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Wachstums- oder Krisenquelle?

Die Finanzmärkte sind ein zentraler Teil der Volkswirtschaft. Sie kanalisieren Finanzierungsmittel von den Sparern zu den Investoren und ermöglichen so die Finanzierung der Investitionen, die Wachstum und Beschäftigung bringen. Beteiligungsmärkte wie der Aktienmarkt sind für die Aufbringung von Risikokapital wichtig, damit innovative, aber auch große, leistungsfähige Unternehmen entstehen können. Wirtschaftspolitisch ermöglichen Finanzmärkte dem Staat, Infrastrukturinvestitionen zu finanzieren und im Konjunkturabschwung Nachfrage und Beschäftigung zu stärken. Speziell eine Zentralbank braucht funktionierende und stabile Finanzmärkte zur Erfüllung ihrer Aufgaben.

Immer wieder prägen Kursübertreibungen und Krisen die Finanzmärkte. Die Wirtschaftsgeschichte ist zugleich eine Geschichte der Finanzkrisen: Asien- und Russlandkrise oder das Platzen der Dotcom-Blase. Die aktuelle Krise ist die schwerste seit 1930. Sie ist im Kern zwar eine Krise der USA, betrifft aber in ihren Folgen die gesamte Weltwirtschaft. Nachdem sich das Wirtschaftswachstum - vor allem bedingt durch stark gestiegene Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise - nach einigen guten Jahren deutlich abgeschwächt hatte, erfährt es jetzt eine weitere Dämpfung. Europa und Österreich können sich davon nicht völlig abkoppeln, selbst wenn unser Finanzsystem zwar belastet wird, seine Stabilität aber außer Frage steht.

Die Wirtschaftspolitik ist jetzt extrem gefordert. Weltweit unternehmen Zentralbanken alles, um die Liquidität des Banken- und Finanzsystems sicherzustellen. Gleichzeitig intervenieren Regierungen, indem sie Lösungen für insolvente Finanzinstitute und Maßnahmen zur Abfederung der Krisenauswirkungen entwickeln. Doch dies können nur erste Schritte sein. Die Regulierung und Aufsicht über Finanzmärkte wird grundlegend neu zu überdenken sein, um möglichst krisenfeste Finanzmarktstrukturen zu schaffen.

Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank.

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