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Arman T. Riahi: „Die Welt ringsum vergessen“

1945 1960 1980 2000 2020

Matthias Greuling im Gespräch mit dem Regisseur Arman T. Riahi über seinen neuen Film „Fuchs im Bau“.

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Matthias Greuling im Gespräch mit dem Regisseur Arman T. Riahi über seinen neuen Film „Fuchs im Bau“.

Zuerst war da Erstaunen: Als Regisseur Arman T. Riahi („Die Migrantigen“) eine Gefängnisschule in Wien entdeckte, wollte er darüber einen Film drehen. „Fuchs im Bau“, der die Diagonale eröffnet, schildert den Alltag in einer Schule für jugendliche Straftäter in einer Vollzugsanstalt – es ist ein höchst ungewöhnlicher Ort.

DIE FURCHE: Herr Riahi, woher stammt ihre Idee, über die Knast-Schule einen Film zu machen?
Arman T. Riahi: Die Idee zu „Fuchs im Bau“ war schon vor den „Migrantigen“ da. Sie entstand schon während der Recherchearbeit zu meinem ersten Kinodokumentarfilm „Schwarzkopf“. Der handelte von Jugendlichen in Wien, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und die auch schon inhaftiert gewesen sind. Sie waren zwar auf dem Papier Österreicher, aber sie haben sich nicht als solche gesehen. Mich interessierte, wieso das so ist, ich wollte damals im Gefängnis mit Jugendlichen sprechen, aber das ist natürlich nicht so einfach. Du kannst dort nicht einfach hingehen mit einem Filmteam und die Kamera aufstellen. Als ich in der größten Justizanstalt Österreichs, in Wien-Josefstadt, anrief und mit dem damaligen Leiter sprach, wurde mir schnell klar, dass man diesen Film nicht als Doku drehen kann, sondern dass es ein Spielfilm sein musste. Für eine Doku hätten wir keine Drehgenehmigung bekommen.

DIE FURCHE: Was ist das Besondere an einer Gefängnisschule?
Riahi: Zunächst wusste ich nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich habe den damaligen Sonderpädagogen der Justizanstalt Josefstadt, Wolfgang Riebniger, kennengelernt, dessen Leben die Inspiration zu diesem Film ist. Ich wusste vom ersten Tag an, dass ich einen Film über die Gefängnisschule machen wollte. Denn diese Schule ist ein Ort, an dem die Jugendlichen, die hier einsitzen, so etwas wie Freiheit spüren können, und wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Sie vergessen für die Zeit des Unterrichts, das sind vier, fünf Stunden am Stück, ihre Probleme.

DIE FURCHE: Die Lehrerin im Film, sie heißt Elisabeth Berger und wird gespielt von Maria Hofstätter, hat ihre ganz eigene, ganz legere Art, mit den Jugendlichen umzugehen.
Riahi: Für diese Figur gab es ein echtes Vorbild. Berger versucht, mittels Kunstunterricht eine Art therapeutische Herangehensweise an die Häftlinge zu erwirken. Sogar die wildesten Insassen beruhigen sich und entspannen sich beim Malen. Es gibt mittlerweile sehr viele Studien dazu, dass Kunstunterricht auch bei Erwachsenen in amerikanischen Gefängnissen sehr wirksam ist und die Konflikte intern im Gefängnis zwischen den Häftlingen sehr stark reduziert.

DIE FURCHE: Der neue Lehrer, Herr Fuchs, nimmt uns als Neuling ganz unbedarft mit in den Knast.
Riahi: Das ist Absicht. So erfahren wir die Interna aus seiner Sicht. Er ist eigentlich ich, als ich das erste Mal auf diese Schule gestoßen bin. Ich wollte die Geschichte durch die Augen eines Newcomers erzählen. Ich wollte zeigen, dass da jemand hineingeht, der das Gefühl hat, etwas besser machen zu müssen im Leben.

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