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Persönlichkeiten erzählen aus ihrem Leben

Lou Lorenz Dittlbacher - © Foto: ORF / Thomas Ramstorfer
Gesellschaft

Lou Lorenz-Dittlbacher: „Alle haben Ängste“

1945 1960 1980 2000 2020

ZIB 2-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher in der Rubrik "Denkmuster" über die Isolation im ORF, Armin Wolf und die positiven Seiten der Corona-Krise.

1945 1960 1980 2000 2020

ZIB 2-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher in der Rubrik "Denkmuster" über die Isolation im ORF, Armin Wolf und die positiven Seiten der Corona-Krise.

Ursprünglich hätte das Interview mit Lou Lorenz-Dittlbacher in einem Wiener Kaffeehaus stattfinden sollen. Infolge von „Social Distancing“ wurde daraus nichts. Die FURCHE erreicht die ZiB 2-Moderatorin telefonisch in ihrem Zuhause in Ottakring. Die Journalistin hat einen Sendemarathon hinter sich.

DIE FURCHE: Wie geht es Ihnen?
Lou Lorenz-Dittlbacher: Auch mich belastet die außergewöhnliche Situation, die wir derzeit alle erleben. Wir alle haben Ängste. Die Erwachsenen, die Kinder. Es ist sehr intensiv. Mein Eindruck ist aber, dass es jeden Tag ein bisschen besser geht.

DIE FURCHE: Wie wirkt sich der Ausnahmezustand im Land auf Ihren Arbeitsalltag aus?
Lorenz-Dittlbacher: Ich habe seit Beginn der Krise viele Sendungen moderiert, die Umstände haben sich täglich verändert. Nun bin ich isoliert im Büro, kann nur via Mail, WhatsApp oder Skype mit meinen Kollegen kommunizieren. Auch sollen wir nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins ORFZentrum fahren. Deshalb nehme ich das Auto. Bevor ich die Schranke passiere, kommt jemand mit einem Thermometer, misst Fieber. Erst dann darf ich auf das Gelände. Ohnehin sind kaum Menschen unterwegs. Die Maskenbildnerinnen tragen einen Schutz, wenn sie mich schminken.

DIE FURCHE: Wie wird das mit dem neuen ORF-Isolationsbereich organisiert?
Lorenz-Dittlbacher: Ab dieser Woche gibt es neue Verschärfungen: die Zeit im Bild zieht in einen völlig isolierten Bereich, 14 Tage lang übernachten die Teams auch dort. Für die ZiB2 zieht Armin Wolf als Moderator ein.

DIE FURCHE: Was hat sich in Ihrem Leben privat verändert?
Lorenz-Dittlbacher: Ich halte zu niemandem persönlichen Kontakt, außer zu meinem Mann (ORF-Journalist Fritz Dittlbacher; Anmerk.) und zu meiner Tochter. Das ist schwer. Meine Eltern sind beide über 80 Jahre alt. Sie wohnen bei mir in der Nähe, aber ich kann nicht zu ihnen. So stelle ich ihnen, wie es gewünscht ist, den Einkauf vor die Türe. Bei der Betreuung meiner Tochter wechsle ich mich mit meinem Mann ab. An den Tagen, an denen ich moderiere, ist er zu Hause, macht Homeoffice. Wenn er in der Redaktion ist, dann schaue ich auf unser Kind.

DIE FURCHE: Wie würden Sie die Stimmung im ORF beschreiben?
Lorenz-Dittlbacher: Die Corona-Krise und die Veränderungen, die damit einhergehen, beschäftigen alle. Ich bin mit vielen Kollegen in telefonischem Kontakt, auch über das berufliche hinaus. Wir fragen uns oft: „Wie geht es dir?“ Das ist eine Frage, die stellen wir uns sonst nicht in dieser Häufigkeit. Die Stimmung würde ich als konstruktiv, aber angespannt bezeichnen. Dennoch: Wir versuchen alle, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Unser Job ist es, Ordnung in die Krisenstimmung zu bringen, Gerüchte zu entkräften und den Zuschauern Orientierung zu bieten.

DIE FURCHE: Einige Medien können vom gestiegenen Informationsbedürfnis der Menschen profitieren, andere wiederum, die stark von Anzeigen abhängig sind, haben das Nachsehen. Wie sollte der Staat damit umgehen?
Lorenz-Dittlbacher: Diejenigen, die in der jetzigen Lage seriös berichten, die den Menschen weiterhelfen, die sie emotional begleiten, die sie aufklären – die müssen für ihre Rolle belohnt werden. Auch finanziell. Sie sollten in dem 38-Milliarden-Paket berücksichtigt werden, wenn sie in Schwierigkeiten kommen. Umgekehrt sollte aber auch auch gelten, dass nicht die abkassieren dürfen, die Panik machen.

