Kameramann Sony Zimmer - Kameramann Sony Zimmer - © Foto: rottonara/Pixabay
Medien

Warum der ORF ein Wahlkampfthema ist

1945 1960 1980 2000 2020

Wie dankbar können wir sein, dass es den ORF als prägenden Faktor der Medienlandschaft<br /> gibt! Gedanken zu einer (neuen) Positionierung des ORF. Ein Gastkommentar.

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Wie dankbar können wir sein, dass es den ORF als prägenden Faktor der Medienlandschaft<br /> gibt! Gedanken zu einer (neuen) Positionierung des ORF. Ein Gastkommentar.

Was für ein Unterschied: Tobias Pötzelsberger in den ORF Sommergesprächen und im Vergleich dazu im Privat TV: die Talks auf oe24.tv oder aus einem Hangar in Salzburg. Wie dankbar können wir sein, dass es den ORF als prägenden Faktor unserer Medienlandschaft gibt. Dementsprechend wäre es doch ein Thema für den Wahlkampf – und für spätere Koalitionsverhandlungen –, sich den österreichischen Medien und den anstehenden Gesetzen zu widmen.

Vier Themen aus dem Medienbereich stehen zur Klärung für eine nächste Regierung an: ein neues ORF-Gesetz, eine den Namen verdienende Presseförderung für Qualitätszeitungen, eine inhaltliche Evaluierung des Privatrundfunkfonds und die Vergabe von Inseraten aus Mitteln der öffentlichen Hand an die Zeitungen Heute, Österreich und Krone.

Neues Finanzierungsmodell für ORF

Zentral für alle diese vier Bereiche ist das ORF-Gesetz: Der ORF braucht ein neues Finanzierungsmodell. Mit einer Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild müssten die Gebührenzahler keinen Euro mehr zahlen als bisher. Und der ORF könnte bei gleich bleibendem Budget auf Einnahmen aus Werbung verzichten. Damit hätten die privaten österreichischen Verlage und Medienveranstalter die Chance, diese Werbegelder zu lukrieren und ihr Programmangebot zu erweitern. Und vor allem würden die ORF-Mitarbeiter und -Journalistinnen wieder genau wissen, worum es in ihren Sendungen gehen soll: nämlich um die Einhaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrages!
Dafür braucht es eine Geschäftsführung mit Herz fürs Programm und der Liebe zu Visionen. Eine Geschäftsführung, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Säule einer liberalen Demokratie versteht und für die Zukunft formen möchte.

Was für ein Unterschied: Tobias Pötzelsberger in den ORF Sommergesprächen und im Vergleich dazu im Privat TV: die Talks auf oe24.tv oder aus einem Hangar in Salzburg. Wie dankbar können wir sein, dass es den ORF als prägenden Faktor unserer Medienlandschaft gibt. Dementsprechend wäre es doch ein Thema für den Wahlkampf – und für spätere Koalitionsverhandlungen –, sich den österreichischen Medien und den anstehenden Gesetzen zu widmen.

Vier Themen aus dem Medienbereich stehen zur Klärung für eine nächste Regierung an: ein neues ORF-Gesetz, eine den Namen verdienende Presseförderung für Qualitätszeitungen, eine inhaltliche Evaluierung des Privatrundfunkfonds und die Vergabe von Inseraten aus Mitteln der öffentlichen Hand an die Zeitungen Heute, Österreich und Krone.

Neues Finanzierungsmodell für ORF

Zentral für alle diese vier Bereiche ist das ORF-Gesetz: Der ORF braucht ein neues Finanzierungsmodell. Mit einer Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild müssten die Gebührenzahler keinen Euro mehr zahlen als bisher. Und der ORF könnte bei gleich bleibendem Budget auf Einnahmen aus Werbung verzichten. Damit hätten die privaten österreichischen Verlage und Medienveranstalter die Chance, diese Werbegelder zu lukrieren und ihr Programmangebot zu erweitern. Und vor allem würden die ORF-Mitarbeiter und -Journalistinnen wieder genau wissen, worum es in ihren Sendungen gehen soll: nämlich um die Einhaltung des öffentlich-rechtlichen Auftrages!
Dafür braucht es eine Geschäftsführung mit Herz fürs Programm und der Liebe zu Visionen. Eine Geschäftsführung, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Säule einer liberalen Demokratie versteht und für die Zukunft formen möchte.

