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ORF-Sender für Kinder muss her!

Man hört und liest allenthalben, wie problematisch es sei, dass unsere Kinder den ganzen Tag am Handy in sozialen Medien oder bei internationalen Serien vor dem Bildschirm zu finden sind. Aber wir bieten den Kindern kaum öffentlich rechtlichen Content aus Österreich an!

Die BBC investiert sechs Prozent ihrer Mittel für Kinderprogramme, der ORF lediglich 0,6 Prozent. Hier sollte es dringend ein Umdenken und eine Umschichtung der ORF-Mittel geben. Wäre es nicht mehr als angebracht, dass nach ORF III und ORF Sport+ im Zuge einer nächsten Überarbeitung des ORF-Gesetzes ein eigener linearer Sender (und eine Plattform im Internet) für Kinder und deren Eltern mit gewalt-und werbefreien Angeboten geschaffen wird?"

Mit einem eigenen Kinderkanal könnte der ORF österreichische Identität in der wichtigsten Phase der Entwicklung von Menschen fördern.

Leitmedium für Kinder

Das Fernsehprogramm ist der Schlüssel zur Vermittlung von Medienkompetenz.

Bis zum Alter von zehn Jahren ist das Fernsehen bei Kindern immer noch das Leitmedium. Erst nach dem Volksschulalter gewinnt das Internet rasant an Bedeutung. Ein TV-Sender hat die einzigartige Chance, Kompetenz für den Konsum insbesondere von neuen Medien zu vermitteln. Laut der KIM-Studie 2016 "Wie Kinder fernsehen"(www. mpfs. de/studien/kim-st u d i e/ 2016/) kommen elf Prozent der Kinder in der Altersgruppe bis 13 Jahre im Internet bereits mit Gewalt und Pornografie in Kontakt und empfinden das als unangenehm.

Nur ein Kindersender bietet da Sicherheit.

Fernsehen ist das erste Medium, das Kinder zur Entwicklung ihrer Identität verwenden. Sie suchen nach einem Programm, das ihnen geeignet erscheint und das Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt hat. Es braucht dazu einen verlässlichen Ort, an dem sie dieses Programm finden. Ein Kinderprogramm zu sehr eingeschränkten Zeiten, das außerdem sehr häufig auch noch Sportübertragungen zum Opfer fällt, bietet diese Verlässlichkeit nicht -das kann nur ein eigener TV-Kanal. Der deutsche Sender KiKA (von ARD und ZDF) behauptet sich mit Identität und Verlässlichkeit als Marktführer gegenüber seinen Konkurrenten wie Super RTL, Disney und Nickelodeon.

Nur mit einem eigenen Kinderkanal wird der ORF seinem öffentlichrechtlichen Auftrag gerecht.

Derzeit sind lediglich rund 20 Stunden pro Woche Kinderprogramm auf ORF zu sehen, nicht einmal ein Prozent des Gesamtbudgets fließen in das Programm für diese Zielgruppe. Die BBC leistet sich im Gegensatz dazu sogar zwei ganze Sender für die Zielgruppe der Kinder bis 13 Jahre -für sechs Prozent ihres TV-Budgets. Aber auch mit Österreich vergleichbar große Länder wie Tschechien, Schweden oder Belgien bieten eigene TV Kanäle für Kinder an.

Immer mehr öffentlich-rechtliche TV-Anstalten Europas verfügen über einen eigenen Kinderkanal. Derzeit gibt es in Europa folgende Kindersender von öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten - zum Beispiel: VRT, Belgien (Ketnet); BBC, Großbritannien (CBBC, CBeebies); RAI, Italien (Rai Gulp, Rai YoYo); ARD und ZDF, Deutschland (KiKA); CT, Tschechien (CT: D); SVT, Schweden (Barnkanalen); DR, Dänemark (DR Ramasjang, DR Ultra); NRK, Norwegen (NRK Super); NPO, Niederlande (NPO Zappelin); TVE, Spanien (Clan).

Entspricht gesetzlichem Auftrag

Mit einem eigenen Kinderkanal könnte der ORF österreichische Identität in der wichtigsten Phase der Entwicklung von Menschen fördern, würde damit außerdem alle Altersgruppen der Bevölkerung in ausgewogenerer Relation abbilden und seine Unverwechselbarkeit gegenüber anderen TV-Sendern stärken. Das entspräche dann auch seinem gesetzlichen Auftrag.

Ein Kinderkanal hilft bei der Bindung von lebenslangen Kunden des ORF.

Kinder sind die TV-Zuschauer von morgen. Der ORF kann in der Phase, in der das Fernsehen das Leitmedium ist, eine nachhaltige Bindung schaffen. Gleichzeitig Gewissheit für Eltern bieten, die sichergehen wollen, dass ihre Kinder pädagogisch wertvolles Programm konsumieren.

Lobbying für Kinder-TV

Nebenstehend formulierte Thesen sind Ergebnisse des am 13. Oktober in Wien vom VsUM veranstalteten Kinder-TV-Symposiums.

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