglichen Establishments durch angeblich soziale vermeintliche Medien wird auch dieser Status der Bildungseliten erschüttert. Das 50 Jahre alte Pippi-Langstrumpf-Lied aus den Ö1-Gründungstagen ist heute massenverführende Wirklichkeit: „Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt.“ Das Ö1-Haus auf dem Küniglberg muss eine Trutzburg gegen diese Entwicklung werden. Der/die Ö1-Chef/in benötigt vor allem die Fähigkeit, solch inhaltliche Qualität in eine neue Medien­nutzungsrealität zu übersetzen.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst

D er ORF bleibt eine Baustelle. Die Verschnaufpause infolge des Ibiza-Videos gilt nur für die externen Begehrlichkeiten der parteilichen Art. Ansonsten schafft der Umbau auf dem Küniglberg kontinuierlich Tatsachen. Nach der bereits übersiedelten Online-Redaktion folgt im Herbst FM4 als erster Radiosender. Bis 2022 ziehen auch Ö1 vom Funkhaus und Ö3 aus Heiligenstadt auf den Hügel.

Aus heutiger Sicht ist diese Veränderung für das Qualitätsprogramm aus dem Funkhaus schwieriger zu bewältigen als für den Quotensender aus Heiligenstadt. Denn spätestens seit dem bundesweiten Start der Privatradios 1998 steht beim ORF im Zweifelsfall – uneingestanden, aber erkennbar – das Primat der Publikumsmaximierung vor dem inhaltlichen Anspruch. Das künftig eigene Ö1-Haus auf dem Küniglberg wirkt wie ein Mahnmal, dass die Sorge vor einer allfälligen Ö3-isierung berechtigt ist.

In dieser Umbruchphase erhält die Bestellung einer neuen Senderleitung noch mehr Gewicht. Peter Klein geht in Pension. Sein/e Nachfolger/in muss zugleich Widerstandskampf führen und neues Bewusstsein schaffen. Ö1 hat zwar nur rund ein Viertel der Reichweiten und Marktanteile von Ö3 oder den ORF-Regional­radios, ist aber für die Erfüllung des öffentlichen Auftrags ebenso wichtig.

Diese Funktion nährt sich daraus, dass insbesondere sein Informationspublikum über eine enorme Wirkung als Multiplikator verfügt – hat. Doch mit der Infragestellung jeglichen Establishments durch angeblich soziale vermeintliche Medien wird auch dieser Status der Bildungseliten erschüttert. Das 50 Jahre alte Pippi-Langstrumpf-Lied aus den Ö1-Gründungstagen ist heute massenverführende Wirklichkeit: „Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt.“ Das Ö1-Haus auf dem Küniglberg muss eine Trutzburg gegen diese Entwicklung werden. Der/die Ö1-Chef/in benötigt vor allem die Fähigkeit, solch inhaltliche Qualität in eine neue Medien­nutzungsrealität zu übersetzen.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst