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Corona: Schuljahr wiederholen?

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Corona: Schuljahr wiederholen? Pro

1945 1960 1980 2000 2020

Jede Woche diskutieren in unserer Rubrik "Pro und Contra" zwei Redakteure über ein Thema. Diese Woche geht es um die Frage: Corona: Schuljahr wiederholen?

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Jede Woche diskutieren in unserer Rubrik "Pro und Contra" zwei Redakteure über ein Thema. Diese Woche geht es um die Frage: Corona: Schuljahr wiederholen?

Die ehemalige Ombudsfrau im Bildungsministerium, Susanne Wiesinger, forderte im Profil eine Wiederholung des Schuljahres für einen Großteil der Schüler und Schülerinnen. Der Bildungsminister reagierte prompt – mit einer Absage. Faßmann argumentierte, dass eine pauschal verordnete Ehrenrunde die digital erbrachten Leistungen von Lernenden wie Lehrern und Lehrerinnen entwerten würde. Die Stellungnahme des Ministers ist fadenscheinig. Tatsächlich ist eine Wiederholung des Schuljahres logistisch nicht umsetzbar. Ein Jahrgang geht, ein Jahrgang kommt – so ist das Schulsystem aufgebaut. Ein Extrajahr würde die Kapazitäten sprengen. Doch ein wirtschaftliches Faktum darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Kinder von einem Pufferjahr sehr wohl profitieren würden. Schließlich geht die Pandemie an den wenigsten Buben und Mädchen spurlos vorüber. Viele von ihnen fühlen sich überfordert, demotiviert, sozial isoliert, ängstlich. Bei den einen macht sich das durch einen Leistungsabfall bemerkbar, andere reagieren psychosomatisch und/oder sie resignieren. Zu Beginn der Krise kamen die Betroffenen vor allem aus sozial benachteiligten Gruppen. Längst sind sie in allen Bevölkerungsschichten zu finden. Die Heranwachsenden sollen und können nach diesem Ausnahmejahr nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Es braucht eine Verschnaufpause – und zwar vom Funktionieren-Müssen. Gewisse Dinge können nicht nebenher aufgeholt werden. Gemeint sind nicht nur der Schulstoff, sondern Inhalte, die jetzt unter den Tisch fallen – Sozial- kompetenzen oder sprachliches Ausdrucksvermögen etwa. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Die ehemalige Ombudsfrau im Bildungsministerium, Susanne Wiesinger, forderte im Profil eine Wiederholung des Schuljahres für einen Großteil der Schüler und Schülerinnen. Der Bildungsminister reagierte prompt – mit einer Absage. Faßmann argumentierte, dass eine pauschal verordnete Ehrenrunde die digital erbrachten Leistungen von Lernenden wie Lehrern und Lehrerinnen entwerten würde. Die Stellungnahme des Ministers ist fadenscheinig. Tatsächlich ist eine Wiederholung des Schuljahres logistisch nicht umsetzbar. Ein Jahrgang geht, ein Jahrgang kommt – so ist das Schulsystem aufgebaut. Ein Extrajahr würde die Kapazitäten sprengen. Doch ein wirtschaftliches Faktum darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Kinder von einem Pufferjahr sehr wohl profitieren würden. Schließlich geht die Pandemie an den wenigsten Buben und Mädchen spurlos vorüber. Viele von ihnen fühlen sich überfordert, demotiviert, sozial isoliert, ängstlich. Bei den einen macht sich das durch einen Leistungsabfall bemerkbar, andere reagieren psychosomatisch und/oder sie resignieren. Zu Beginn der Krise kamen die Betroffenen vor allem aus sozial benachteiligten Gruppen. Längst sind sie in allen Bevölkerungsschichten zu finden. Die Heranwachsenden sollen und können nach diesem Ausnahmejahr nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Es braucht eine Verschnaufpause – und zwar vom Funktionieren-Müssen. Gewisse Dinge können nicht nebenher aufgeholt werden. Gemeint sind nicht nur der Schulstoff, sondern Inhalte, die jetzt unter den Tisch fallen – Sozial- kompetenzen oder sprachliches Ausdrucksvermögen etwa. Um nur einige Beispiele zu nennen.

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