Österreich - was ist das heute?

1945 1960 1980 2000 2020

Worin besteht die "corporate identity" unseres Landes? 

1945 1960 1980 2000 2020

Worin besteht die "corporate identity" unseres Landes? 

Es war vergangene Woche am Nationalfeiertag. Unsere Republik lud zum "Konzert für Österreich" in den Musikverein. Zu hören: "Ungarische Tänze" (Brahms), das Posaunenkonzert des Franzosen Tomasi und die Hommage des Böhmen Antonín Dvorák an die "Neue Welt".

Herrliche Melodien - und doch bin ich recht irritiert weggegangen: Was sollte dieses Programm signalisieren, gerade am Nationalfeiertag? Wo blieb das Österreichische? Oder war hier bewusst gegen den Nationalismus programmiert worden? Musik-Altmeister Karl Löbl schrieb anderntags: "Ein Programm der Migranten, ein Beispiel für gelungene Integration, ein symbolhaftes Konzert für Österreich". War es das wirklich? Und war es so gemeint?

Die Patina großer Worte

Zwischen "Kaiserzeit" (im ORF), Heerschau am Heldenplatz und offenen Museen hat sich meine Ratlosigkeit über den Umgang mit unserem Nationalfeiertag zurückgemeldet. Was feiern wir wirklich: Österreichs Freiheit - wer spürt noch die Dankbarkeit der Alten? Unsere Neutralität - "immerwährend" und doch sichtbar mit Zeitablauf? Die Chance, heikle Politik-Baustellen aus der Hofburg zu kommentieren - von Bundesheer bis Asylfragen? Unsere Heimatliebe - trotz europäischem Verbund? Oder nur einen freien Tag? Zehn Jahre lang konnte ich an der Seite zweier Bundespräsidenten zur Formulierung von Nationalfeiertagsreden beitragen. Rückblickend spüre ich die Patina mancher Worte von damals - und wie wenig sich die Entwicklung um unsere Gewissheiten gekümmert hat. Sie tut es wohl auch heute kaum.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin froh, dass es diesen Tag gibt. Als Anlass zur Selbstbesinnung: Worauf wir stolz sein dürfen. Wo Handlungsbedarf ist. Wo wir in Europa und in der Welt stehen. Welche künftigen Ziele wir anstreben sollten.

Aber nützen wir diese Gelegenheit auch - selbstkritisch und ohne die Kleingeisterei des Alltags? Heinz Fischer hat es versucht - heuer sogar deutlicher als gewohnt. Und sonst?

Nach wie vor glaube ich, dass uns in den reißenden Fluten der Zeitgeschichte (Ende der Ost-West-Teilung, Europäisierung, Globalisierung) viel an einst unbestrittener corporate identity Österreichs verloren gegangen ist. Dass wir - Bürger, Politik, Medien - uns allesamt schwertun, das Eigene, Besondere dieses Landes zu formulieren. Was ist heute "das Österreichische"?

Wegzeichen für die Zukunft

Rotweißrote Prioritäten und Wegzeichen - ob es das überhaupt noch gibt und geben kann? Und wenn ja: Welche könnten es sein? Oder genügt es uns schon, wenn andere (zuletzt Hillary Clinton im Gegenzug zur Geburtstags-Sachertorte) unsere angebliche "Leadership-Rolle" rühmen, um unsere Kleinstaaten-Seele zu erfreuen?

Nach wie vor meine ich: Wir sollten uns das - durchaus öffentliche - Nachdenken über unsere nationalen Interessen, Ziele, Perspektiven nicht ersparen. Sollten das Österreich der nächsten Generationen zum Thema machen - unseren Beitrag zur Selbstfindung Europas und zum globalen Spannungsabbau mit eingeschlossen.

Und das nicht nur, aber vor allem am Nationalfeiertag.

Es war vergangene Woche am Nationalfeiertag. Unsere Republik lud zum "Konzert für Österreich" in den Musikverein. Zu hören: "Ungarische Tänze" (Brahms), das Posaunenkonzert des Franzosen Tomasi und die Hommage des Böhmen Antonín Dvorák an die "Neue Welt".

Herrliche Melodien - und doch bin ich recht irritiert weggegangen: Was sollte dieses Programm signalisieren, gerade am Nationalfeiertag? Wo blieb das Österreichische? Oder war hier bewusst gegen den Nationalismus programmiert worden? Musik-Altmeister Karl Löbl schrieb anderntags: "Ein Programm der Migranten, ein Beispiel für gelungene Integration, ein symbolhaftes Konzert für Österreich". War es das wirklich? Und war es so gemeint?

Die Patina großer Worte

Zwischen "Kaiserzeit" (im ORF), Heerschau am Heldenplatz und offenen Museen hat sich meine Ratlosigkeit über den Umgang mit unserem Nationalfeiertag zurückgemeldet. Was feiern wir wirklich: Österreichs Freiheit - wer spürt noch die Dankbarkeit der Alten? Unsere Neutralität - "immerwährend" und doch sichtbar mit Zeitablauf? Die Chance, heikle Politik-Baustellen aus der Hofburg zu kommentieren - von Bundesheer bis Asylfragen? Unsere Heimatliebe - trotz europäischem Verbund? Oder nur einen freien Tag? Zehn Jahre lang konnte ich an der Seite zweier Bundespräsidenten zur Formulierung von Nationalfeiertagsreden beitragen. Rückblickend spüre ich die Patina mancher Worte von damals - und wie wenig sich die Entwicklung um unsere Gewissheiten gekümmert hat. Sie tut es wohl auch heute kaum.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin froh, dass es diesen Tag gibt. Als Anlass zur Selbstbesinnung: Worauf wir stolz sein dürfen. Wo Handlungsbedarf ist. Wo wir in Europa und in der Welt stehen. Welche künftigen Ziele wir anstreben sollten.

Aber nützen wir diese Gelegenheit auch - selbstkritisch und ohne die Kleingeisterei des Alltags? Heinz Fischer hat es versucht - heuer sogar deutlicher als gewohnt. Und sonst?

Nach wie vor glaube ich, dass uns in den reißenden Fluten der Zeitgeschichte (Ende der Ost-West-Teilung, Europäisierung, Globalisierung) viel an einst unbestrittener corporate identity Österreichs verloren gegangen ist. Dass wir - Bürger, Politik, Medien - uns allesamt schwertun, das Eigene, Besondere dieses Landes zu formulieren. Was ist heute "das Österreichische"?

Wegzeichen für die Zukunft

Rotweißrote Prioritäten und Wegzeichen - ob es das überhaupt noch gibt und geben kann? Und wenn ja: Welche könnten es sein? Oder genügt es uns schon, wenn andere (zuletzt Hillary Clinton im Gegenzug zur Geburtstags-Sachertorte) unsere angebliche "Leadership-Rolle" rühmen, um unsere Kleinstaaten-Seele zu erfreuen?

Nach wie vor meine ich: Wir sollten uns das - durchaus öffentliche - Nachdenken über unsere nationalen Interessen, Ziele, Perspektiven nicht ersparen. Sollten das Österreich der nächsten Generationen zum Thema machen - unseren Beitrag zur Selbstfindung Europas und zum globalen Spannungsabbau mit eingeschlossen.

Und das nicht nur, aber vor allem am Nationalfeiertag.

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