Kryptowährung: Die ungebrochene Macht der Scharlatane

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Verzauberungen und Gefahren durch Bitcoin und andere Kryptowährungen.

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Verzauberungen und Gefahren durch Bitcoin und andere Kryptowährungen.

„Die Macht des Charlatans“ heißt eine erstmals 1939 erschienene Studie über die Geschichte der Alchimisten und Goldmacher aus der Feder der 1893 in Wien geborenen Grete de Francesco, geborene Weissenstein. Die umfassend gebildete Publizistin stand mit den großen Intellektuellen ihrer Zeit – von Theodor W. Adorno über Walter Benjamin bis zu Ernst Bloch – in freundschaftlicher Verbindung. 1945 wurde sie in Ravensbrück zu einem der Opfer der Judenverfolgung und geriet in Vergessenheit. Nun hat „Die Andere Bi­bliothek“ ihr Hauptwerk neu aufgelegt – und man versteht, warum es seinerzeit, gefördert von dem im kalifornischen Exil lebenden Thomas Mann, in den USA so viel Aufmerksamkeit erhielt.

Die Geschichte der Täuschungen zeigt, dass die Grundmuster der Scharlatanerie, vom Mittelalter über die Renaissance bis ins zwanzigste Jahrhundert, jenen der Gegenwart auf frappierende Weise gleichen. Immer wieder fanden Geldillusionisten Aufnahmebereitschaft bei einem alle Bevölkerungsschichten einschließenden Publikum, das sich gerne täuschen lässt. Aktueller Beweis dafür ist der sich in beunruhigendem Tempo ausbreitende Aberglaube an Kryptowährungen aller Art.

„Bitcoin“ und andere Wunschgebilde

Seit der Kurs von „Bitcoin“, dem ersten der auf der „Blockchain“-Technologie beruhenden Zahlungsmittel, innerhalb eines Jahres um beinahe 1000 Prozent in die Höhe geschossen ist, erhärtet sich der Verdacht, dass die Rationalität all der hochtechnisierten Benutzeroberflächen unserer digitalen Geschäftigkeit nur Schein ist. Darunter wuchern Wunschgebilde, die nicht weniger mystisch verschwurbelt sind als jene unserer Vorfahren.

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