6996778-1987_12_02.jpg
Digital In Arbeit

Diese CVer!

Zuerst, so schien es, war es ein Protest gegen die Draken. Dann wurden wir belehrt, daß es um ein Föderalismusproblem ging: Länderrechte kontra Zentralstellenarroganz. Das aber auch mit ÖVP-Aspekt: Steirische

Volkspärtei gegen „Vemie- derösterreicherung“ der Bundes-OVP. In personalisierter Form: Krainer (Bu- sek) kontra Mock. Jetzt wissen wir es endgültig: Fortschritt kontra CV ist die Parole.

Das auch noch! Als ob nicht jeder dieser Aspekte allein ausreichte, die Koalition kaputtzumachen und die ÖVP mit ihr, wenn politische Selbstmörder zupacken...

Aber damit das auch noch gesagt sei: Der CV-Streit gehört endlich in die Mottenkiste, wo ihn auch jene endla- gem wollten, die schon vor 40 Jahren an den hohen Schulen um eine Überwindung der sinnlosen Frontstellung zwischen Katholischer Hochschülerschaft und CV rangen.

Die Historie gibt eine klare Auskunft: Als vor hundert und mehr Jahren katholische Studentenverbindungen gegründet wurden, erkämpften sie ihrer Kirche wieder Respekt auf akademischem Boden. Man trug Farben wie die deutschnationalen Korporationen, und das hieß: Wir sind nicht weniger studentisch als ihr, aber pro Kirche und pro Österreich!

Als sich 1933 die österreichischen Verbindungen vom gleichgeschalteten CV in Hitler-Deutschland trennten und einen österreichischen Carteilverband gründeten, war dies die erste akademische Widerstandsbewegung der Geschichte gegen den Nationalsozialismus. Und der CVer, die nach 1945 Österreich wieder auf bauen halfen, braucht sich kein Mensch zu schämen.

Zu den Fakten gehört natürlich auch dies: Es gab und gibt grundsatztreue und laue CVer, Idealisten und Opportunisten, Fortschrittler, Mitläufer und Reaktionäre, Nutznießer und Opfer. Wie anderswo.

Viele Junge denken anders als viele Alte, auch politisch. Der Nicht-CVer Busek hat CV-Mitarbeiter, der CVer Mock hat auch prominente Kritiker mit Band und Mütze, und der ,JRebell“ Krainer hat ein CV-Ehrenband.

Kurz: Es gibt keine solche Frontstellung mehr im katholischen oder im ÖVP-La- ger, die noch einen Sinn hätte. Wer sie künstlich neu belebt, handelt unkirchlich, unpatriotisch, reaktionär, schlicht dumm.

Wenn nicht CVer wie Nicht-CVer in der ÖVP gemeinsam bald etwas Entscheidendes tun, ist sowieso die Partei beim Teufel.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau