Es war die politisch tollkühnste Meldung dieses Pfingstwochenendes: US-Präsident Biden fliegt, so das recht fixe Gerücht, noch im Juni nach Saudi-Arabien. Ausgerechnet zu den „Unantastbaren“. Wir erinnern uns: Da war ein Trupp sehr böser Männer, der 2018 per Privatjet nach Istanbul kam, mit falschen Bärten in die Saudi-Botschaft marschierte, dort den regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi in Stücke zerlegte – und wieder verschwand.
Von türkischen Abhörmikrofonen belauscht, wurde der schaurige „chirurgische Sondereinsatz“ bald weltweit bekannt – und Amerikas Geheimdienst CIA durfte später enthüllen: Ja, den Mord hatte Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman in Auftrag gegeben. Was den US-Wahlkämpfer Joe Biden prompt zu einem kühnen Wort verführte: Als Herr im Weißen Haus würde er den smarten Ölprinzen und seine Clique zu „Parias“ machen – zu Ausgestoßenen in der Welt der Anständigen. Und das nach 80 Jahren US-saudischer Partnerschaft.
US-„Freundschaft“ mit den Saudis
Biden wurde Präsident – und der Prinz der De-facto-König. Und jetzt ist alles anders: Bidens Besuch bei Mohammed bin Salman in seiner Wüstenmetropole ist angesagt. Warum? Erstens, zweitens und drittens: weil Amerika bei wiederbelebter „Freundschaft“ mehr Erdöl erhofft, das aus Russland nicht mehr geholt werden sollte. Viertens: weil mehr Nähe auch mehr Druck auf den Kronprinzen erlaubt, die Waffenruhe in der Jemen-Kriegstragödie zu verlängern. Fünftens: weil der Kurzzeitflirt Amerikas mit dem großen Saudi-Gegner Persien ohnedies erfolglos scheint. Und sechstens: weil Washington die Saudis mit Israel endgültig versöhnen möchte. So geht große Politik.



















