Federspiel

Schöne neue Medienwelt

1945 1960 1980 2000 2020
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Netflix, YouTube & Co. überholen das Fernsehen: So lauten Schlagzeilen zur Studie „ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends“. Die Autoren formulieren den Kapiteltitel weniger alarmistisch: „Nicht-lineare Angebote haben bei 14- bis 29-Jährigen höhere Tagesreichweite als lineares TV.“

Sorgen müssen sich ob dieser Entwicklung lediglich Fernsehmacher, die Television mit Patschenkino verwechseln. Diese Spezies­ ist schreibenden Journalisten verwandt, die als bloße Papiertiger den Verlust ihrer Druckwerke fürchten. Beide Arten wer­den bald einzig in Reservaten vorkommen.

Wenn die unter 30-Jährigen täglich nur noch 68 Minuten fernsehen und schon eine Viertelstunde länger online bewegte Bilder anschauen, ist das für deren Erzeuger eher ein gutes als ein schlechtes Omen. Dass diese Generation mit sechs statt sieben Stunden pro Tag deutlich weniger Zeit für Medien insgesamt erübrigt als die Gesamtbevölkerung, widerspricht aber ebenso den landläufigen Vorurteilen wie ihr höherer Textkonsum von 63 statt 54 Minuten.

Das Nutzungsverhalten der Ad­ressaten bietet keine stichhaltige Grundlage für Kulturpessimismus und Zukunftsangst um Medien. Die Bange basiert eher auf der Sorge um herkömmliche Geschäftsmodelle und Berufsmus­ter. Aus inhaltlicher Perspektive ist diese Furcht ein Zeichen mangelnder Flexibilität.

Das Musterbeispiel dafür liefert die Musikindustrie. Traditionalisten bejubeln, dass in den USA erstmals seit 1986 wieder mehr Vinyl-Schallplatten als CDs verkauft werden. Realisten bemerken, das seien nur noch vier Prozent des Gesamtumsatzes. Zwei Drittel des Musikkonsums vollziehen sich per Streaming.

Für Journalisten, die an Papier, Radio und Fernsehapparat hängen, ist das Glas halbleer. Für Vermittler, die vom Smartphone über den USB-Stick bis zur Cloud offen für neue Inhaltsträger sind, füllt sich der Becher rasant. Mobilität entsteht im Kopf.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst

Netflix, YouTube & Co. überholen das Fernsehen: So lauten Schlagzeilen zur Studie „ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends“. Die Autoren formulieren den Kapiteltitel weniger alarmistisch: „Nicht-lineare Angebote haben bei 14- bis 29-Jährigen höhere Tagesreichweite als lineares TV.“

Sorgen müssen sich ob dieser Entwicklung lediglich Fernsehmacher, die Television mit Patschenkino verwechseln. Diese Spezies­ ist schreibenden Journalisten verwandt, die als bloße Papiertiger den Verlust ihrer Druckwerke fürchten. Beide Arten wer­den bald einzig in Reservaten vorkommen.

Wenn die unter 30-Jährigen täglich nur noch 68 Minuten fernsehen und schon eine Viertelstunde länger online bewegte Bilder anschauen, ist das für deren Erzeuger eher ein gutes als ein schlechtes Omen. Dass diese Generation mit sechs statt sieben Stunden pro Tag deutlich weniger Zeit für Medien insgesamt erübrigt als die Gesamtbevölkerung, widerspricht aber ebenso den landläufigen Vorurteilen wie ihr höherer Textkonsum von 63 statt 54 Minuten.

Das Nutzungsverhalten der Ad­ressaten bietet keine stichhaltige Grundlage für Kulturpessimismus und Zukunftsangst um Medien. Die Bange basiert eher auf der Sorge um herkömmliche Geschäftsmodelle und Berufsmus­ter. Aus inhaltlicher Perspektive ist diese Furcht ein Zeichen mangelnder Flexibilität.

Das Musterbeispiel dafür liefert die Musikindustrie. Traditionalisten bejubeln, dass in den USA erstmals seit 1986 wieder mehr Vinyl-Schallplatten als CDs verkauft werden. Realisten bemerken, das seien nur noch vier Prozent des Gesamtumsatzes. Zwei Drittel des Musikkonsums vollziehen sich per Streaming.

Für Journalisten, die an Papier, Radio und Fernsehapparat hängen, ist das Glas halbleer. Für Vermittler, die vom Smartphone über den USB-Stick bis zur Cloud offen für neue Inhaltsträger sind, füllt sich der Becher rasant. Mobilität entsteht im Kopf.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst