Weis
Porträtiert

Der letzte Generalintendant des ORF

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In gewisser Weise befindet sich der ORF in einer ähnlichen Lage wie damals, als Gerhard Weis Generalintendant war: Eine schwarz-blaue Regierungskonstellation brachte die öffentlich-rechtliche Anstalt ins politische Gerede, und ein neues ORF-Gesetz musste auf Schiene gesetzt werden – spitze Zungen unterstellten damals wie zuletzt, der ORF solle auf Regierungslinie gebracht werden. Anno 2001, das Kabinett Schüssel war im zweiten Amtsjahr, musste Gerhard Weis darob als Generalintendant gehen. Mit ihm wurde auch der „GI“ abgeschafft, seither wird der ORF von einem/einer Generaldirektor/in geleitet. Dabei war Weis als Mitglied der CVVerbindung Bajuvaria Wien durch und durch ein „Bürgerlicher“. Er kam 1967 zum ORF, als Gerd Bacher aus dem Schwarz-Rot-Funk eine Medienanstalt ersten Ranges baute.

Weis war beim öffentlich-rechtlichen Sender in vielfacher Funktion tätig: 1973 wurde er Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des ORF, 1974 bis 78 war er dann Intendant von ORF 1, 1992 wurde er Intendant des Landesstudios Wien, zwei Jahre später übernahm er die Hörfunkintendanz: In dieser Funktion verantwortete Weis die „Kommerzialiserung“ von Ö3 und die Neupositionierung von Ö1. 1997 wurde er zusätzlich ORF-Genrealsekretär. Nach dem Abgang von Gerhard Zeiler wurde Gerhard Weis 1998 dessen Nachfolger als Generalintendant. Aus seiner Ära stammen heute Sendungen wie „Die Barbara Karlich Show“, „Die Millionenshow“ und der „Report International“. Nach seiner ORF-Emeritierung übernahm Gerhard Weis 2003 ehrenamtlich die journalistische Leitung der „Katholischen Medienakademie“, die Interessierten eine praxisorientierte Journalistenausbildung anbietet. Sein journalistisches Credo, das er auch den angehenden Journalisten vermitteln wollte, benannte Weis in einem FURCHE-Interview so: Aufgabe der Journalisten sei es, kritisch zu sein, „also zwischen Lüge und Wahrheit, Sinn und Unsinn, wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Das sind die drei entscheidenden Kriterien.“ Für Weis war das unabdingbar, denn: „Es gibt keine funktionierende Demokratie ohne funktionierende Medien.“ Nach kurzer schwerer Krankheit ist Gerhard Weis am 26. Juli 80-jährig im Kreis seiner Familie verstorben.

In gewisser Weise befindet sich der ORF in einer ähnlichen Lage wie damals, als Gerhard Weis Generalintendant war: Eine schwarz-blaue Regierungskonstellation brachte die öffentlich-rechtliche Anstalt ins politische Gerede, und ein neues ORF-Gesetz musste auf Schiene gesetzt werden – spitze Zungen unterstellten damals wie zuletzt, der ORF solle auf Regierungslinie gebracht werden. Anno 2001, das Kabinett Schüssel war im zweiten Amtsjahr, musste Gerhard Weis darob als Generalintendant gehen. Mit ihm wurde auch der „GI“ abgeschafft, seither wird der ORF von einem/einer Generaldirektor/in geleitet. Dabei war Weis als Mitglied der CVVerbindung Bajuvaria Wien durch und durch ein „Bürgerlicher“. Er kam 1967 zum ORF, als Gerd Bacher aus dem Schwarz-Rot-Funk eine Medienanstalt ersten Ranges baute.

Weis war beim öffentlich-rechtlichen Sender in vielfacher Funktion tätig: 1973 wurde er Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des ORF, 1974 bis 78 war er dann Intendant von ORF 1, 1992 wurde er Intendant des Landesstudios Wien, zwei Jahre später übernahm er die Hörfunkintendanz: In dieser Funktion verantwortete Weis die „Kommerzialiserung“ von Ö3 und die Neupositionierung von Ö1. 1997 wurde er zusätzlich ORF-Genrealsekretär. Nach dem Abgang von Gerhard Zeiler wurde Gerhard Weis 1998 dessen Nachfolger als Generalintendant. Aus seiner Ära stammen heute Sendungen wie „Die Barbara Karlich Show“, „Die Millionenshow“ und der „Report International“. Nach seiner ORF-Emeritierung übernahm Gerhard Weis 2003 ehrenamtlich die journalistische Leitung der „Katholischen Medienakademie“, die Interessierten eine praxisorientierte Journalistenausbildung anbietet. Sein journalistisches Credo, das er auch den angehenden Journalisten vermitteln wollte, benannte Weis in einem FURCHE-Interview so: Aufgabe der Journalisten sei es, kritisch zu sein, „also zwischen Lüge und Wahrheit, Sinn und Unsinn, wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Das sind die drei entscheidenden Kriterien.“ Für Weis war das unabdingbar, denn: „Es gibt keine funktionierende Demokratie ohne funktionierende Medien.“ Nach kurzer schwerer Krankheit ist Gerhard Weis am 26. Juli 80-jährig im Kreis seiner Familie verstorben.