
„Eine kontaminierte Landschaft ist […] eine Landschaft, die nach außen hin nichts Auffälliges aufweist, die aber etwas verbirgt. […] Wenn ich beginne zu graben, kommt etwas zum Vorschein. Etwas wurde zugedeckt, das zu einem Teil der Landschaft wurde.“ Das ist ein Zitat des heuer im Jänner verstorbenen Autors Martin Pollack. Er fragte stets: Worauf leben wir?
Natascha Gangl erweitert diese Frage. Sie fragt: In welcher Sprache leben wir? Und was hat sie, die Sprache, getan, und was tut sie? Der Klang, ja einzelne Laute entscheiden darüber, auf welcher Seite man steht oder zu stehen hat – und es kann tödlich sein, auf der falschen Seite zu sein. Eine Recherche nach der Geschichte eines Ortes (und seiner – man kann hier Ingeborg Bachmann zitieren – „Todesarten“) und dem, was es mit einem Gedenkstein, dem Sta, auf sich hat, wird zu einer sprachlichen Auseinandersetzung, die auch die Buchstaben auseinanderschiebt und neue Bedeutungen sucht. Die determinierende Frage „Wo gehörst du hin“ verschiebt sie zur Frage „Wo hörst denn du hin“ – und spricht damit ja auch ihre Leserinnen und Hörer, uns alle an.
Wo hörst denn du hin? Der eigene Hörwinkel bestimmt bekanntlich oft das Gehörte mehr als das tatsächlich Gesagte, und Gangl tritt mit ihrem Text somit in eine oft brutal katasterte Welt, aber auch in das schubladisierte Innen; ihr Text reicht von der Regionalsprache und -geschichte bis zu den für das Zusammenleben so wichtigen Fragen des Zuhörens und Verstehens (oder Missverstehens), egal wo. Sie macht mit einem unfassbar präzise gestalteten Text alle diese Wahrnehmungen und Fragen vielschichtig klangbar.
„Keine neue Welt ohne neue Sprache“, so wurde Ingeborg Bachmann zu Beginn dieser Veranstaltung von ihrem Bruder zitiert. „Keine neue Welt ohne neue Sprache“: Ich freue mich sehr, dass die Kolleg:innen in der Jury für diesen großartigen Text, diese neue Sprache gestimmt haben.
Ich bedanke mich vor allem bei Natascha Gangl sehr herzlich für diesen großartigen Text, überhaupt auch für ihr gesamtes bisheriges Schaffen, das sie nämlich seit Jahren unermüdlich und mit sehr viel Offenheit und Herzlichkeit jenseits von Moden und Trends betreibt – um ihn so klangbar zu machen: den Ton, in dem wir wohnen.












