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Medien brauchen Kontrolle

Ein Ceterum censeo, dessen sich diese Kolumne befleißigt, lautet: Österreich braucht dringendst die Selbstkontrolle der Medien. Der alte Österreichische Presserat wurde vor fünf (!) Jahren vom Verband Österreichischer Zeitungen VÖZ, also dem Dachverband der Verleger, zu Grabe getragen. Seitdem herrscht Friedhofsstille. Nicht einmal das schwache, weil folgenlose Votum des Presserates war also zur Stelle, wenn die Medien des Landes sich seither in Ton oder Berichterstattung vergriffen hatten.

Zu tun gäbe es genug. Dass etwa die Tageszeitung Österreich in den fünf Wochen ihres Bestehens schon in mindestens zwei Fällen mit erschwindelten Kolumnen aufgewartet hat (einmal wunderte sich Niki Lauda, dass ein RTL-Interview als Österreich-Kolumne firmierte, ein andermal verbat sich der Politologe Peter Filzmaier, ungebeten als Kolumnist geführt zu werden), machte das journalistische Manko fehlender Selbstkontrolle schmerzlich bewusst: Seriöser Journalismus im Lande hat das Recht und die Pflicht, sich von den Auswüchsen seiner Branche öffentlich zu distanzieren. Zur Zeit herrscht leider der Zustand: Man kann die Fälle zwar (be)klagen, aber mangels Richter (sprich: Selbstkontrollorganen) bleibt alles ungeahndet.

2004 wurde vom heutigen Österreich(!)-Chefredakteur Claus Reitan ein Verein der Chefredakteure gegründet, der eine "Leseranwaltschaft", eine Ombudsstelle für Leserbeschwerden statt eines Presserats initiieren wollte. Letzte Woche wurde ein solches Modell aufs Neue ventiliert.

Man ist skeptisch: Selbstkontrolle unter der Ägide von Verlegern und/oder Chefredakteueren, aber nicht unter der Einbindung von Journalisten-Vertretern, verdient diesen Namen nicht. Die Journalistengewerkschaft hatte 2001 gegen die Defacto-Stilllegung des Presserats durch den VÖZ gekämpft. Ohne Gewerkschaft aber macht jede neue Konstruktion keinen Sinn.

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