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Mehr Mut, Frau Ministerinnen

"Das ist mein Kind, und eine Kindesweglegung wird es nicht geben", meinte Frauenministerin Doris Bures, um zu betonen, dass sie die Kindergeld-Novelle nicht durch ihr Veto im Ministerrat boykottieren will - trotz ihrer Kritik an der Zuverdienstgrenze ("ein Murks"), die Familienministerin Andrea Kdolsky auf Biegen und Brechen verteidigt. Verständlich, das Durchsetzen der zweiten Variante (neben 30 plus 6 auch 15 plus 3 Monate Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld) war Bures' Herzensanliegen. Die Novelle, deren Begutachtungsfrist nun endet, ist aber leider ein missratenes "Kind", um bei Bures' Bild zu bleiben.

Der Reformvorschlag verspricht nur mehr Wirrwarr, ein Durchbruch ist er sicher nicht. Von Ministerinnen in einer großen Koalition hätte man mehr Mut erwarten können. Warum nicht das alte Modell beibehalten, die Summe spürbar erhöhen, die Zuverdienstgrenze streichen - und stattdessen endlich einmal innovative Ideen angehen?

Was nützt denn der erhöhte Bezug 15 Monate lang, wenn danach kein wirklich qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsplatz für einen einjährigen Zwerg zur Verfügung steht? Und vor allem kein flexibles kinderfreundliches Arbeitsumfeld? Gehen Väter aufgrund der zweiten Variante (800 Euro im Monat) lieber in Karenz? Wohl eher nicht. Man müsste das Pferd endlich richtig aufzäumen: Die Wirtschaft ist auch mit Ideen gefragt, der Staat könnte dann finanziell zuschießen.

Wie wäre es mit einem Babybonus für Mitarbeiter, bei denen Nachwuchs ansteht (denn die Firma hat etwas davon!) gekoppelt an karenzbegleitende und babyalltagstaugliche Weiterbildungsangebote oder einen einmonatigen Väterurlaub nach der Geburt? Und endlich ein Chef, der für einige Monate den Bürosessel mit der Krabbeldecke tauscht? Das wären Signale!

regine.bogensberger@furche.at

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