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Gesellschaft

Kinder & neu-alter Feminismus

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Es kann nicht nur der Frauentag gewesen sein, dass neuerdings das Thema Kinderbetreuung in Deutschland und Österreich Schlagzeilen macht. Der Rückgang der Geburtenraten und fehlende Arbeitskräfte zwingen die konservativen Parteien, vom lange vertretenen konservativen Familienmodell abzugehen.

Den Anfang machte die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die das Ende der männlichen "Alphatierchen" verkündete und einen massiven Ausbau der Kinderkrippenplätze forderte. Wie sehr sie die Stimmung in der Bevölkerung traf, zeigt ihre Popularitätskurve: sie liegt auf Platz zwei hinter Angela Merkel.

Martin Bartenstein folgte ihrem Beispiel und verlangte einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für jedes Kind bis zu zehn Jahren. Für die ÖVP ist dies ein Quantensprung in ihrer Familien-und Frauenpolitik. Bislang ging man dort ja immer noch von der traditionellen Rollenverteilung aus; die Wahlfreiheit zwischen Hausfrau und Berufstätigkeit war eine Scheinwahlfreiheit, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde kaum gefördert. Abzuwarten bleibt, ob aus dieser begrüßenswerten Forderung Bartensteins auch Konsequenzen in anderen Bereichen gezogen werden.

So notwendig die Vermehrung der Kinderbetreuungsplätze und Ganztagsschulen ist, so dringend sind auch andere Reformen: die Väter sind endlich stärker in die Erziehung einzubeziehen (finanzielle Anreize für "Väter in Karenz"), die Lohnschere zwischen Männer-und Frauenlöhnen ist zu schließen (Hallo ÖGB - ist da wer?), die Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Pension zu verbessern, Prämien für Betriebe mit Kindergärten u.a.m.

Für all das braucht es nicht, wie Bartenstein meint, einen "neuen Feminismus", das alles hat schon der alte Feminismus aus den 70er Jahren gefordert.

Die Autorin war ORF-Redakteurin und Dokumentarfilmerin.

Es kann nicht nur der Frauentag gewesen sein, dass neuerdings das Thema Kinderbetreuung in Deutschland und Österreich Schlagzeilen macht. Der Rückgang der Geburtenraten und fehlende Arbeitskräfte zwingen die konservativen Parteien, vom lange vertretenen konservativen Familienmodell abzugehen.

Den Anfang machte die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die das Ende der männlichen "Alphatierchen" verkündete und einen massiven Ausbau der Kinderkrippenplätze forderte. Wie sehr sie die Stimmung in der Bevölkerung traf, zeigt ihre Popularitätskurve: sie liegt auf Platz zwei hinter Angela Merkel.

Martin Bartenstein folgte ihrem Beispiel und verlangte einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für jedes Kind bis zu zehn Jahren. Für die ÖVP ist dies ein Quantensprung in ihrer Familien-und Frauenpolitik. Bislang ging man dort ja immer noch von der traditionellen Rollenverteilung aus; die Wahlfreiheit zwischen Hausfrau und Berufstätigkeit war eine Scheinwahlfreiheit, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde kaum gefördert. Abzuwarten bleibt, ob aus dieser begrüßenswerten Forderung Bartensteins auch Konsequenzen in anderen Bereichen gezogen werden.

So notwendig die Vermehrung der Kinderbetreuungsplätze und Ganztagsschulen ist, so dringend sind auch andere Reformen: die Väter sind endlich stärker in die Erziehung einzubeziehen (finanzielle Anreize für "Väter in Karenz"), die Lohnschere zwischen Männer-und Frauenlöhnen ist zu schließen (Hallo ÖGB - ist da wer?), die Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Pension zu verbessern, Prämien für Betriebe mit Kindergärten u.a.m.

Für all das braucht es nicht, wie Bartenstein meint, einen "neuen Feminismus", das alles hat schon der alte Feminismus aus den 70er Jahren gefordert.

Die Autorin war ORF-Redakteurin und Dokumentarfilmerin.