#12 Eine Vogelscheuche gegen Zaungäste

1945 1960 1980 2000 2020

Am Weg zum Traualtar: Die Frage nach den Gästen

1945 1960 1980 2000 2020

Am Weg zum Traualtar: Die Frage nach den Gästen

Geht es um Hochzeiten, lautet die Frage aller Fragen nicht: „Willst du mich heiraten?“. Falls Sie das gedacht haben, tut es mir leid, Sie enttäuschen zu müssen. Nein. Die wichtigste Frage ist: „Wer soll dabei sein, wenn wir heiraten?“ Und glauben Sie bloß nicht, es gibt hier keine Regeln. Allen voran die Kategorisierung der Gäste.

Nummer eins: die Geladenen – also die Personen, denen man ein schickes Briefchen mit dem Titel „Einladung“ zukommen lässt. Die dürfen den ganzen Saus und Braus von Anfang bis Ende miterleben. Nummer zwei: die Catering-Generation. Das sind jene Menschen, die denselben Jahrgängen wie das Brautpaar angehören und mit welchen man vermutlich am allerliebsten feiern würde, die aber – weil das immer so ist – den Festtag als Kellner(innen) verbringen dürfen.

Und Nummer drei: Zaungäste. Eine diffuse Gruppe von Leuten, denen niemand nur ansatzweise vermittelt hat, dass ihre Anwesenheit erwünscht wäre, die aber trotzdem pünktlicher da sind, als alle anderen. Zwar sprechen sie mit niemandem, wollen aber mit ausreichend Kuchen und Getränken versorgt werden. Ein Phänomen, das man vor allem im ländlichen Bereich antrifft. In der Stadt wären Zaungäste wohl mit den Personen zu vergleichen, die im Treppenhaus des Standesamtes bereits auf die übernächste Trauung warten und versehentlich auch ein Glas Sekt in die Hand gedrückt bekommen, weil man sowieso nicht weiß, wer zu welcher Gesellschaft gehört.

Beim Schreiben der Gästeliste unserer eigenen Hochzeit habe ich dieses imaginäre Regelwerk zerrissen. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wen ich wozu einladen darf, dachte ich. Mein naives Vergangenheits-Ich war sich noch sicher, der Sommer 2021 liege bereits im postpandemischen Zeitalter. Nun ist klar, dass die Feierlichkeiten nach wie vor vom Gutdünken eines gewissen Virus’ abhängen werden. Ob überhaupt Gäste auftauchen dürfen, liegt in den Sternen. Sicher ist aber: Gegen Zaungäste stelle ich eine Vogelscheuche auf.

Geht es um Hochzeiten, lautet die Frage aller Fragen nicht: „Willst du mich heiraten?“. Falls Sie das gedacht haben, tut es mir leid, Sie enttäuschen zu müssen. Nein. Die wichtigste Frage ist: „Wer soll dabei sein, wenn wir heiraten?“ Und glauben Sie bloß nicht, es gibt hier keine Regeln. Allen voran die Kategorisierung der Gäste.

Nummer eins: die Geladenen – also die Personen, denen man ein schickes Briefchen mit dem Titel „Einladung“ zukommen lässt. Die dürfen den ganzen Saus und Braus von Anfang bis Ende miterleben. Nummer zwei: die Catering-Generation. Das sind jene Menschen, die denselben Jahrgängen wie das Brautpaar angehören und mit welchen man vermutlich am allerliebsten feiern würde, die aber – weil das immer so ist – den Festtag als Kellner(innen) verbringen dürfen.

Und Nummer drei: Zaungäste. Eine diffuse Gruppe von Leuten, denen niemand nur ansatzweise vermittelt hat, dass ihre Anwesenheit erwünscht wäre, die aber trotzdem pünktlicher da sind, als alle anderen. Zwar sprechen sie mit niemandem, wollen aber mit ausreichend Kuchen und Getränken versorgt werden. Ein Phänomen, das man vor allem im ländlichen Bereich antrifft. In der Stadt wären Zaungäste wohl mit den Personen zu vergleichen, die im Treppenhaus des Standesamtes bereits auf die übernächste Trauung warten und versehentlich auch ein Glas Sekt in die Hand gedrückt bekommen, weil man sowieso nicht weiß, wer zu welcher Gesellschaft gehört.

Beim Schreiben der Gästeliste unserer eigenen Hochzeit habe ich dieses imaginäre Regelwerk zerrissen. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wen ich wozu einladen darf, dachte ich. Mein naives Vergangenheits-Ich war sich noch sicher, der Sommer 2021 liege bereits im postpandemischen Zeitalter. Nun ist klar, dass die Feierlichkeiten nach wie vor vom Gutdünken eines gewissen Virus’ abhängen werden. Ob überhaupt Gäste auftauchen dürfen, liegt in den Sternen. Sicher ist aber: Gegen Zaungäste stelle ich eine Vogelscheuche auf.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

Ihre wöchentliche Portion Digital Dirndl

Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

FURCHE-Navigator Vorschau