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Feuilleton

Gewissermaßen außergewöhnlich

1945 1960 1980 2000 2020
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Das Parlament hatte einst ein Gewissen: geboren 1883 in Görlitz, verstorben 1933 in Wien. Zumindest wenn es nach dem damaligen Erzbischof Friedrich Gustav Piffl geht, der das Rückgrat der Politik in einer einzigen Persönlichkeit verwirklicht sehen wollte. Die Rede ist von Hildegard Burjan, einst österreichische Sozialpolitikerin und Ordensgründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis. Viele Einrichtungen und politische Initiativen, die häufig als selbstverständlich in unserem Alltag verschwinden, sind auf sie zurückzuführen: Projekte gegen Kinderarbeit, Kampagnen für Frauenrechte, Pionierarbeit während des Krieges durch Lebensmittelaktionen.

Gespür für Bedürfnisse

Ein außergewöhnliches Gespür für menschliche Bedürfnisse und für politische Strategien prägte das Wesen Hildegard Burjans. Ihre organisatorischen Fähigkeiten führten sie in die Politik, von 1918 bis 1920 wirkte sie als Gemeinderätin, später als erste christlich-soziale Abgeordnete im Parlament.

Im Jahr 1919 gründete sie die apostolische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die ihre Hilfe heute im Wesentlichen auf die Extreme des menschlichen Lebens konzentriert: auf Lebensanfang und Lebensende. So entstanden im Laufe der Zeit Spezialeinrichtungen für Kinder und Alleinerziehende sowie für an Alzheimer erkrankte Menschen.

Ingeborg Schödls Biografie von Hildegard Burjan ist bereits 1991 erschienen. Die nunmehr überarbeitete Auflage wurde mit Fotografien angereichert, der Fokus stärker auf historische und sozialpolitische Fakten als auf Glaubensfragen gelegt.

Schödl erzählt die Geschichte einer engagierten Frau in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen neuer Sachlichkeit und romantischer Empathie. Pointierte Sätze erhöhen die Lesefreude: ein Buch als Eintrittskarte in das Reich des Wissens und Gewissens.

Hildegard Burjan – Frau zwischen Politik und Kirche

Von Ingeborg Schödl. Dom Verlag, 230 Seiten,€ 16,90

Das Parlament hatte einst ein Gewissen: geboren 1883 in Görlitz, verstorben 1933 in Wien. Zumindest wenn es nach dem damaligen Erzbischof Friedrich Gustav Piffl geht, der das Rückgrat der Politik in einer einzigen Persönlichkeit verwirklicht sehen wollte. Die Rede ist von Hildegard Burjan, einst österreichische Sozialpolitikerin und Ordensgründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis. Viele Einrichtungen und politische Initiativen, die häufig als selbstverständlich in unserem Alltag verschwinden, sind auf sie zurückzuführen: Projekte gegen Kinderarbeit, Kampagnen für Frauenrechte, Pionierarbeit während des Krieges durch Lebensmittelaktionen.

Gespür für Bedürfnisse

Ein außergewöhnliches Gespür für menschliche Bedürfnisse und für politische Strategien prägte das Wesen Hildegard Burjans. Ihre organisatorischen Fähigkeiten führten sie in die Politik, von 1918 bis 1920 wirkte sie als Gemeinderätin, später als erste christlich-soziale Abgeordnete im Parlament.

Im Jahr 1919 gründete sie die apostolische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die ihre Hilfe heute im Wesentlichen auf die Extreme des menschlichen Lebens konzentriert: auf Lebensanfang und Lebensende. So entstanden im Laufe der Zeit Spezialeinrichtungen für Kinder und Alleinerziehende sowie für an Alzheimer erkrankte Menschen.

Ingeborg Schödls Biografie von Hildegard Burjan ist bereits 1991 erschienen. Die nunmehr überarbeitete Auflage wurde mit Fotografien angereichert, der Fokus stärker auf historische und sozialpolitische Fakten als auf Glaubensfragen gelegt.

Schödl erzählt die Geschichte einer engagierten Frau in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen neuer Sachlichkeit und romantischer Empathie. Pointierte Sätze erhöhen die Lesefreude: ein Buch als Eintrittskarte in das Reich des Wissens und Gewissens.

Hildegard Burjan – Frau zwischen Politik und Kirche

Von Ingeborg Schödl. Dom Verlag, 230 Seiten,€ 16,90