Alexander Wrabetz - © Foto: APA

TV-Programmstudie 2007: Alexander Wrabetz ärgert sich

1945 1960 1980 2000 2020

ORF 1 bedient die Jüngeren, informiert sie aber nicht. ORF 2 ist das Programm für die Generation 50+: Erkenntnisse der TV-Programmstudie 2007.

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ORF 1 bedient die Jüngeren, informiert sie aber nicht. ORF 2 ist das Programm für die Generation 50+: Erkenntnisse der TV-Programmstudie 2007.

Das Fernsehprogramm von ORF 2 ist informativ, gesellschaftsrelevant und gehaltvoll in Bezug auf Bildung und Kultur, das von ORF 1 eher billig, zugekauft und mitunter seichter als manches private. Vor ORF 2 sitzen hauptsächlich ältere Bürger ab 50, vor ORF 1 scharen sich die Jüngeren.

Das sind Erkenntnisse der neuesten Fernsehprogrammstudie 2007, im Auftrag der Rundfunk-regulierungsbehörde RTR verfasst von dem an der Universität Salzburg tätigen Jens Woelke. ORF General Alexander Wrabetz ärgert sich. ORF 1 und ORF 2 seien komplementär programmiert und als ein Programm auf zwei Kanälen zu beurteilen, die gemeinsam den ORF-Programmauftrag erfüllten, betont er.

Das Fernsehprogramm von ORF 2 ist informativ, gesellschaftsrelevant und gehaltvoll in Bezug auf Bildung und Kultur, das von ORF 1 eher billig, zugekauft und mitunter seichter als manches private. Vor ORF 2 sitzen hauptsächlich ältere Bürger ab 50, vor ORF 1 scharen sich die Jüngeren.

Das sind Erkenntnisse der neuesten Fernsehprogrammstudie 2007, im Auftrag der Rundfunk-regulierungsbehörde RTR verfasst von dem an der Universität Salzburg tätigen Jens Woelke. ORF General Alexander Wrabetz ärgert sich. ORF 1 und ORF 2 seien komplementär programmiert und als ein Programm auf zwei Kanälen zu beurteilen, die gemeinsam den ORF-Programmauftrag erfüllten, betont er.

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Der "duale" ORF

Er wird es schwer haben, diesen Standpunkt noch jemandem begreiflich zu machen. Nicht er, sondern spätestens Generalintendant Gerhard Zeiler hat den Dualismus im ORF-Fernsehen eingeführt. Dieser ist im ORF-Gesetz nicht vorgesehen, läuft aber darauf hinaus, dass im ORF 2 das qualitätsvolle öffentlich-rechtliche Angebot überwiegt, in ORF 1 aber mit billiger Ware und höheren Quoten die Grundlage für den Zufluss der Werbegelder gelegt wird. Das duale System - in Wahrheit eine Strapazierung des öffentlich-rechtlichen Auftrags - geht mit Woelkes Fernsehprogrammstudie als Faktum in die Wissenschaft ein.

Untersucht wurden ORF 1, ORF 2 und ATV, enthüllt wurden einige peinliche Schwächen des öffentlich-rechtlichen Auftritts (vgl. Grafik rechts). ORF 1 ist in der Sparte TV-Publizistik ("Realitätsvermittlung inklusive Information und Unterhaltung") mit 5,6 Prozent Programmanteil das Schlusslicht unter den zwölf deutschsprachigen TV-Vollprogrammen.

Der ORF hat aber auch Qualitäten, und ATV ist dabei, auf seinem privat-kommerziellen Standard Qualität zu erhöhen. "ORF 2 ist im Umfang der fernsehpublizistischen Berichterstattung über kontroverse Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Spitzenreiter unter den öffentlich-rechtlichen Sendern der Schweiz, Österreichs und Deutschlands, bietet zusammen mit dem ersten Programm der ARD anteilsmäßig am meisten Berichterstattung aus dem höchsten Leistungsbereich von Information und liegt weit vor den privaten Programmen." Na bitte, was will man mehr.

Irgendwie sind aber diese Jugendlichen nicht nur UFOs in den Augen der Medienmanager, sondern wahnsinnig clever. Sie schreiben dem ORF die höchste Kompetenz dort zu, wo er sie hat oder jedenfalls haben könnte - bei der Information.

Der heikelste Punkt kommt bei Woelke zum Schluss und ist nicht so sehr ein Problem des ORF als der Gesellschaft: Worüber informieren sich die Jugendlichen, was treibt sie voran, was treiben sie? Der Public-Value-Experte des ORF, Klaus Unterberger, und der Geschäftsführer von ATV, Ludwig Bauer, waren sich nach der Präsentation der Studie sowieso einig, dass die Jungen die schwierigste Zielgruppe bilden. In der gedruckten Woelke-Analyse kommt es aber dicker: "Es ist nicht nur fraglich, woher jüngere Zuschauer ihre Informationen über Politik beziehen können, sondern auch, wie ältere Menschen etwas über die Vorstellungen, Wünsche und Probleme ihrer jüngeren Mitbürger erfahren sollten." In dieser wechselseitigen Ignoranz tritt ORF 1 gegen ORF 2 an, ein blühend-dualer Garten für Missverständnisse aller Art.

ORF 1: Mehr RTL als bei RTL?

Die an der Fachhochschule Krems lehrende Kati Förster stellte ihre Studie "Erwartungen junger Zuseher/innen an öffentlich-rechtliches Fernsehen 2008" vor und nimmt darin gezielt die 14- bis 25-jährigen TV-Konsumenten aufs Korn. 300 Telefonbefragungen ergeben manche Aufschlüsse. Praktisch alle in dieser Zielgruppe kennen und konsumieren ORF, in der Gesamtwertung ist ORF 1 ihr beliebtester Sender. Förster bestätigt Woelke: Bei der Wahlmöglichkeit zwischen den beiden öffentlich-rechtlichen Angeboten stürzen sich 92,8 Prozent auf ORF 1, nur 40 Prozent schalten manchmal auch auf ORF 2. Sie wollen noch mehr Spielfilme und lassen angeblich manche ORF-Eigenproduktionen wie Gewinnspielshows, Casting- oder Realityshows links liegen.

"Es zeigt sich, dass die Programmreform durchaus positive Effekte auf die Gesamtzufriedenheit der Jugendlichen genommen hat." Bauer von ATV definierte die Ursache der Zufriedenheit mit seiner Konkurrenz sarkastisch und mit Kennerblick: "In ORF 1 ist mehr RTL drin als bei RTL."

Irgendwie sind aber diese Jugendlichen nicht nur UFOs in den Augen der Medienmanager, sondern wahnsinnig clever. Sie schreiben dem ORF die höchste Kompetenz dort zu, wo er sie hat oder jedenfalls haben könnte - bei der Information. Und sie trauen ihm am wenigsten, wenn er Jugendformate macht.

Engelbert Washietl

Der Autor ist freier Journalist und ehemaliger Chefredakteur der Salzburger Nachrichten.

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