Mireille Ngosso - © Foto: APA / Georg Hochmuth

Mireille Ngosso zieht in den Wiener Gemeinderat

1945 1960 1980 2000 2020

Mireille Ngosso war Wiens erste afroösterreichische Vizebezirksvorsteherin. Jetzt zieht sie für die SPÖ in den Wiener Gemeinderat ein.

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Mireille Ngosso war Wiens erste afroösterreichische Vizebezirksvorsteherin. Jetzt zieht sie für die SPÖ in den Wiener Gemeinderat ein.

Auf Bezirksebene stellte sich die eigene Parteibasis gegen sie – jetzt zieht Mireille Ngosso in den Wiener Gemeinderat ein. Als stellvertretende Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt hätte man meinen können, Ngosso steht auch bei der Wien-Wahl für die SPÖ auf Listenplatz eins im ersten Bezirk. Im März entschied man sich jedoch anders: Ngosso wurde abgewählt, die ehemalige ÖH-Vorsitzende Lucia Grabetz kam zum Zug. Politisch aktiv wollte Ngosso jedoch weiterhin bleiben, mit Platz 27 auf der Landesliste ist ihr dem aktuellen Wahlergebnis nach ein Mandat sicher.

Der breiten Öffentlichkeit wurde Ngosso erstmals 2018 nach ihrem Aufstieg von der SPÖ-Bezirks rätin zur stellvertretenden Bezirksvorsteherin bekannt. „Dass ich als Frau mit sichtbarem Migrationshintergrund in diese Funktion gewählt wurde, ist ein Signal für die Weltoffenheit dieser Stadt“, sagte Ngosso damals gegenüber der APA. Aufmerksamkeit erzeugte aber auch die Welle an Rassismus und Hasskommentaren, die der neuen Bezirksvize entgegenschlug.

Mireille Ngosso wurde 1980 in der Demokratischen Republik Kongo geboren und ist im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Österreich geflohen. Ursprünglich
wollte sie Jazzsängerin werden, brach zwischenzeitlich die Schule ab und entschied sich dann aber für ein Medizinstudium. Seit 2018 ist Ngosso Ärztin in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Hietzing. In der SPÖ Wien ist sie seit 2010 aktiv, ihr Fokus liegt unter anderem auf Gesundheitspolitik und Antirassismus.

So marschierte Ngosso etwa als Mitorganisatorin der Wiener #BlackLivesMatterKundgebung an vorderster Front derselben. „Wir sind heute hier, um gegen diesen strukturellen Rassismus aufzutreten. Live, mutig, viele von uns, gemeinsam: Black lives matter“, so Ngosso bei der Demonstration. Die 40-Jährige ist Unterstützerin des vor wenigen Wochen vorgestellten „Black Voices“-Volksbegehrens, das zum Beispiel einen „Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus“ fordert. „Mit dem Volksbegehren machen wir nun den nächsten Schritt, um selbst die Veränderung herbeizuführen, die wir wollen. Wir selbst sind diejenigen, die Geschichte schreiben können“, sagt Ngosso.

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