Unrechtsmaximierung

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Über die Gewinner und Verlierer(innen) in der Krise.

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Über die Gewinner und Verlierer(innen) in der Krise.

Wissen Sie, was mich wütend macht? Wenn eine Ungerechtigkeit offensichtlich ist und es den Anschein macht, niemand tut etwas dagegen. Konsumentenschützer werden nicht müde zu betonen, dass die Preise vieler Nahrungsmittel zu Unrecht explodiert sind. Diverse Produzenten nutzen schlicht die Gunst der Stunde. Natürlich streiten die Beschuldigten diese Vorwürfe ab. Sie wären schön blöd, wenn sie die Öffentlichkeit darauf hinweisen würden, dass sie selbstverständlich ihre Gewinne maximieren, wo und wann es möglich ist.

Dass dies oberstes Ziel eines Unternehmens ist, lernt jeder Betriebswirtschaftsstudent in seiner ersten Vorlesung. Bin ich denn die Einzige, die sich an die Lockdowns und Corona-Beschränkungen erinnert? Wer hat damals das große Geschäft gemacht? Die Lebensmittelfilialen und Drogeriemärkte. Während die einen Händler zumachen mussten, haben die anderen sogar Blumen, Spielzeug und Bücher an die Frau gebracht. Ja genau, ich schreibe Frau. Absichtlich. Weil ich es ganz oft Frauen waren, die Haushalt, Kindererziehung und Job unter einen Hut bringen mussten.

Wenn wenigstens die Verkäufer(innen) von den Margen profitiert hätten. Die hätten es verdient, denn zunächst waren sie schutzlos Corona ausgeliefert und später wurde ihnen als eine der letzten Gruppen erlaubt, die Masken bei der Arbeit abzunehmen. Aber die Boni landen in der Regel auf den Konten der CEOs. Damals wie heute.

Arbeitsminister Martin Kocher findet meinen Zugang naiv. „Wunschdenken“ hat er es genannt, wenn jemand von der Politik fordert, Preise sozial verträglich mitzugestalten. Echt jetzt? Ich glaube der Ruf nach Gerechtigkeit hat viel mehr mit einem gesunden Menschenverstand zu tun.

Lesen Sie dazu auch die Quint-Essenz "Augen auf, ein Kick" oder "Skandalöses Bedürfnis."

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