Ursprünglich hätte das Interview mit Lou Lorenz-Dittlbacher in einem Wiener Kaffeehaus stattfinden sollen. Infolge von „Social Distancing“ wurde daraus nichts. Die FURCHE erreicht die ZiB 2-Moderatorin telefonisch in ihrem Zuhause in Ottakring. Die Journalistin hat einen Sendemarathon hinter sich.

DIE FURCHE: Wie geht es Ihnen?
Lou Lorenz-Dittlbacher: Auch mich belastet die außergewöhnliche Situation, die wir derzeit alle erleben. Wir alle haben Ängste. Die Erwachsenen, die Kinder. Es ist sehr intensiv. Mein Eindruck ist aber, dass es jeden Tag ein bisschen besser geht.

DIE FURCHE: Wie wirkt sich der Ausnahmezustand im Land auf Ihren Arbeitsalltag aus?
Lorenz-Dittlbacher: Ich habe seit Beginn der Krise viele Sendungen moderiert, die Umstände haben sich täglich verändert. Nun bin ich isoliert im Büro, kann nur via Mail, WhatsApp oder Skype mit meinen Kollegen kommunizieren. Auch sollen wir nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins ORFZentrum fahren. Deshalb nehme ich das Auto. Bevor ich die Schranke passiere, kommt jemand mit einem Thermometer, misst Fieber. Erst dann darf ich auf das Gelände. Ohnehin sind kaum Menschen unterwegs. Die Maskenbildnerinnen tragen einen Schutz, wenn sie mich schminken.

DIE FURCHE: Wie wird das mit dem neuen ORF-Isolationsbereich organisiert?
Lorenz-Dittlbacher: Ab dieser Woche gibt es neue Verschärfungen: die Zeit im Bild zieht in einen völlig isolierten Bereich, 14 Tage lang übernachten die Teams auch dort. Für die ZiB2 zieht Armin Wolf als Moderator ein.

DIE FURCHE: Was hat sich in Ihrem Leben privat verändert?
Lorenz-Dittlbacher: Ich halte zu niemandem persönlichen Kontakt, außer zu meinem Mann (ORF-Journalist Fritz Dittlbacher; Anmerk.) und zu meiner Tochter. Das ist schwer. Meine Eltern sind beide über 80 Jahre alt. Sie wohnen bei mir in der Nähe, aber ich kann nicht zu ihnen. So stelle ich ihnen, wie es gewünscht ist, den Einkauf vor die Türe. Bei der Betreuung meiner Tochter wechsle ich mich mit meinem Mann ab. An den Tagen, an denen ich moderiere, ist er zu Hause, macht Homeoffice. Wenn er in der Redaktion ist, dann schaue ich auf unser Kind.

DIE FURCHE: Wie würden Sie die Stimmung im ORF beschreiben?
Lorenz-Dittlbacher: Die Corona-Krise und die Veränderungen, die damit einhergehen, beschäftigen alle. Ich bin mit vielen Kollegen in telefonischem Kontakt, auch über das berufliche hinaus. Wir fragen uns oft: „Wie geht es dir?“ Das ist eine Frage, die stellen wir uns sonst nicht in dieser Häufigkeit. Die Stimmung würde ich als konstruktiv, aber angespannt bezeichnen. Dennoch: Wir versuchen alle, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Unser Job ist es, Ordnung in die Krisenstimmung zu bringen, Gerüchte zu entkräften und den Zuschauern Orientierung zu bieten.

DIE FURCHE: Einige Medien können vom gestiegenen Informationsbedürfnis der Menschen profitieren, andere wiederum, die stark von Anzeigen abhängig sind, haben das Nachsehen. Wie sollte der Staat damit umgehen?
Lorenz-Dittlbacher: Diejenigen, die in der jetzigen Lage seriös berichten, die den Menschen weiterhelfen, die sie emotional begleiten, die sie aufklären – die müssen für ihre Rolle belohnt werden. Auch finanziell. Sie sollten in dem 38-Milliarden-Paket berücksichtigt werden, wenn sie in Schwierigkeiten kommen. Umgekehrt sollte aber auch auch gelten, dass nicht die abkassieren dürfen, die Panik machen.

Ich mag die Bühne schon auch. Jeder, der diesen Job macht, mag die Bühne. Alles andere wäre absurd.

