Claudia Coudenhove-Kalergi - © Foto: picturedesk.com / KURIER / Jeff Mangione

Barbara Coudenhove-Kalergi: Zuhause heißt überall Menschlichkeit

1945 1960 1980 2000 2020

Barbara Coudenhove-Kalergi feiert am 15. Jänner ihren 90. Geburtstag. Nicht nur das ein Grund, sich vor ihrem Schaffen zu verneigen. Eine Würdigung.

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Barbara Coudenhove-Kalergi feiert am 15. Jänner ihren 90. Geburtstag. Nicht nur das ein Grund, sich vor ihrem Schaffen zu verneigen. Eine Würdigung.

Der Mensch soll laut Aristoteles ein „Zoon politikon“ sein, soviel wird gern und oft gesagt. Aber wie verdient man sich eigentlich dieses Adjektiv? Reicht es aus, irgendwo mitzumarschieren und das Gleiche zu rufen, was die zufälligen und ebenso dahergelaufenen Gehnachbarn herausschreien? Und was hilft Überzeugung, wenn es die falsche ist? Wenn aber am Anfang der Geschichte eine Vertreibung aus der Heimat steht, eine Habe, reduziert auf eine Decke und ein Taschenmesser; wenn man selbst noch ein Kind ist, mitgerissen vom Geschehen; wenn man das alles seelisch verarbeiten kann, kommt man vermutlich zu den richtigen Fragen. Warum tun Menschen das anderen Menschen an? Warum zahlen meist die gerade Schwächeren? Was passiert mit den Schwächeren, wenn man ihnen nicht hilft? Und wie können sich die Schwächeren helfen?

Für Barbara Coudenhove-Kalergi sind das immer wiederkehrende Themen geworden, sie ist an ihnen zu einer unverzichtbaren Stimme geworden. Und sie hat bis heute nicht aufgehört, diese Fragen zu stellen in Interviews, Texten und Büchern (etwa in der Autobiografie „Zuhause ist überall“). Das ist ihr großes Verdienst, und vermutlich wiegt er noch mehr als die Meriten, eine große „Osteuropa-Expertin“ zu sein. Coudenhove-Kalergis Zuhause war einmal Prag, bis 1945, da war sie das Kind einer alten Adelsfamilie. Dann wurde Österreich zu ihrem Land, aus der Adeligen war ein Flüchtlingsmädchen geworden. Dann wurde aus der Studentin eine Journalistin der Presse, des Express, des Kurier, der AZ, des ORF.

Der Mensch soll laut Aristoteles ein „Zoon politikon“ sein, soviel wird gern und oft gesagt. Aber wie verdient man sich eigentlich dieses Adjektiv? Reicht es aus, irgendwo mitzumarschieren und das Gleiche zu rufen, was die zufälligen und ebenso dahergelaufenen Gehnachbarn herausschreien? Und was hilft Überzeugung, wenn es die falsche ist? Wenn aber am Anfang der Geschichte eine Vertreibung aus der Heimat steht, eine Habe, reduziert auf eine Decke und ein Taschenmesser; wenn man selbst noch ein Kind ist, mitgerissen vom Geschehen; wenn man das alles seelisch verarbeiten kann, kommt man vermutlich zu den richtigen Fragen. Warum tun Menschen das anderen Menschen an? Warum zahlen meist die gerade Schwächeren? Was passiert mit den Schwächeren, wenn man ihnen nicht hilft? Und wie können sich die Schwächeren helfen?

Für Barbara Coudenhove-Kalergi sind das immer wiederkehrende Themen geworden, sie ist an ihnen zu einer unverzichtbaren Stimme geworden. Und sie hat bis heute nicht aufgehört, diese Fragen zu stellen in Interviews, Texten und Büchern (etwa in der Autobiografie „Zuhause ist überall“). Das ist ihr großes Verdienst, und vermutlich wiegt er noch mehr als die Meriten, eine große „Osteuropa-Expertin“ zu sein. Coudenhove-Kalergis Zuhause war einmal Prag, bis 1945, da war sie das Kind einer alten Adelsfamilie. Dann wurde Österreich zu ihrem Land, aus der Adeligen war ein Flüchtlingsmädchen geworden. Dann wurde aus der Studentin eine Journalistin der Presse, des Express, des Kurier, der AZ, des ORF.

Sie, die Nichte des Paneuropagründers Richard Coudenhove-Kalergi, war mit dem Kommunisten Franz Marek verheiratet, arbeitete für die Caritas und schrieb Kolumnen für die FURCHE. Und all das passt sehr wohl zusammen – und gar nicht schlecht.

Sie, die Nichte des Paneuropagründers Richard Coudenhove-Kalergi, war mit dem Kommunisten Franz Marek verheiratet, arbeitete für die Caritas und schrieb Kolumnen für die FURCHE. Und all das passt sehr wohl zusammen – und gar nicht schlecht. Indem nämlich der politische Mensch Coudenhove-Kalergi offensichtlich eine äußerst gesunde Feindschaft gegen Dogmen entwickelte, die ja tatsächlich am Grund all der oben genannten Feindschaft zwischen Menschen stehen können. Indem sie aber zusätzlich auch eine noch gesündere Freundschaft zu einer ruhigen und überdachten Menschlichkeit entwickelte.

Die leuchtet aus ihren Texten, ob es dabei um den Fall der Mauer, Corona-Demos, um das Priesterinnenamt oder schlicht um den Verlust des Kramperls und anderer „böser“ Märchenfiguren geht mit der Frage: „Was ist denn eigentlich das Gute ohne das Böse?“ Nach ihren Vorbildern gefragt, nannte sie dem ORF George Kennan und seine Maxime: in der Wirtschaft ein Linker, in der Politik ein Liberaler und in der Kunst ein Konservativer sein. Wie immer diese Zuschreibungen gefallen, sie scheinen immer den Menschen und sein Zusammenleben im Sinn zu haben. Und das wird bei Coudenhove-Kalergi auch sehr konkret, indem sie sich als Deutschlehrerin in der Flüchtlingshilfe betätigt. Barbara Coudenhove-Kalergi feiert dieser Tage ihren 90. Geburtstag. Das auch, aber nicht nur das ein Grund, sich zu verneigen.

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