Laura Freudenthaler - © Foto: Marianne Andrea Borowiec
Literatur

Laudatio auf Laura Freudenthaler

1945 1960 1980 2000 2020

Laura Freudenthaler gewann im Wettbewerb um den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis mit ihrem Text "Der heißeste Sommer" den 3sat-Preis. Nominiert wurde Freudenthaler von FURCHE-Feuilleton-Chefin Brigitte Schwens-Harrant.

1945 1960 1980 2000 2020

Laura Freudenthaler gewann im Wettbewerb um den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis mit ihrem Text "Der heißeste Sommer" den 3sat-Preis. Nominiert wurde Freudenthaler von FURCHE-Feuilleton-Chefin Brigitte Schwens-Harrant.

Wenn die Lippe verletzt ist, wird Lachen unmöglich und das Sprechen schmerzt. Die Mauern des Hauses bieten der Fremden nachts zwar Schutz vor der Hitze, nicht aber vor Heimsuchungen. Die Ortsansässigen wirken abweisend, mit der Maus hingegen kann Beziehung aufgenommen werden. Doch die Mäuse sind selbst gefährdet, soll doch Gift gegen sie eingesetzt werden, weil sie die Felder unterhöhlen. Die zunehmende Hitze setzt Mensch und Natur alarmierend zu.

Es ist eine unheile Welt, die Laura Freudenthaler mit „Der heißeste Sommer" erzählt. Es ist unsere Welt. „Und Gott sah, dass es gut war“, heißt es in einer bekannten überlieferten Erzählung über den Anfang der Welt. Es ist gut, sagt das Ich, bevor das von ihm übergesetzte Feuer seinen Weg nimmt. Ein Feuer, angeheizt von den Vergehen an Natur und Mensch. Am Ende sehen wir ein wüstes Land.

Ist der verletzte Mensch, ist die gefährdete Erde noch zu retten und was wäre dazu nötig? Jedenfalls ein Mehr an Wahrnehmung und das fordert dieser Text radikal ein. Für seine Lektüre von Wort zu Wort, von Satz zu Satz; für die Sprache, für Mensch und Natur. Poetik erweist sich hier auch als eine Frage der Ethik.

Laura Freudenthalers Text ist eine Wucht. Er verstört und erschüttert. Ein bis ins kleinste Detail gelungenes Sprachkunstwerk. Zeitlos gültig und brandaktuell.

Wenn die Lippe verletzt ist, wird Lachen unmöglich und das Sprechen schmerzt. Die Mauern des Hauses bieten der Fremden nachts zwar Schutz vor der Hitze, nicht aber vor Heimsuchungen. Die Ortsansässigen wirken abweisend, mit der Maus hingegen kann Beziehung aufgenommen werden. Doch die Mäuse sind selbst gefährdet, soll doch Gift gegen sie eingesetzt werden, weil sie die Felder unterhöhlen. Die zunehmende Hitze setzt Mensch und Natur alarmierend zu.

Es ist eine unheile Welt, die Laura Freudenthaler mit „Der heißeste Sommer" erzählt. Es ist unsere Welt. „Und Gott sah, dass es gut war“, heißt es in einer bekannten überlieferten Erzählung über den Anfang der Welt. Es ist gut, sagt das Ich, bevor das von ihm übergesetzte Feuer seinen Weg nimmt. Ein Feuer, angeheizt von den Vergehen an Natur und Mensch. Am Ende sehen wir ein wüstes Land.

Ist der verletzte Mensch, ist die gefährdete Erde noch zu retten und was wäre dazu nötig? Jedenfalls ein Mehr an Wahrnehmung und das fordert dieser Text radikal ein. Für seine Lektüre von Wort zu Wort, von Satz zu Satz; für die Sprache, für Mensch und Natur. Poetik erweist sich hier auch als eine Frage der Ethik.

Laura Freudenthalers Text ist eine Wucht. Er verstört und erschüttert. Ein bis ins kleinste Detail gelungenes Sprachkunstwerk. Zeitlos gültig und brandaktuell.