Eine sensationelle neue Methode stellten die Mediziner des Wiener AKH letzte Woche vor. Damit kann Patienten wesentlich weniger belastend geholfen werden, die eine Ausbuchtung der Hauptschlagader aufweisen.

Diese Ausbuchtungen stellen auf Grund der permanenten Gefahr des Platzens eine akute Lebensgefahr für den Betroffenen dar. Ursachen für die Erweiterung sind unter anderem Bluthochdruck und Atherosklerose. Die Beschwerden sind Schmerzen beziehungsweise ein Druckgefühl im Brustraum und Atemnot.

Bis vor kurzem konnte die Erweiterung der Brust-Hauptschlagader ausschließlich mit einem sehr aufwendigen Eingriff behoben werden. In einer mehrstündigen Operation wird dabei der Patient mittels Herz-Lungen-Maschine auf 15 Grad Celsius Körpertemperatur abgekühlt. Danach lassen die Chirurgen das gesamte Blut des Patienten abrinnen. Bei kompletter Blutleere werden die betroffenen Gefäßteile der Hauptschlagader durch Prothesen ersetzt. Durch die niedrige Temperatur sinkt die Hirnaktivität nahezu auf Null. Daher nimmt das Gehirn trotz fehlender Sauerstoffversorgung keinen Schaden. Dieses Phänomen wird teilweise auch bei Lawinenopfern beobachtet. Nach einer halben bis einer Stunde wird das Blut wieder in den Körper zurückgeleitet und der Patient langsam auf 37 Grad Celsius erwärmt. Diese Operation macht natürlich oft einen wochenlangen Intensiv- und Spitalsaufenthalt notwendig. Zudem ist diese Methode sehr risikoreich.

Heute kann in vielen Fällen diese schwere Operation verhindert werden. Der Aufenthalt des Patienten auf der Intensivstation verkürzt sich dadurch auf nur ein bis zwei Tage. Bei der neuen Methode wird mit Lokalnarkose über einen rund fünf Zentimeter langen Schnitt im Leistenbereich eine Gefäßprothese bis zu jener Stelle eingeschoben, die erweitert ist. Die Prothese ist beim Einführen zusammen gefaltet und wird erst an der gewünschten Stelle durch eine spezielle Technik aufgeklappt. Dazu ziehen die Mediziner außerhalb des Körpers eine Art Reißleine. Das Blut fließt nun in diesem Bereich ausschließlich über die entfaltete Gefäßprothese und überbrückt die Erweiterung. Diese neuen Prothesen werden auch "Stents" (Schiene) genannt. Sie bestehen aus gewebtem Kunststoff mit flexiblen Metallringen zur Versteifung.

"Für ausgewählte Fälle ist das eine exzellente Methode", meint Universitätsprofessor Ernst Wolner von der Klinischen Abteilung für Herz-Thoraxchirurgie im AKH. Eingesetzt wird die neue Methode bei der Bauchaorta und der herznahen Hauptschlagader. Rund 70 Prozent müssen allerdings noch in der herkömmlichen Weise operiert werden.

Seit rund vier Jahren wird die neue Methode im AKH eingesetzt, seit zwei Jahren routinemäßig. Langzeitergebnisse gibt es daher noch keine. Doch habe es bisher keine Komplikationen, etwa das Verrutschen der Prothese, gegeben. Trotzdem gebe es auf diesem Gebiet viel Entwicklungspotential, sind sich die Mediziner einig.

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