Digital In Arbeit
Feuilleton

Einig nur gegen Schwarz-Blau

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

1. Mai 2000 - was bleibt vom diesjährigen "Tag der Arbeit"? Einst war dies der Festtag der sozialistischen Arbeitersolidarität, ein bewusst revolutionär inszenierter Kontrast zu den "konservativen" Fronleichnamsprozessionen. Mitte der fünfziger Jahre wurde daraus auch ein katholischer Feiertag ("Josef der Arbeiter") und vor allem zu Zeiten Bruno Kreiskys entwickelte sich der 1. Mai zu einer Schau mit feierlichen Lobpreisungen: Seht her, was wir erreicht haben! Arbeiterkultur, Gemeindebauten, Ausbau des Sozialstaates ...

Es gab allerdings damals auch Versuche der Verständigung zwischen Kirche und Sozialdemokratie (Kardinal König beim Bundesvorstand des ÖGB!) und damit den Beginn einer die großen Lager übergreifenden Gemeinschaft. Und jetzt?

"Mit uns zieht die neue Zeit!" hieß es einmal. Kann man das heute noch singen? Die roten Fahnen und Solidaritäts-Transparente wirkten schon in den letzten Jahren defensiv und anti-modernistisch. Wie Symbole von Stillstand und bloßer Rückschau - alles soll so weitergehen wie bisher.

Aber die Zeit, die zieht längst gegen den Sozialstaat in seiner bisherigen Form, gegen die traditionellen Arbeitsverhältnisse, gegen die klassischen Sozial- und Milieubindungen, gegen die alten Institutionen und starren Organisationsstrukturen. Auch in Österreich herrscht deshalb jede Menge Angst um die eigene soziale und berufliche Zukunft.

Es zeichnen sich neue Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ab, stellte auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer dieser Tage fest. "Soziale Balance" zu schaffen sei die große Herausforderung. Das klingt gut und irgendwie ausgewogen. Diese (vieldeutige) Formel hebt sich in den Ohren vieler sicher positiv vom Gerede um "die neue Mitte" eines Tony Blair oder Gerhard Schröder ab.

Aber wo bleibt das Grundwort, in dem die Arbeiterbewegung einst ihre Identität fand - die Solidarität? Sie muss im Zuge der neuen Entwicklungen neu gedacht und gestiftet werden, das steht fest. Wenn damit aber nur negative Solidarisierung in Form der Gegnerschaft zur schwarz-blauen Regierung gemeint ist - wie auch am 1. Mai kämpferisch bekräftigt - dann ist das kein Aufbruch in eine neue Zeit. Leider. Und schade für Österreich.

1. Mai 2000 - was bleibt vom diesjährigen "Tag der Arbeit"? Einst war dies der Festtag der sozialistischen Arbeitersolidarität, ein bewusst revolutionär inszenierter Kontrast zu den "konservativen" Fronleichnamsprozessionen. Mitte der fünfziger Jahre wurde daraus auch ein katholischer Feiertag ("Josef der Arbeiter") und vor allem zu Zeiten Bruno Kreiskys entwickelte sich der 1. Mai zu einer Schau mit feierlichen Lobpreisungen: Seht her, was wir erreicht haben! Arbeiterkultur, Gemeindebauten, Ausbau des Sozialstaates ...

Es gab allerdings damals auch Versuche der Verständigung zwischen Kirche und Sozialdemokratie (Kardinal König beim Bundesvorstand des ÖGB!) und damit den Beginn einer die großen Lager übergreifenden Gemeinschaft. Und jetzt?

"Mit uns zieht die neue Zeit!" hieß es einmal. Kann man das heute noch singen? Die roten Fahnen und Solidaritäts-Transparente wirkten schon in den letzten Jahren defensiv und anti-modernistisch. Wie Symbole von Stillstand und bloßer Rückschau - alles soll so weitergehen wie bisher.

Aber die Zeit, die zieht längst gegen den Sozialstaat in seiner bisherigen Form, gegen die traditionellen Arbeitsverhältnisse, gegen die klassischen Sozial- und Milieubindungen, gegen die alten Institutionen und starren Organisationsstrukturen. Auch in Österreich herrscht deshalb jede Menge Angst um die eigene soziale und berufliche Zukunft.

Es zeichnen sich neue Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ab, stellte auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer dieser Tage fest. "Soziale Balance" zu schaffen sei die große Herausforderung. Das klingt gut und irgendwie ausgewogen. Diese (vieldeutige) Formel hebt sich in den Ohren vieler sicher positiv vom Gerede um "die neue Mitte" eines Tony Blair oder Gerhard Schröder ab.

Aber wo bleibt das Grundwort, in dem die Arbeiterbewegung einst ihre Identität fand - die Solidarität? Sie muss im Zuge der neuen Entwicklungen neu gedacht und gestiftet werden, das steht fest. Wenn damit aber nur negative Solidarisierung in Form der Gegnerschaft zur schwarz-blauen Regierung gemeint ist - wie auch am 1. Mai kämpferisch bekräftigt - dann ist das kein Aufbruch in eine neue Zeit. Leider. Und schade für Österreich.