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Krisenkörper

FOKUS
Tattoo - © Foto: iStock/Rawpixel

Wie Tätowierungen durch die Krise helfen

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Viertel aller Österreicher(innen) ließ sich mittlerweile zumindest einmal stechen. Wie Tattoos ihren Weg in unsere Gesellschaft fanden und welche Rolle sie in der Krisenüberwindung spielen können.

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Ein Viertel aller Österreicher(innen) ließ sich mittlerweile zumindest einmal stechen. Wie Tattoos ihren Weg in unsere Gesellschaft fanden und welche Rolle sie in der Krisenüberwindung spielen können.

Die Krise geht unter die Haut. Corona und seine Folgen wie Gesundheitsgefahren, Lockdowns, wirtschaftliche Einbußen, die staatlichen Maßnahmen oder gar Jobverluste: Sie alle bringen die meisten Menschen an ihre Grenzen. Um durchzuhalten, bedarf es einer „dicken Haut“.

Jean Améry beschreibt 1966 in seinem Essay „Jenseits von Schuld und Sühne“ ausführlich die Erfahrung der Folter durch die Gestapo: „Die Grenzen meines Körpers sind die Grenzen meines Ichs. Die Hautoberfläche schließt mich ab gegen die fremde Welt; auf ihr darf ich, wenn ich Vertrauen haben soll, nur zu spüren bekommen, was ich spüren will.“ Dieses Beispiel verdeutlicht, was nur scheinbar offensichtlich ist: Die Haut ist mehr als nur das sichtbarste Organ. Sie umfasst auch die innersten Lebensbereiche. Somit ist sie weitaus mehr als eine bloße Hülle: Sie ist unsere Körper/Leib-Grenze und repräsentiert unsere Identität. Deshalb ist alles, was wir mit unserer Haut machen, von besonderer Bedeutung.

Tätowierungen sind eine der sichtbarsten Veränderungen der Haut. Im Normalfall auch eine dauerhafte. Diese Veränderung ist nach außen sichtbar. Ohrlöcher wachsen zu, Haare werden länger, Kleider können gewechselt werden. Auch wenn sie überdeckt, übertätowiert oder bis zu einem gewissen Grad entfernt werden können: Tätowierungen bleiben in den meisten Fällen. Und sie boomen. 25 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher haben laut einer IMAS-Studie aus dem Jahr 2020 ein Tattoo. Das sind immerhin acht Prozent mehr als noch 2013. Und die Verbreitung wird vermutlich weiter zunehmen, denn Tätowierungen haben etwas Besonderes an sich.

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