Ein Diener und Brückenbauer

Gerade an den erfolgreichen Journalisten, schreibt Max Weber, gerade an diesen werden "besonders schwierige innere Anforderungen gestellt". Diese bestünden, Weber unvollständig zitierend, etwa im Umgang mit den "Mächtigen der Erde" und darin, sich "über alle Probleme überzeugend äußern zu sollen" ohne "der Verflachung und Würdelosigkeit der Selbstentblößung zu verfallen". Einer, der alle diese Anforderungen vorbildlich erfüllt hat, der Meisterstücke lieferte und einer Generation an Journalisten als Freund und Förderer dient, feiert am 16. Juli 2008 seinen Geburtstag: Prof. Heinz Nußbaumer, einer der beiden Herausgeber dieser Zeitung, wird 65.

Er nimmt sich ernst, aber nicht zu wichtig. Das sind ihm die anderen. "Ich versuche immer, zumindest den zu verstehen, mit dem ich gerade zu tun habe", lautet eines seiner Prinzipien. Es ist das Mitgefühl, das ihn leitet, und es sind daher die Schwachen und die Opfer, auf die Heinz Nußbaumer den Blick lenkt.

Zuletzt vor wenigen Tagen bei der parlamentarischen Enquete über Medienrecht und Opferschutz in Wien, wo er, die Justizministerin zitierend, von den Medien "schonenden, achtungsvollen Umgang mit Opfern" verlangte. Desgleichen bei seiner ersten großen Reportage vor vierzig Jahren: Gerade 24 Jahre alt, wurde Nußbaumer von Kurier-Chefredakteur Hugo Portisch in den Nahen Osten entsandt, um vom Sechs-Tage-Krieg zu berichten. Der spätere langjährige Kurier-Außenpolitik-Chef erkannte das Elend der vor Israels Armee flüchtenden ägyptischen Soldaten: Sie hatten die ungewohnten Schuhe des Militärs ausgezogen, im Sand liegen lassen, um wie gewohnt barfuß und somit schneller nach Hause zu gelangen.

Einfühlsamer Beobachter

Einer, der so viel sieht und so viel Mitgefühl hat wie Nußbaumer, ist stets in Eile. Ist ein guter Zuhörer, aber auch ein gefragter Gesprächspartner. Er interviewte alle Größen seines Journalistenlebens, Könige, Präsidenten und Revolutionsführer. Er sprach vor kleinen und vor großen Foren, ist darin ein unermüdlicher Mahner für Toleranz und Verständigung, ein Brückenbauer im besten Sinne des Wortes. Und er vermittelt in den Begegnungen mit ihm eine dichte Anwesenheit, eine konzentrierte Präsenz, die seine Gesprächspartner unaufgefordert dazu drängt, klarzulegen, ob und was denn gerade jetzt wirklich wichtig sei. Das tiefe Wissen um die Vergänglichkeit des Lebens und die Vergeblichkeit vieler guter Mühen macht die Sätze von Heinz Nußbaumer so eindringlich, dass seine Bücher geradezu zwangsläufig zu Bestsellern wurden. Der sehr persönliche Band "Der Mönch in mir", in denen Nußbaumer seine Erfahrungen als Athos-Pilger schildert, zeigt ihn als exzellenten, einfühlsamen Beobachter, als farbenfroh und bilderreich schreibenden Autor, dessen Text beim Leser auslöst, was Nußbaumer besonders charakterisiert: Mit der Seele zu atmen.

Wer spricht und schreibt wie er, ist auch als Mensch so, und damit im sozialen und beruflichen Umfeld eine hochgeschätzte Persönlichkeit, deren Engagement, Loyalität und Unermüdlichkeit legendär sind. Nußbaumer hilft mit Geist und Kraft gar vielen, den Kleinen im SOS-Kinderdorf und manch Großen in ihrer Berufung. Ständig nimmt er in endlos scheinender Energie für jene, mit denen er zu tun hat, Aufgaben auf sich. Doch zu dienen, so hat man den Eindruck, gedenkt er dabei aber nur dem Einen. (C.R.)

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