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Feuilleton

Wo Kafka letzte Briefe schrieb

1945 1960 1980 2000 2020

In einem Sanatorium in Kierling/Klosterneuburg starb 1924 ein bedeutender deutschsprachiger Autor: Franz Kafka. Ein Studien-und Gedenkraum erinnert daran.

1945 1960 1980 2000 2020

In einem Sanatorium in Kierling/Klosterneuburg starb 1924 ein bedeutender deutschsprachiger Autor: Franz Kafka. Ein Studien-und Gedenkraum erinnert daran.

Kierling bei Klosterneuburg. Ein kleines Dorf am Fuß des Wiener Kahlenbergs, bis in die Dreißigerjahre ein beliebter Luftkurort. Das Gebäude des ehemaligen Sanatoriums Hoffmann steht immer noch, an der Hauptstraße 187. Ein historischer Ort, denn am 3. Juni 1924 ist einer der berühmtesten und wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller dort gestorben: Franz Kafka.

Seit Jahren hatte Kafka an Tuberkulose gelitten, er war im Wiener Allgemeinen Krankenhaus behandelt worden und hatte sich im April 1924 selbst entlassen, entgegen ärztlichem Rat. Seine letzten Wochen verbrachte er in Kierling. Das sonnige Balkonzimmer, das Kafkas Sterbezimmer werden sollte, ging in den Garten hinaus. Von seiner Lebensgefährtin Dora Diamant und seinem Freund Robert Klopstock wurde Kafka gepflegt und begleitet. Bald konnte er nicht mehr sprechen, schrieb Zettel und Briefe, aber auch noch an seinen letzten literarischen Arbeiten.

Dokumente und Briefe

Im Juli 1983, anlässlich Kafkas 100. Geburtstags, wurde in diesem ehemaligen Sanatorium durch die Österreichische Franz Kafka Gesellschaft ein Studienund Gedenkraum eröffnet. Fotodokumente, Briefe und Karten (Faksimile) aus den letzten Monaten vor Kafkas Tod sowie eine frei benutzbare Bibliothek mit seinen Werken, Sekundärliteratur und Übersetzungen aus vielen Sprachen sollten an Kafkas letzte Lebensjahre erinnern.

Als Manfred Müller in Nachfolge von Wendelin Schmidt-Dengler (bis 2008) und Ji rí Grusa (bis 2011) den Vorsitz der Franz-Kafka-Gesellschaft übernahm, wurde er mit dem Problem konfrontiert, dass die Miete nicht mehr zur Gänze von der Stadt Klosterneuburg bezahlt wurde. Der Verein sah sich außerstande, den Studien- und Gedenkraum weiter zu finanzieren. Der Mietvertrag war bereits gekündigt, da gelang das kleine Wunder: Berichte in den Medien (auch die FURCHE berichtete) führten tatsächlich dazu, dass sich private Sponsoren meldeten, die bereit waren, die Miete aus eigener Tasche zu bezahlen.

Seither lebt der Kafka-Gedenkraum wieder auf. Es begann mit einem neuem virtuellen Auftritt, dann folgten Veranstaltungen. "Mir war weniger wichtig, wissenschaftliche Vorträge über Kafka zu organisieren, ich bin eher an der Aktualität von Kafka interessiert, an dieser unglaublichen Attraktivität, die seine Literatur nach wie vor für heutige Schreibende hat", erklärt Manfred Müller. In Kooperation mit dem Essl Museum in Klosterneuburg lief die Reihe "Kafka-Lektüren" an: Schriftstellerinnen und Schriftsteller lesen aus einem Kafka-Text und sprechen darüber, was ihnen daran wichtig ist. Autoren wie Peter Waterhouse, Marianne Gruber, Andrea Winkler, Michael Stavaric und Josef Winkler waren bisher zu Gast. (Nächster Termin: Franz Schuh, 18. Mai)

Attraktive Gestaltung

Vor allem aber gelang, was längst fällig war: Der Studien-und Gedenkraum wurde umgestaltet. Nun ist der Raum für alle attraktiv geworden, sowohl für die Wissenschaftler, die aus der ganzen Welt kommen, als auch für Schüler, die Kafka lesen müssen und von engagierten Lehrerinen und Lehrern nach Kierling gelockt werden.

Auch für die Zukunft hat sich Manfred Müller einiges vorgenommen: Er möchte den Kafkapreis wieder installieren, von 1979 an einer der größten Literaturpreise Österreichs, seit 2001 wurde er nicht mehr vergeben. Sponsoren sind willkommen. Besucher im Gedenkraum aber auch.

