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Die neue Natascha K.

Natascha Kampusch sagte in einem Interview vor mehr als einem Jahr, dass sie sich vorstellen könnte einmal Journalistin zu werden. Den ersten Schritt in diese Richtung hat sie nun getan. Für das Branchenblatt Der Österreichische Journalist verfasste Kampusch ihren ersten Artikel, der allerdings zuvor in der Info-Illustrierten News abgedruckt wurde, zu der Kampusch über den verstorbenen Herausgeber Alfred Worm ein besonderes Verhältnis hat. War es doch Worm, der sie als erster interviewen durfte.

Der Hype um Frau Kampusch scheint sich jedoch langsam abzukühlen. War die junge Frau ein Jahr nach ihrer Flucht die Top-Story in News so ist ihr erster Artikel mit keinem Wort auf dem Cover vertreten. Der Leser verlangt wohl nach mehr. Will heißen: "So tickt unsere Jugend", "Die neue Schule" und "Der große Ski-Test". Ob dem berühmtesten Entführungsopfer aus Österreich das stört, ist fraglich, wohl eher wird es sie freuen, dass das "Griss" um ihre Person abebbt, und sie sich einem so genannten normalen Leben widmen kann.

Der rote Faden im Kampusch Erstlingswerk ist die kritische Auseinandersetzung mit den Medien. Wie sie vom Konsumenten zum Objekt einer Industrie wurde, deren Protagonisten sich nicht immer an ihr selbstauferlegtes Berufsethos halten. Beißt da das Mediengeschöpf Kampusch die Hand, die sie fütterte? Und dies zurecht? Auf alle Fälle zurecht, denn Kampusch war für die in Österreich so beliebten Boulevardmedien bzw. die Chronik-Berichterstattung ein gefundenes Fressen. Es menschelte ungemein in dieser "Story", und das will ja der Leser/Hörer/Seher mitbekommen, ein bisschen mitleiden am Leid des Anderen, und das am besten im gemütlichen Wohnzimmer. Und genau das konnte Natascha Kampuschs Geschichte liefern. Da passt ein medienkritischer Artikel natürlich nicht ins Bild. Schade eigentlich.

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