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Feuilleton

Der Sänger auf endloser Tournee

1945 1960 1980 2000 2020
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"Er bedeutet für die Popmusik das gleiche wie Einstein für die Physik": So schätzte das US-Nachrichtenmagazin Newsweek einmal den Stellenwert von Bob Dylan ein. Und diese Worte scheinen keineswegs übertrieben: Der Folk-und Rockmusiker, der am 24. Mai seinen 75. Geburtstag feiert, hat die Popmusik geprägt wie kaum ein Zweiter - allerdings nicht so sehr als Interpret, obwohl er seit 55 Jahren auf der Bühne steht, sondern als Komponist. Er schrieb Songs, die zum Kanon der Popmusik gehören, etwa das von der Zeitschrift Rolling Stone zum "Greatest Song of All Time" geklärte "Like a Rolling Stone" oder die ultimative Lagerfeuer-und Straßenmusiker-Hymne "Blowin' in the Wind". Vor allem aber etablierte er mit seinen hochkomplexen Texten den Popsong als ernstzunehmende Kunstform. Der Musiker wurde in der Vergangenheit sogar immer wieder als Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Der 1941 geborene Dylan begann seine Karriere als Folksänger. Mit seinen ebenso politischen wie poetischen Songs, meist solo mit Akustikgitarre und Mundharmonika vorgetragen, wurde er - wider Willen - zu einem Sprachrohr der aufbegehrenden Jugend der Prä-Hippie-Ära. Mitte der Sechziger Jahre wandte er sich jäh der Rockmusik zu - zum Entsetzen vieler Fans, die sein nunmehr elektrisch verstärktes Gitarrenspiel mit dem Feuer einer Maschinenpistole verglichen, die er auf sie abfeuere. Es blieb nicht die einzige musikalische Kehrtwende: Anfang der Siebziger wandte er sich dem Country, einem damals als reaktionär verschrienem Genre zu. Ende der Siebziger konvertierte der als Robert Zimmermann geborene Sohn jüdischer Immigranten zum Christentum und veröffentlichte drei stark religiös geprägte Alben. Seit 1988 befindet sich Dylan auf der "Never ending Tour", einer endlosen Tournee, in deren Rahmen er jährlich rund 100 Konzerte in aller Welt spielt. Dass er seine Lieder in musikalisch oft völlig neuartigen Versionen zum besten gibt und konsequent den Kontakt mit dem Publikum verweigert - es kann passieren, dass er seinen Zuhörern eineinhalb Stunden lang den Rücken zukehrt -hat ihn einige Fans gekostet. Seine eingefleischten Anhänger hingegen nehmen ihn mit geradezu religiöser Inbrunst vor jeder Kritik in Schutz (etwa Klagen über seine gesanglichen Qualitäten). Jedes seiner Konzerte wird von Adepten illegal mitgeschnitten und in deren Kreisen ehrfurchtsvoll getauscht. Rund 4.000 solcher musikalischer Reliquien soll es mittlerweile geben.

"Er bedeutet für die Popmusik das gleiche wie Einstein für die Physik": So schätzte das US-Nachrichtenmagazin Newsweek einmal den Stellenwert von Bob Dylan ein. Und diese Worte scheinen keineswegs übertrieben: Der Folk-und Rockmusiker, der am 24. Mai seinen 75. Geburtstag feiert, hat die Popmusik geprägt wie kaum ein Zweiter - allerdings nicht so sehr als Interpret, obwohl er seit 55 Jahren auf der Bühne steht, sondern als Komponist. Er schrieb Songs, die zum Kanon der Popmusik gehören, etwa das von der Zeitschrift Rolling Stone zum "Greatest Song of All Time" geklärte "Like a Rolling Stone" oder die ultimative Lagerfeuer-und Straßenmusiker-Hymne "Blowin' in the Wind". Vor allem aber etablierte er mit seinen hochkomplexen Texten den Popsong als ernstzunehmende Kunstform. Der Musiker wurde in der Vergangenheit sogar immer wieder als Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Der 1941 geborene Dylan begann seine Karriere als Folksänger. Mit seinen ebenso politischen wie poetischen Songs, meist solo mit Akustikgitarre und Mundharmonika vorgetragen, wurde er - wider Willen - zu einem Sprachrohr der aufbegehrenden Jugend der Prä-Hippie-Ära. Mitte der Sechziger Jahre wandte er sich jäh der Rockmusik zu - zum Entsetzen vieler Fans, die sein nunmehr elektrisch verstärktes Gitarrenspiel mit dem Feuer einer Maschinenpistole verglichen, die er auf sie abfeuere. Es blieb nicht die einzige musikalische Kehrtwende: Anfang der Siebziger wandte er sich dem Country, einem damals als reaktionär verschrienem Genre zu. Ende der Siebziger konvertierte der als Robert Zimmermann geborene Sohn jüdischer Immigranten zum Christentum und veröffentlichte drei stark religiös geprägte Alben. Seit 1988 befindet sich Dylan auf der "Never ending Tour", einer endlosen Tournee, in deren Rahmen er jährlich rund 100 Konzerte in aller Welt spielt. Dass er seine Lieder in musikalisch oft völlig neuartigen Versionen zum besten gibt und konsequent den Kontakt mit dem Publikum verweigert - es kann passieren, dass er seinen Zuhörern eineinhalb Stunden lang den Rücken zukehrt -hat ihn einige Fans gekostet. Seine eingefleischten Anhänger hingegen nehmen ihn mit geradezu religiöser Inbrunst vor jeder Kritik in Schutz (etwa Klagen über seine gesanglichen Qualitäten). Jedes seiner Konzerte wird von Adepten illegal mitgeschnitten und in deren Kreisen ehrfurchtsvoll getauscht. Rund 4.000 solcher musikalischer Reliquien soll es mittlerweile geben.