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Filmer funken SOS

Im Splitting der ORF-Gebühren sehen Vertreter der Filmbranche eine Ursache ihrer Notlage. Medien-Ministerin Doris Bures verspricht Geldspritze.

Film ist die teuerste aller Kunstformen, weil in ihr so viele andere Künste zusammenlaufen. Dass Österreichs Filmbranche schon traditionell und im Vergleich zu Oper & Co. mit geradezu lächerlich geringen Finanzmitteln auskommen muss, ist kein Geheimnis. Regelmäßig flammt daher der Protest gegen die finanzielle Austrocknung der Szene auf - jetzt schießt sich die Branche auf den ORF und seine Rundfunkgebühren ein. Denn diese, so die Kritik, würden in zwei Teile gesplittet: Von den rund 20 Euro Gebühren, die jeder TV-Seher zahlen muss, würden bloß 14 Euro beim ORF landen, der Rest wandere in die Kassen des Staates. Die "Initiative Film", die sich aus mehreren Interessensvertretungen der Branche zusammenschloss, will diesen Umstand geändert sehen. "Der ORF hat zuwenig Mittel, die er in TV-Produktionen stecken kann", so Initiative-Sprecher und Filmproduzent Helmut Grasser (Allegrofilm). "Tragisch ist das Gebührensplitting: Etwa 111 Millionen Euro aus den Rundfunkgebühren fließen jährlich zum Finanzminister, 115 Millionen in die Bundesländer. Der Gesetzgeber bedient sich sehr dreist in der ORF-Kasse, die eigentlich in das heimische Filmschaffen investieren sollte."

Gebühren rauf, fetter Fonds

Zeitgleich machten am Montag dieser Woche auch die Plattform "SOS ORF" und der Verband "Film Austria" - mit prominenten Sprachrohren wie Peter Huemer, Harald Krassnitzer und Robert Menasse - gegen das Gebühren-Splitting mobil: Der Staat gäbe "diese Beiträge größtenteils für Zwecke aus, die mit Rundfunk und Film nicht das Geringste zu tun haben. Es ist an der Zeit, diesen kuriosen Schwindel zu beenden", so der Tenor. Der ORF stecke in schweren finanziellen Nöten. "Aus Geldmangel werden billige ausländische Serien angekauft und die Entwicklung österreichischer Filmprojekte wird massiv eingeschränkt. Die Folge: Im ORF sind immer weniger österreichische Produktionen zu sehen. Das schadet dem öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF und gefährdet die Existenz eines ganzen Berufszweiges", so die Plattform.

Dass der ORF dieser Tage eine Gebührenerhöhung beschließen will, wertet die Filmbranche als richtiges Signal: "Natürlich nur, wenn die Erhöhung ausschließlich dem ORF-Budget zugute kommt und nicht dem Finanzminister", so Helmut Grasser.

Es scheint also, als steuere die Filmbranche erneut auf eine Konfrontation mit ORF und Politik zu, so wie das schon in den Jahren der schwarz-blauen Regierung der Fall war, als man in Franz Morak den ideal geeigneten Reibebaum fand.

Doch dieser Reibebaum fehlt jetzt: Die neue Regierung setzt auf Dialog und beschwichtigt die erregten Filmer-Gemüter. Medienministerin Doris Bures (SP) etwa gibt sich viel zu verständnisvoll, als dass man mit ihr übers Geld streiten könnte. Bures stellte auf einer Tagung der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR zudem mehr Geld in Aussicht, und zwar im von der RTR vergebenen Fernsehfonds - ein Instrument, das mit 7,5 Millionen Euro pro Jahr österreichische Fernsehfilmprojekte mitfinanziert. Bures will eine Beinahe-Verdoppelung dieses Budgets, "und zwar schrittweise ab 2009, mit umgeschichteten Mitteln aus dem Digitalisierungsfonds", sagte die Ministerin - und erntete erst einmal Applaus. Konkret geht es um eine Aufstockung um 6,5 Millionen Euro pro Jahr, damit lägen in diesem wichtigen Topf 14 Millionen Euro. "Es rechnet sich, in österreichische TV-Filme zu investieren, weil jeder Euro dreifach zurückkommt. Die Brancheneffekte und die Imagewerbung für Österreich sind enorm", meint Bures.

Nicht erst übermorgen

Dieses Bekenntnis nützt freilich nichts, wenn der ORF weiter lieber "Starmania" oder "Dancing Stars" produziert als identitätsstiftende, fiktionale Programme. ORF-Fernsehspielchef Heinrich Mis zur Furche: "Wir arbeiten derzeit weit unter der kritischen Masse, was die Lebensfähigkeit der Filmbranche betrifft. Wenn der Fernsehfonds mehr Geld erhält, bräuchte auch der ORF mehr Geld, um Produktionen zu komplettieren". Die Krux: Filme können nur zu maximal 20 Prozent ihrer Gesamtkosten aus den Geldern des Fernsehfonds gefördert werden, der ORF müsste den Rest übernehmen.

Die in Aussicht gestellte Erhöhung des Fernsehfonds-Budgets hat auch noch einen anderen Schönheitsfehler. Erst ab 2009 soll das Budget angehoben werden, erst 2011 um die volle Summe. "Und was ist mit 2008?", erregt sich Produzent Veit Heiduschka (Wega-Film): "Wir brauchen eine Soforthilfe: Die Verdoppelung des Fernsehfonds und eine Steuererleichterung für Investitionen in Film- und Fernseh-Produktionen". Nachsatz: "Wenn uns nicht sofort geholfen wird, dann wird es 2008 etliche Filmproduktionsfirmen nicht mehr geben."

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