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Feuilleton

Die Damen zeigen, wo's lang geht

1945 1960 1980 2000 2020

Eineinhalb Mozart-Wiederaufnahmen: "Le Nozze die Figaro", "Die Entführung aus dem Serail".

1945 1960 1980 2000 2020

Eineinhalb Mozart-Wiederaufnahmen: "Le Nozze die Figaro", "Die Entführung aus dem Serail".

Salzburg wird ihrem Ruf als Mozart-Stadt dieser Tage nur allzu gerecht - dank zweier ausgezeichneter Aufführungen von Opern ihres großen Sohnes: "Die Entführung aus dem Serail", eine Wiederaufnahme aus dem Vorjahr, und "Le Nozze die Figaro", basierend auf einer Inszenierung von Luc Bondy aus dem Jahr 1995, aber musikalisch runderneuert.

Mit viel Tempo dirigiert Sir Charles Mackerras die Wiener Philharmoniker, wobei ihm durchaus auch filigranste, verzückende Lyrik aus dem Taktstock fließt - etwa bei Cherubinos zauberhafter Arietta Voi che sapete. Auch das Ensemble ist hervorragend: Ildebrando D'Arcangelo als routiniert intrigierender Figaro, Dorothea Röschmann als seine emanzipierte Braut Susanna, Dwayne Croft als unsympathischer Macho-Graf, Barbara Frittoli als dessen würdevoll leidende Gattin, und vor allem Maria Bayo als liebestoller Jüngling Cherubino: Ihre Stimme, leuchtend und klar wie ein Rubin, sprudelt vor unerfüllter Leidenschaft und juveniler Schwärmerei. Sensationell! Anders die konventionelle Inszenierung von Joel Lauwers als Bondy-Nachfolger: Den turbulenten Tag im Schloß des Grafen Almaviva vermag sie im Kleinen Festspielhaus nur in den ersten beiden Akten präzise zu erzählen, vor allem in der Gartenszene aber bleiben Motivationen und Struktur des Verwirrspieles im Dunkeln. (Bis 29. August) Im Gegensatz dazu wird man die Inszenierung der "Entführung" im Residenzhof auf jeden Fall nicht so schnell vergessen. Die wütenden Verrisse in den Zeitungen der Bundeshauptstadt brachten im Vorjahr die Wiener Kritiker international in Verruf. Sie hatten sich vor allem daran gestoßen, daß der palästinensische Regisseur Francois Abou Salem die Handlung der Oper ins Palästina der Gegenwart versetzt hatte: Belmonte (Paul Groves) muß die Geiseln Konstanze, Blonde (Malin Hartelius) und Pedrillo (Andreas Conrad) aus den Händen einer von Bassa Selim (Akram Tillawi) geführten Miliz befreien. Entgegen der in Wien vorherrschenden Meinung ist dieses Aufeinanderprallen westlicher und nahöstlicher Kultur zwischen Stacheldraht und UNO-Soldaten sehr gelungen; weniger Zitate traditioneller nahöstlicher Musik hätten allerdings auch nicht geschadet.

Eine sehr gute Leistung von Marc Minkowski und dem von ihm geleiteten Mozarteum Orchester Salzburg. Aus dem hochklassigen Ensemble ragen Elzbieta Szmytka und Franz Hawlata heraus. Erstere als mit allen Koloratur-Wassern gewaschene Konstanze (sie ersetzt in drei Aufführungen die nicht minder großartige Christine Schäfer), zweiterer als kraftvoll-agressiver Osmin, dem der Kampf der Kulturen gehörig zusetzt. (Bis 28. August)