Mit einer Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild müssten die Gebührenzahler für den ORF keinen Euro mehr zahlen als bisher.

Und das ausgehend vom eigentlichen Kernauftrag: Der Inhalt der Programme muss wieder im Zentrum aller Überlegungen zum ORF stehen!
Einige konkrete Diskussionspunkte dazu:
• Eine Deckelung der Ausgaben für US-Serien und Sportrechte. Stattdessen mehr Mittel für Eigen- und Koproduktionen mit europäischen Partnern.
• Ein besonderes Augenmerk auf das Kinderprogramm (bspw. mit einer Wiederbelebung der Mini ZIB). Derzeit gibt der ORF 20-mal soviel Geld für Sportrechte aus als für das gesamte Kinderprogramm
• Viel mehr Dokumentationen und Reportagen aus den tatsächlichen Lebenswelten der Bevölkerung – also auch Programme für die urbane und besser gebildete Gesellschaft. Es fehlen Angebote zu Europa, zur digitalen Welt, zur Ethik, zum Islam, zu investigativen Recherchen, zur Arbeit der Zukunft, für ältere Kinder und Jugendliche aber auch im weiten Feld noch nicht bekannter aber dennoch innovativer und in Zukunft vielleicht relevanter Künstlerinnen und Künstler
• Damit der ORF seiner Aufgabe als „Staatsarchiv“ für Video und Audio auch entsprechen kann, muss die Regelung für eine zeitliche Begrenzung auf sieben Tage im Netz fallen. Selbstredend unter Beachtung der Rechte der Urheber. Das Vorbild für einen zeitgemäßen Auftritt im Netz bietet wie so oft die BBC mit ihrem iPlayer.
• Der ORF braucht eine Flottenstrategie: Im Radio funktioniert das großartig, im TV und im Netz leider nicht. Warum nimmt sich der zum Heimatkanal entwickelte Sender ORF III kein Beispiel im eigenen Haus und versucht sich weniger in Anbiederung an die Heimatverbundenen, sondern vielmehr in einer Qualitätsarbeit, wie sie bei Ö1 und FM4 selbstverständlich ist?
• Oder warum werden die beiden europäischen Kooperationen Arte und 3sat von Seiten des ORF derart stiefmütterlich behandelt? Hätte nicht gerade eine Tourismus- und Kulturnation die Aufgabe, sich in Europa zu artikulieren.
• Das führt schließlich auch zu ORF 1: Warum wird aus diesem Sender kein mitteleuropäisches Angebot entwickelt? Wir könnten unseren historischen Wurzeln folgen und ein Programm anbieten, das nicht nur in Deutsch, sondern auch in den Sprachen unserer Nachbarn in Ungarisch, Slowenisch, Kroatisch, Serbisch, Tschechisch gemacht und ausgestrahlt wird.

Ein solcher Sender wäre ideal in Graz anzusiedeln.
• Denn die ORF Landesstudios müssen mit überregionalen und Bildungs-Aufgaben aufgewertet werden. Nicht zuletzt, um aus deren „Provinz- und Landeshauptleute-Berichterstattung“ herauszufinden.
• ORF III sollte tatsächlich in Salzburg und nicht in Wien sein Programm verwalten.
• ORF Sport+ könnte in Innsbruck zu Hause sein.
• Ein Kinder- und Jugendprogramm­cluster rund um die Ars Electronica würde gut nach Linz passen.
• Ein Bildungsprogramm-Zentrum könnte nach St. Pölten kommen.
Die Kooperation mit den Bildungseinrichtungen der jeweiligen Bundesländer steht außerdem ganz oben auf dem „Wunschzettel“ für einen neuen ORF: Jede österreichi-
sche Schülerin sollte im Laufe Ihrer Schullaufbahn – in Zeiten der Suche nach Medien-
kompetenz – mindestens einen Film in einem Landesstudio mithergestellt haben.
Und außerdem muss der ORF in spätes­tens fünf Jahren sämtliche seiner Programme barrierefrei, also mit Untertiteln und Audiodeskription für Menschen mit Seh- und Höreinschränkungen, anbieten!

Die Politik ist also am Zug.

Der Autor ist Obmann des VsUM – Verein zur Förderung eines selbstbestimmten
Umgangs mit Medien sowie für NEOS Lab Mitglied im Publikumsrat des ORF.