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Bachmann-Wettbewerb

DISKURS

Klagenfurt am Datenstrom

1945 1960 1980 2000 2020

Literaturkritikerin Daniela Strigl über den Bachmannwettbewerb.

1945 1960 1980 2000 2020

Literaturkritikerin Daniela Strigl über den Bachmannwettbewerb.

Zwei Institutionen halten hierzulande mit Zähnen und Klauen am totalen Pandemie-Szenario fest: die Universitäten und das ORF-Landestudio Kärnten: Wie im Vorjahr soll der Bachmannpreis auch heuer digital über die Bühne gehen. Nur die Jury wird seltsamerweise an Ort und Stelle tagen, das Publikum bleibt ausgeschlossen, Autorinnen und Autoren müssen zu Hause bleiben, ihre Lesungen werden dortselbst aufgezeichnet und eingespielt. Dem Vernehmen nach wollte man die Jury ursprünglich gar zu menschenrechtswidrigem Hausarrest verdonnern, nur um die heiligen Hallen des Landesstudios garantiert virenfrei zu halten. Warum der Kärntner ORF den von allen bereits sattsam ausgekosteten Ausnahmezustand künstlich prolongiert, ist schleierhaft. Natürlich konnte man im Februar und März noch nicht voraussagen, wie genau die Lage im Juni sein würde. Aber schon 2020 waren – ohne Impfkampagne und Testroutine – im Sommer Veranstaltungen durchführbar, alle Prognosen deuteten auch diesmal auf Entspannung. In all den Monaten des strengen Lockdowns und der Reiserestriktionen waren berufliche Reisen innerhalb der EU ohne Quarantäne möglich – die Einbeziehung der Autoren und Autorinnen wäre ohne weiteres planbar gewesen. Immerhin sind sie das Herz des Wettbewerbs, und dass dieses sozusagen live schlägt, dass die literarischen Stimmen in der Mitte der Kritik laut werden, dass das Saalpublikum direkt und meist akklamierend beteiligt ist, macht den Charme, aber auch den Thrill der Veranstaltung aus. Im Notfall hätte man den Preis „wie immer“, nur ohne Zuschauer über die Bühne bringen können. Der Notfall ist aber nicht eingetreten – im Radiocafé des Wiener Funkhauses fand bereits eine Literarische Soiree statt. Ein Bachmannwettbewerb im Zoom-Format wird auch dadurch nicht wesentlich aufregender, dass Moderator und „Justitiar“ einander Zuschauer-Emails vorlesen.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

Zwei Institutionen halten hierzulande mit Zähnen und Klauen am totalen Pandemie-Szenario fest: die Universitäten und das ORF-Landestudio Kärnten: Wie im Vorjahr soll der Bachmannpreis auch heuer digital über die Bühne gehen. Nur die Jury wird seltsamerweise an Ort und Stelle tagen, das Publikum bleibt ausgeschlossen, Autorinnen und Autoren müssen zu Hause bleiben, ihre Lesungen werden dortselbst aufgezeichnet und eingespielt. Dem Vernehmen nach wollte man die Jury ursprünglich gar zu menschenrechtswidrigem Hausarrest verdonnern, nur um die heiligen Hallen des Landesstudios garantiert virenfrei zu halten. Warum der Kärntner ORF den von allen bereits sattsam ausgekosteten Ausnahmezustand künstlich prolongiert, ist schleierhaft. Natürlich konnte man im Februar und März noch nicht voraussagen, wie genau die Lage im Juni sein würde. Aber schon 2020 waren – ohne Impfkampagne und Testroutine – im Sommer Veranstaltungen durchführbar, alle Prognosen deuteten auch diesmal auf Entspannung. In all den Monaten des strengen Lockdowns und der Reiserestriktionen waren berufliche Reisen innerhalb der EU ohne Quarantäne möglich – die Einbeziehung der Autoren und Autorinnen wäre ohne weiteres planbar gewesen. Immerhin sind sie das Herz des Wettbewerbs, und dass dieses sozusagen live schlägt, dass die literarischen Stimmen in der Mitte der Kritik laut werden, dass das Saalpublikum direkt und meist akklamierend beteiligt ist, macht den Charme, aber auch den Thrill der Veranstaltung aus. Im Notfall hätte man den Preis „wie immer“, nur ohne Zuschauer über die Bühne bringen können. Der Notfall ist aber nicht eingetreten – im Radiocafé des Wiener Funkhauses fand bereits eine Literarische Soiree statt. Ein Bachmannwettbewerb im Zoom-Format wird auch dadurch nicht wesentlich aufregender, dass Moderator und „Justitiar“ einander Zuschauer-Emails vorlesen.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

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