Studien- und Gedenkraum

Hauptstraße 187, 3412 Kierling

Nächste Open-Door-Termine (Besuch ohne Voranmeldung möglich): 30. April, 7., 14., 21., 28. Mai, jeweils 11.00-15.00 Uhr

An allen anderen Tagen ist ein Besuch ausschließlich nach Terminvereinbarung per Telefon oder E-Mail möglich: info@franzkafka.at, +43 1 5338159 www.franzkafka.at

Kierling bei Klosterneuburg. Ein kleines Dorf am Fuß des Wiener Kahlenbergs, bis in die Dreißigerjahre ein beliebter Luftkurort. Das Gebäude des ehemaligen Sanatoriums Hoffmann steht immer noch, an der Hauptstraße 187. Ein historischer Ort, denn am 3. Juni 1924 ist einer der berühmtesten und wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller dort gestorben: Franz Kafka.

Seit Jahren hatte Kafka an Tuberkulose gelitten, er war im Wiener Allgemeinen Krankenhaus behandelt worden und hatte sich im April 1924 selbst entlassen, entgegen ärztlichem Rat. Seine letzten Wochen verbrachte er in Kierling. Das sonnige Balkonzimmer, das Kafkas Sterbezimmer werden sollte, ging in den Garten hinaus. Von seiner Lebensgefährtin Dora Diamant und seinem Freund Robert Klopstock wurde Kafka gepflegt und begleitet. Bald konnte er nicht mehr sprechen, schrieb Zettel und Briefe, aber auch noch an seinen letzten literarischen Arbeiten.

Dokumente und Briefe

Im Juli 1983, anlässlich Kafkas 100. Geburtstags, wurde in diesem ehemaligen Sanatorium durch die Österreichische Franz Kafka Gesellschaft ein Studienund Gedenkraum eröffnet. Fotodokumente, Briefe und Karten (Faksimile) aus den letzten Monaten vor Kafkas Tod sowie eine frei benutzbare Bibliothek mit seinen Werken, Sekundärliteratur und Übersetzungen aus vielen Sprachen sollten an Kafkas letzte Lebensjahre erinnern.

Als Manfred Müller in Nachfolge von Wendelin Schmidt-Dengler (bis 2008) und Ji rí Grusa (bis 2011) den Vorsitz der Franz-Kafka-Gesellschaft übernahm, wurde er mit dem Problem konfrontiert, dass die Miete nicht mehr zur Gänze von der Stadt Klosterneuburg bezahlt wurde. Der Verein sah sich außerstande, den Studien- und Gedenkraum weiter zu finanzieren. Der Mietvertrag war bereits gekündigt, da gelang das kleine Wunder: Berichte in den Medien (auch die FURCHE berichtete) führten tatsächlich dazu, dass sich private Sponsoren meldeten, die bereit waren, die Miete aus eigener Tasche zu bezahlen.

Seither lebt der Kafka-Gedenkraum wieder auf. Es begann mit einem neuem virtuellen Auftritt, dann folgten Veranstaltungen. "Mir war weniger wichtig, wissenschaftliche Vorträge über Kafka zu organisieren, ich bin eher an der Aktualität von Kafka interessiert, an dieser unglaublichen Attraktivität, die seine Literatur nach wie vor für heutige Schreibende hat", erklärt Manfred Müller. In Kooperation mit dem Essl Museum in Klosterneuburg lief die Reihe "Kafka-Lektüren" an: Schriftstellerinnen und Schriftsteller lesen aus einem Kafka-Text und sprechen darüber, was ihnen daran wichtig ist. Autoren wie Peter Waterhouse, Marianne Gruber, Andrea Winkler, Michael Stavaric und Josef Winkler waren bisher zu Gast. (Nächster Termin: Franz Schuh, 18. Mai)

Attraktive Gestaltung

Vor allem aber gelang, was längst fällig war: Der Studien-und Gedenkraum wurde umgestaltet. Nun ist der Raum für alle attraktiv geworden, sowohl für die Wissenschaftler, die aus der ganzen Welt kommen, als auch für Schüler, die Kafka lesen müssen und von engagierten Lehrerinen und Lehrern nach Kierling gelockt werden.

Auch für die Zukunft hat sich Manfred Müller einiges vorgenommen: Er möchte den Kafkapreis wieder installieren, von 1979 an einer der größten Literaturpreise Österreichs, seit 2001 wurde er nicht mehr vergeben. Sponsoren sind willkommen. Besucher im Gedenkraum aber auch.

Studien- und Gedenkraum

Hauptstraße 187, 3412 Kierling

Nächste Open-Door-Termine (Besuch ohne Voranmeldung möglich): 30. April, 7., 14., 21., 28. Mai, jeweils 11.00-15.00 Uhr

An allen anderen Tagen ist ein Besuch ausschließlich nach Terminvereinbarung per Telefon oder E-Mail möglich: info@franzkafka.at, +43 1 5338159 www.franzkafka.at