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Grüner Verbinder ins bürgerliche Lager

Es war der erste grüne Wahlerfolg seit gefühlten Ewigkeiten. Dabei lagen Freud und Leid für die Bundespartei am Sonntag eng beisammen: Bei der Salzburger Landtagswahl wurden die Grünen unter der glücklosen Spitzenkandidatin Astrid Rössler halbiert. Sie verkündete noch am Wahlabend ihren Rücktritt. Gedanken dieser Art dürften sich bei Georg Willi in nächster Zeit eher nicht aufdrängen: Der grüne Spitzenkandidat in Innsbruck fuhr am selben Tag seinen größten persönlichen Wahlerfolg ein: Nicht nur landete seine Partei bei der dortigen Gemeinderatswahl mit 24,16 Prozent klar auf Platz eins. Auch bei der Bürgerermeisterdirektwahl schaffte es Willi mit 30,88 Prozent deutlich als Erstplatzierter in die Stichwahl. Dort wird er am 6. Mai auf die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Liste Für Innsbruck) treffen, die mit 24,28 Prozentpunkten auf Platz zwei landete. Die große Zustimmung für Willi ist nicht zuletzt auf dessen politische Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen, die ihn stets weit über grüne Kernwählerschichten hinauswirken ließ: Der 58-Jährige gilt als Prototyp eines bürgerlichen grünen "Realos". Das machte ihn in der Tiroler Landeshauptstadt zum Verbinder über Fraktionsgrenzen hinweg und ließ ihn auch im konservativen Lager wildern. Im Wahlkampf setzte Willi stark auf das Thema leistbares Wohnen. Die Verbundenheit zu seiner Tiroler Heimat inszenierte er ähnlich wie Alexander van der Bellen vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten. Hinzu kommt: Willi ist ein politisches Urgestein seiner Partei und in Tirol ihr bekanntestes Gesicht. Im Gegensatz zum grünen Image, oft zu "oberlehrerhaft" daherzukommen, höre er Leuten zunächst einmal zu, sagte Willi am Tag nach der Wahl im ZiB2-Interview über sich selbst. "Auch ein Freiheitlicher kann mir sagen, warum er etwas nicht gut findet", so der grüne Spitzenkandidat, dem auch ein gutes Arbeitsverhältnis zum FP-Spitzenkandidaten Rudi Federspiel nachgesagt wird. Geboren wurde Willi 1959 in Innsbruck. Nach der Matura studierte er Ökologie und Rechtswissenschaften. 1989 zog er für die Vereinten Grünen in den Innsbrucker Gemeinderat ein, bevor er 1994 als Klubobmann in den Tiroler Landtag wechselte. Bei der Landtagswahl 2003 schafften die Grünen mit Willi als Landessprecher mit 15,59 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei Landesoder Bundeswahlen. Neben der Politik begeistert sich der verheiratete Vater eines Sohnes übrigens auch für die Musik: Er ist als Sänger und Chorleiter tätig.

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