DIE FURCHE: Welche ZIB 2-Sendung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Lorenz-Dittlbacher: Zum Beispiel der 11. September 2001. Oder auch andere Terror-Anschläge. London 2005. Madrid 2004. Und immer wieder die Anschlagserie von Paris. Da gab es eine ZiB 2, im November 2015. Es war ein Freitagabend. Während der Sendung kamen die Meldungen über Schüsse im „Stade de France“, im „Bataclan“ und an anderen Schauplätzen. Damals ging eins ins andere. Wir haben dann bis halb zwei in der Nacht durchgesendet. Das war so ein Abend, da habe ich schlussendlich nur noch funktioniert. Ein Anruf, ein Telefonat, eine Schaltung nach der anderen.

DIE FURCHE: Und die Ibiza-Causa?
Lorenz-Dittlbacher: Natürlich habe ich mir diese Sendung auch gemerkt. Das war ebenfalls ein Freitag. Kollegen aus Deutschland hatten uns vorab gemeldet, dass an diesem Abend noch etwas kommen wird. Sie meinten, es würde den österreichischen Wahlkampf (vor der Europawahl 2019; Anmerk.) durcheinander wirbeln. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, was da kommen sollte. Und dann bekamen wir das Video zu sehen.

DIE FURCHE: Gibt es eine Person, die Sie interviewt haben, die Ihnen auf eine besondere Weise im Gedächtnis geblieben ist?
Lorenz-Dittlbacher: Da gibt es viele, vor allem aus dem nichtpolitischen Bereich. Hugo Portisch etwa oder Künstler wie Rudolf Buchbinder. Das sind Menschen, die bringen eine Haltung mit ins Studio.

DIE FURCHE: Stichwort „Armin Wolf“. Er sucht die Bühne auch außerhalb der ZIB 2. Sie wirken diesbezüglich eher zurückgezogen. Warum eigentlich?
Lorenz-Dittlbacher: Ich mag die Bühne schon auch. Jeder, der diesen Job ausführt, mag die Bühne. Alles andere wäre absurd. Ich ziehe mich nicht bewusst zurück, aber ich bin privat sehr gefordert. Deshalb gehe ich abends nicht gerne auf Veranstaltungen. Schließlich bin ich sowieso zwei bis drei Abende in der Woche weg.

DIE FURCHE: Und wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Wolf?
Lorenz-Dittlbacher: Kollegial und professionell. Tatsächlich sehen wir uns aber selten, weil wir gegengleich arbeiten. Wir sind kaum gleichzeitig in der Redaktion.

DIE FURCHE: Die Tatsache, dass sie eine Frau sind, macht das bei Ihrem Posten einen Unterschied? Differenzieren die Zuschauer zwischen weiblichen und männlichen Moderatoren?
Lorenz-Dittlbacher: Bei Frauen geht es oft um die Frisur, um die Kleidung, um die Stimme, um ihr Auftreten. Wenn eine Frau vehement agiert, dann wird ihr nachgesagt, mit ihr stimme etwas nicht. Wer nicht dem gängigen Bild einer Frau entspricht, wird kritisch beäugt. Am Anfang meiner Karriere wurde ich oft gefragt, warum ich nicht lächle. Das wäre doch widersinnig: Ich berichte über Kriege und lächle... Ich bin mir sicher, Männer werden so etwas nie gefragt.

DIE FURCHE: Wie geht es langfristig bei Ihnen weiter? Haben Sie Visionen - beruflich, in Bezug auf die Zukunft ihres Kindes, die Rolle der Medien?
Lorenz-Dittlbacher: In der Nacht vor den vergangenen Präsidentschaftswahlen in den USA habe ich meine Tochter ins Bett gebracht und gesagt: „Wenn du aufwachst, dann wird für Frauen alles möglich sein. Sie können auch Präsidentin von Amerika werden.“ Leider habe ich mich geirrt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich die Chancen für Frauen verbessern. Beruflich bin ich dort glücklich, wo ich bin. Und in puncto Medien: Es wäre schön, wenn die Politik die öffentlich-rechtlichen Medien besser wertschätzen würde. Auch wünsche ich mir, dass wir aus der Corona-Krise etwas Positives mitnehmen.

DIE FURCHE: Was genau?
Lorenz-Dittlbacher: Es wäre schön, wenn wir uns darauf besinnen, was wirklich wichtig ist für ein gutes Leben. Und: Wenn wir uns in Zukunft das „Wie geht es Dir?“ oder „Kann ich Dir helfen?“ in dieser Intensität beibehalten würden.

Lesen Sie auch die Denkmuster mit Chris Lohner, Gerhard Polt oder Hubert von Goisern.