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Kapital statt Geld

12. Philosophicum Lech: Die Magie des Geldes und der verheimlichte Gott des Kapitalismus.

Wer über Geld spricht, hat es nicht.“ Mit diesem Spruch eröffnete der wissenschaftliche Leiter des Philosophicums Konrad Paul Liessmann seinen Einführungsvortrag zum Symposium. In den darauffolgenden Tagen wurde in der Gemeinde Lech am Arlberg jedoch über nichts anderes mehr gesprochen als über eines: Geld. Der konkrete Entwicklungsgang des Geldes ist nicht genau bekannt, die erste systematische Verwendung von Münzen wird jedoch zumeist in das siebente vorchristliche Jahrhundert datiert. Bereits Aristoteles widmet sich dem Phänomen Geld auf philosophische Weise. Für ihn ist klar, dass es nur im Zusammenhang mit dem Tauschhandel entstanden sein kann. Geld stellt nach ihm ein Maß dar, welches alle Güter untereinander vergleichbar macht. Durch das Geld ist es dem Menschen also möglich, vom Wert einer Sache zu sprechen. Der Stellenwert des Geldes innerhalb der Gesellschaft ist nicht leicht zu durchschauen. Oft ist auch vom Geld als (ver)heimlich(t)er Religion die Rede.

Für den Tübinger Soziologen Christoph Deutschmann ist klar, dass das Geld in unserer Gesellschaft – und zwar auf eine uns vielleicht gar nicht so bewusste Weise – eine wesentliche Rolle spielt, die weit über jene eines neutralen Tauschmittels hinausgeht. So weit, dass es gute Argumente dafür gibt, von einem Religionsersatz zu sprechen. Der Charakterisierung des Geldes als ein neutrales Mittel kann Deutschmann nichts abgewinnen. Im Gegenteil. Gerade heute, im Zeitalter des scheinbar substantiell „wertlosen“ Zentralbankgeldes, birgt es einen inneren Wert von höchster Potenz. Geld ist nämlich schon lange nicht mehr nur ein Tauschmittel, sondern es ist zum Vermögen geworden. Es hilft seinem Besitzer – wie es auch Georg Simmel verstanden hat – zu einem Können zu gelangen, zu einer universalen Fähigkeit. Das Geld hat sich in Kapital verwandelt. Durch die Verbindung mit dem Arbeitsvermögen ist es zu Geldvermögen geworden, welches in der Tat einen numinosen Charakter gewonnen hat. Aufgrund dessen ist auch nicht weiter verwunderlich, dass Walter Benjamin vom Kapitalismus als Religion gesprochen hat. Eine Religion allerdings, deren Gott, wie Benjamin sagt, verheimlicht werden muss. Die Magie des Geldes beruht darauf, dass es nicht offiziell als Religion in Erscheinung tritt, sondern sich hinter der Maske der Ökonomie verbirgt.

Das 12. Philosophicum Lech

fand heuer von 17. bis 21. September zum Thema „Geld. Was die Welt im Innersten zusammenhält“ statt. In Vorträgen und Podiumsgesprächen diskutierten Philosophen, Ökonomen und Soziologen über das Wesen des Geldes und dessen Bedeutung für den Menschen in Gegenwart und Zukunft.

13. Philosophicum Lech 2009

Vom Zauber des Schönen.

Reiz, Begehren und Zerstörung

16.–20. September 2009

www.philosophicum.com

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