Fasten für die Gemeinschaft der Frauen

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Am 19. Februar findet der Familienfasttag statt - bereits zum 58. Mal. Ganz nach dem Motto "Teilen spendet Zukunft" werden auch dieses Jahr wieder unzählige Projekte mit Spenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs unterstützt.

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Am 19. Februar findet der Familienfasttag statt - bereits zum 58. Mal. Ganz nach dem Motto "Teilen spendet Zukunft" werden auch dieses Jahr wieder unzählige Projekte mit Spenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs unterstützt.

Montag, 15. Februar 2016: In der Präsidentschaftskanzlei der Hofburg tummelt sich die Menge im Empfangsraum. Langsam nehmen alle auf den goldenen Sesseln Platz. Das Stimmengewirr im Raum wird leiser, Daniela Krammer, Frontwoman von Saxophone Affairs, leitet das Benefizsuppenessen in der Hofburg mit ruhigen Saxophontönen ein.

Erst zum zweiten Mal findet hier das Benefizsuppenessen der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (KFBÖ) statt. Seit 1958 sammeln deren Mitglieder Spenden für Frauen und Mädchen in den benachteiligten Regionen der Welt. Neben der Grünen-Abgeordneten Eva Glawischnig oder Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek fanden sich auch Kardinal Christoph Schönborn sowie Bundespräsident Heinz Fischer ein.

Besonders der Bundespräsident nutzte die Gelegenheit der Benefizveranstaltung, um auf die Flüchtlingskrise aufmerksam zu machen. Er kritisierte dabei den Begriff der Willkommenskultur und meinte, er sei zu einem "Kampfbegriff" gemacht worden, der den Eindruck erwecken solle, Flüchtlinge würden wie Luxustouristen behandelt, was "absolut falsch, übertrieben und polemisch" sei. Außerdem sei die Flüchtlingskrise auf Basis gemeinsamer Anstrengungen nicht unlösbar. "Ich möchte nicht haben, dass die nächste Generation uns vorwerfen muss, dass wir bei der Lösung des Flüchtlingsproblems versagt und außerdem das Europäische Projekt dabei beschädigt haben", so Fischer. Die Frauenbewegung würde durch ihr Fastensuppenessen die Solidarität mit Menschen in Not nah und fern zum Ausdruck bringen, besonders in einer so schwierigen Zeit, in der sich Europa heute befände.

Auch Kardinal Schönborn stimmte den Worten des Präsidenten zu. Solche Worte seien dringend notwendig, auch hoffe er, dass diese ein starkes Echo erfahren würden.

Für die Rechte der Frauen weltweit

Anlass des Benefizsuppenessens war der Familienfasttag, welcher jedes Jahr am zweiten Freitag der vorösterlichen Fastenzeit stattfindet. Eingeführt wurde dieser Tag schon vor 58 Jahren von der damaligen Vorsitzenden der Bewegung, Herta Pammer. Ihre Grundidee war es, dass alle Familien in der Fastenzeit einmal pro Woche auf eine Mahlzeit verzichten und stattdessen Suppe essen. Das Ersparte sollte Frauen in benachteiligten Regionen überall auf der Welt gespendet werden. Die KFBÖ legte die Idee auf einen Tag fest und nannte sie "Aktion Familienfasttag". Seit Langem finden im Rahmen der Aktion österreichweit Suppenessen und Spendenaktionen statt, die besonders Frauen und Mädchen zugute kommen sollen, denn die Organisation versteht sich als eine Bewegung von Frauen für Frauen. Sie möchte Begleiterin auf dem Weg der Persönlichkeitsentfaltung sein, sich gegenseitig dazu ermutigen, festgelegte Rollenbilder zu überwinden und neue Wege zu gehen, heißt es auf der Website der Organisation. Mit rund 100 Projekten in Asien, Lateinamerika, Afrika und Österreich will die Aktion durch Spenden sowie Bildungs-und Bewusstseinsarbeit Frauen rund um die Welt zu gleichberechtigten Akteurinnen im Alltag machen.

"Fasten heißt für mich Teilen, und zwar das Teilen von Ressourcen, von Chancen auf Leben, auf Gesundheit, auf die Wahrnehmung und Durchsetzung von Rechten, auf die Teilhabe an Wirtschaft und Politik", meint Veronika Pernsteiner, KF-BÖ-Vorsitzende. "Teilen ist die Grundlage für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung", so auch Anja Appel, deren Generalsekretärin. Doch nicht nur in der Fastenzeit ist der Beitrag zu sozialen Projekten möglich. Zwar fänden Benefizveranstaltungen nur in dieser Zeit statt, doch wären Spenden zur Aktion Familienfasttag das ganze Jahr über möglich.

"Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen." Auch unter diesem Motto stand das zweite Benefizsuppenessen in der Hofburg. Suppe essen für einen guten Zweck, dabei spielt es keine Rolle, um welche Suppe es sich handelt. "Die Suppen werden von verschiedenen Köchen, KFBÖ-Frauen, Privatpersonen oder auch Krankenhäusern oder Schulen gespendet. Die Suppen des Benefizessens in der Hofburg kamen von der Tourismusschule Pannoneum Neusiedl", erklärt Pernsteiner. Ob Kichererbsensuppe, Krautsuppe oder klare Suppe, das Wichtigste am Fastensuppenessen bleibt der Beitrag zur Solidarität.

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