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Corona: Schuljahr wiederholen?

DISKURS

Corona: Schuljahr wiederholen? Contra

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Jede Woche diskutieren in unserer Rubrik "Pro und Contra" zwei Redakteure über ein Thema. Diese Woche geht es um die Frage: Corona: Schuljahr wiederholen?

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Jede Woche diskutieren in unserer Rubrik "Pro und Contra" zwei Redakteure über ein Thema. Diese Woche geht es um die Frage: Corona: Schuljahr wiederholen?

Natürlich, die Realverfassung des Bildungssystems ist das schlagendste Argument gegen ein zusätzliches Schuljahr: Für einen weiteren Jahrgang fehlen schlicht Räume und Ressourcen. Doch es gibt weitere gute Gründe, die gegen den von Susanne Wiesinger ventilierten – und von Bildungsminister wie Schulpartnern und -partnerinnen abgelehnten – Vorstoß sprechen: Der erste ist die als „aufgehende Schere“ bekannte Heterogenität an Lockdown-Erfahrungen. Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Milieus sind weiter zurückgefallen, andere weniger – und die meisten machten wohl in digitaler Kompetenz sowie Selbstorganisation einen Sprung nach vorn. Es war also kein generell „verlorenes Jahr“. Angesichts dessen allen ein weiteres aufzubürden, wäre unfair – und nur die benachteiligten dazu zu verpflichten, hieße, sie doppelt für politische Versäumnisse zu strafen. Zudem: Gegen die dramatischen psychischen Belastungen der Kinder hilft kein weiteres Jahr, sondern nur ein möglichst baldiger und für Schüler und Schülerinnen wie Lehrkräfte sicherer Start des Präsenz unterrichts. Wichtig wäre es, ab diesem Moment – „koste es, was es wolle“ – in integrierte und nachhaltige Förder- sowie psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen an den Schulen zu investieren. Die in Aussicht gestellten 200 Millionen Euro – für durchschnittlich zwei Stunden pro Klasse bis Februar 2022 – sowie die zweiwöchige „Sommerschule“ können nur der Anfang sein, denn viele Probleme gab es schon vor Corona. Schon jetzt hätte das Ministerium freilich den Druck reduzieren und das Plädoyer „Milde statt Härte“ bei den Noten konkretisieren müssen. Dass junge Menschen in der Krise „blaue Briefe“ erhalten, lässt einen sprachlos zurück.

Natürlich, die Realverfassung des Bildungssystems ist das schlagendste Argument gegen ein zusätzliches Schuljahr: Für einen weiteren Jahrgang fehlen schlicht Räume und Ressourcen. Doch es gibt weitere gute Gründe, die gegen den von Susanne Wiesinger ventilierten – und von Bildungsminister wie Schulpartnern und -partnerinnen abgelehnten – Vorstoß sprechen: Der erste ist die als „aufgehende Schere“ bekannte Heterogenität an Lockdown-Erfahrungen. Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Milieus sind weiter zurückgefallen, andere weniger – und die meisten machten wohl in digitaler Kompetenz sowie Selbstorganisation einen Sprung nach vorn. Es war also kein generell „verlorenes Jahr“. Angesichts dessen allen ein weiteres aufzubürden, wäre unfair – und nur die benachteiligten dazu zu verpflichten, hieße, sie doppelt für politische Versäumnisse zu strafen. Zudem: Gegen die dramatischen psychischen Belastungen der Kinder hilft kein weiteres Jahr, sondern nur ein möglichst baldiger und für Schüler und Schülerinnen wie Lehrkräfte sicherer Start des Präsenz unterrichts. Wichtig wäre es, ab diesem Moment – „koste es, was es wolle“ – in integrierte und nachhaltige Förder- sowie psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen an den Schulen zu investieren. Die in Aussicht gestellten 200 Millionen Euro – für durchschnittlich zwei Stunden pro Klasse bis Februar 2022 – sowie die zweiwöchige „Sommerschule“ können nur der Anfang sein, denn viele Probleme gab es schon vor Corona. Schon jetzt hätte das Ministerium freilich den Druck reduzieren und das Plädoyer „Milde statt Härte“ bei den Noten konkretisieren müssen. Dass junge Menschen in der Krise „blaue Briefe“ erhalten, lässt einen sprachlos zurück.

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