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Besondere Kinder, besondere Eltern

„Valentin ist sehr feinfühlig, zärtlich, gleichzeitig aber auch sparsam im Verteilen seiner Zärtlichkeiten. (…) Er ist wahrhaftig und in sich ruhend, er verfügt über einen unglaublichen Liebreiz und er kann sehr ausdauernd sein, wenn es um die Durchsetzung seiner Ideen geht.“

Ein ganz normales Kind also. Und doch ist Valentin besonders: Er hat Downsyndrom. Nach unbeschwerten 28 Schwangerschaftswochen wurde seine Mutter, Simone Fürnschuß-Hofer, mit der Diagnose Herzfehler und dem Verdacht auf Trisomie 21 konfrontiert – ohne Vorwarnung, ohne Vorahnung. „Ich war im Laufrad drin“, schreibt sie über ihre eigenen Erfahrungen mit der gängigen Pränataldiagnostik-Praxis in Österreich. So sehr sie damals mit Verzweiflung und Tränen kämpfte: Heute spürt sie „das große Gefühl einer tiefen Dankbarkeit für dieses Kind, das mir tagtäglich die Augen für so vieles öffnet.“

Mütter und Väter von „speziellen“ Kindern wie Simone Fürnschuß-Hofer erzählen im Sammelband „Aus dem Bauch heraus. Pränataldiagnostik und behindertes Leben“ ihre Geschichte. Aber auch Eltern, die sich für einen Abbruch entschieden haben, kommen zu Wort. Nicht zuletzt erzählen behinderte Menschen selbst über ihr Leben – und die Hindernisse, die es täglich zu überwinden gilt. Abgerundet wird das Buch von einem Expertendiskurs zum Themenfeld Schwangerschaft, Pränataldiagnostik und Beratung: die „Macht der Emotionen“ wird darin ebenso thematisiert wie die Problematik des „Spät-Abbruchs“ und die „Kind als Schaden“-Debatte. Besonders hilfreich ist der umfangreiche Anhang samt Leitfaden für begleitende Beratung sowie Adressen und Glossar.

„Die Entscheidung für ein behindertes Kind ist so schwer wie kaum je zuvor“, konstatiert Franz-Joseph Huainigg, gemeinsam mit der „Aktion Leben“ Herausgeber des Sammelbandes, in seinem einleitenden Text. Umso wichtiger sein Buch.

AUS DEM BAUCH HERAUS.

Pränataldiagnostik und behindertes Leben. Hg. von Franz-Joseph Huainigg und Aktion Leben. Wiener Dom-Verlag

2010, 238 S., geb., 18,20.

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