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Das neue FURCHE-booklet

booklet 45·19 - © Rainer Messerklinger
Literatur

Reich, schön, Superstar

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Ivo ist nicht gerade der Hellste, hat sich aber als Fußballer unter den ganz Großen etabliert. Das hat den Nachteil, dass er zur Reflexion wenig taugt. Da sich der Erzähler aber eng an das Bewusstsein des Sportlers hängt, ja geradezu an ihm klebt, kommen wir über recht dürftige Denkfiguren nicht hinaus. Sehr früh hat Ivo alles erreicht, wovon er als Jugendlicher träumte, das macht ihn zu einem unzufriedenen Charakter. Er verfügt über ein unfassbar hohes Einkommen, ist berühmt und wird verehrt, ach was, vergöttert, lebt in London im Luxus, hat es auch noch zu einer Familie gebracht, auf die er stolz ist. Und dann fängt er eine Liebelei mit einer jungen Frau aus seinen früheren Jahren an und wird darüber zum Zerrissenen.

Tonio Schachinger stellt uns eine Persönlichkeit vor, die unter dem Saturiertheits-Syndrom leidet. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn sich nicht der Erzähler selbst aufgeben würde und bis in die Sprache Mimikry betriebe. Das führt zu einfachen Sätzen, die ihre Nähe zur Einfalt oft nicht verbergen können: „Das Herz macht einen Plumpser“. Soviel zum psychologischen Fingerspitzengefühl in einem Roman, der ständig vom Innenleben und von geheimen Gedanken erzählt. Launig nennt man Sätze, zum Schmunzeln gedacht, die gern als Sympathieträger eingesetzt werden, um eine Person, die etwas platt wirkt, doch noch passabel rüberkommen zu lassen. Der erste Trainer, den Ivo ernst nahm, Kai, beschäftigt den Berühmten immer noch: „Kai ist seit vier Jahren tot und Ivo versteht es erst jetzt. Er versteht, dass Totsein heißt, der Welt für immer zu fehlen, die Welt zu verpassen.“

Rührend, wie ein Held von heute zu seinem Anfang steht und Dankbarkeit empfindet. Schade, dass dafür nur Plattitüden zur Verfügung stehen. Der Erzähler bemüht sich um Lässigkeit, weil er diese für seinen Helden als angemessen empfindet. Nur kommt diese Lockerheit so gern aus zweiter Hand, aus Wolf-Haas-Hand zumal. „Ivo ist eigentlich eh ein ur lockerer Typ. Das ist seine Art. So war er immer schon.“ Nur der Haas’sche Ironie-Ton will sich nicht recht durchsetzen. Dazu ist der Erzähler viel zu begeistert von Ivo, dem er alles ungeschaut abkauft. Bei so wenig Distanz hätte Schachinger den Fußballer gleich selbst sprechen lassen können.

Ivo ist nicht gerade der Hellste, hat sich aber als Fußballer unter den ganz Großen etabliert. Das hat den Nachteil, dass er zur Reflexion wenig taugt. Da sich der Erzähler aber eng an das Bewusstsein des Sportlers hängt, ja geradezu an ihm klebt, kommen wir über recht dürftige Denkfiguren nicht hinaus. Sehr früh hat Ivo alles erreicht, wovon er als Jugendlicher träumte, das macht ihn zu einem unzufriedenen Charakter. Er verfügt über ein unfassbar hohes Einkommen, ist berühmt und wird verehrt, ach was, vergöttert, lebt in London im Luxus, hat es auch noch zu einer Familie gebracht, auf die er stolz ist. Und dann fängt er eine Liebelei mit einer jungen Frau aus seinen früheren Jahren an und wird darüber zum Zerrissenen.

Tonio Schachinger stellt uns eine Persönlichkeit vor, die unter dem Saturiertheits-Syndrom leidet. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn sich nicht der Erzähler selbst aufgeben würde und bis in die Sprache Mimikry betriebe. Das führt zu einfachen Sätzen, die ihre Nähe zur Einfalt oft nicht verbergen können: „Das Herz macht einen Plumpser“. Soviel zum psychologischen Fingerspitzengefühl in einem Roman, der ständig vom Innenleben und von geheimen Gedanken erzählt. Launig nennt man Sätze, zum Schmunzeln gedacht, die gern als Sympathieträger eingesetzt werden, um eine Person, die etwas platt wirkt, doch noch passabel rüberkommen zu lassen. Der erste Trainer, den Ivo ernst nahm, Kai, beschäftigt den Berühmten immer noch: „Kai ist seit vier Jahren tot und Ivo versteht es erst jetzt. Er versteht, dass Totsein heißt, der Welt für immer zu fehlen, die Welt zu verpassen.“

Rührend, wie ein Held von heute zu seinem Anfang steht und Dankbarkeit empfindet. Schade, dass dafür nur Plattitüden zur Verfügung stehen. Der Erzähler bemüht sich um Lässigkeit, weil er diese für seinen Helden als angemessen empfindet. Nur kommt diese Lockerheit so gern aus zweiter Hand, aus Wolf-Haas-Hand zumal. „Ivo ist eigentlich eh ein ur lockerer Typ. Das ist seine Art. So war er immer schon.“ Nur der Haas’sche Ironie-Ton will sich nicht recht durchsetzen. Dazu ist der Erzähler viel zu begeistert von Ivo, dem er alles ungeschaut abkauft. Bei so wenig Distanz hätte Schachinger den Fußballer gleich selbst sprechen lassen können.

Nicht wie ihr - © Kremayr & Scheriau
© Kremayr & Scheriau
Literatur

Nicht wie ihr

Roman von Tonio Schachinger

Kremayr & Scheriau 2019

302 S., geb., € 22,90