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Mit Lenya und Weill an die Staatsoper

Die Sopranistin Angela Denoke wird am 13. Februar einen Lese- und Liederabend an der Staatsoper geben. Allerdings nicht klassisch sondern mit Chancons von Kurt Weill.

Zuletzt gastierte Angela Denoke an der Wiener Staatsoper als Marschallin im "Rosenkavalier“. Eine Partie, mit der sie 1997 hier auch debütiert hatte und mit der sie sich Jahre später in einer zum Gedenken an Carlos Kleiber angesetzten Aufführung an der New Yorker "Met“ vorstellte. Nächste Woche ist sie erneut im Haus am Ring zu hören, und zwar im Rahmen der neuen Liederabende-Serie. Ausgewählt dafür hat sie ausschließlich Werke von Kurt Weill.

Eine Überraschung? Keineswegs, denn Weill, erinnert sich die international gesuchte Sopranistin, die eben erst in einer von Thomas Hengelbrock geleiteten "Parsifal“-Serie, bei der das Orchester auf historischen Instrumenten musizierte, die Kundry gesungen hat, interessierte sie schon in ihrer Studienzeit. Intensiviert wurde das, als sie ein Liedprogramm mit Werken von Komponisten zusammenstellte, die Deutschland aus politischen Gründen verlassen mussten und in den Vereinigten Staaten Karrie-re machten. "In diesem Programm hatten wir auch Weill-Lieder. Wir haben dann das gesamte Werk von Weill durchforstet und die besten für uns passenden Nummern herausgesucht“, erzählt Angela Denoke, wie es schließlich zu diesem reinen Weill-Projekt gekommen ist.

Neue Farbenspiele

Während sie das erste Programm mit vier Musikern gestaltete, setzt sie nunmehr auf zwei Begleiter: einen Pianisten und einen Klarinettisten. Denoke: "Ursprünglich hatte ich noch einen Schlagzeuger und einen Bassisten dabei, eine klassische Jazzkombination. Jetzt fand mein Pianist, dass das Klavier alleine vielleicht nicht interessant genug ist, und so haben wir einen Bläser dazu genommen. Dadurch ergeben sich neue Farbenspiele, denn beide spielen mehrere Instrumente. Der Klarinettist auch Saxophon und Querflöte, der Pianist an einigen Stellen Akkordeon.“

Ihre beiden Begleiter, der Pianist Tal Balshai und der Klarinettist Norbert Nagel, kommen vom Jazz her, sind aber auch klassisch orientiert. Sie ist keine Jazzsängerin "und will auch keine sein“. Präsentieren wird sie die Lieder in der "tiefen Sprechstimmlage“, dort klingen sie am besten. "Manchmal singe ich auch hoch, da kann ich meine ausgebildete Stimme nutzen, was Schauspielern, die solche Programme machen, natürlich abgeht.“

Die technischen Anforderungen der Auswahl bezeichnet sie als "nicht unkompliziert“. Anstrengend ist auch der Wechsel zwischen Singen und Sprechen, denn zwischen den einzelnen Liedern liest sie Texte von Weill und Lotte Lenya, "teilweise aus dem Briefwechsel, teilweise, was der eine über den anderen gesagt hat, auch was Lotte Lenya über Weill nach dessen Tod gesagt hat“.

Die Reihenfolge der Lieder, die von Weills frühem Schaffen bis knapp vor seinem frühen Tod reichen, orientiert sich an den ausgesuchten Texten. Beides soll für sich sprechen: "Durch die Songs ergibt sich alleine ein Statement. Wir wollen mit diesem Abend Weill in seinen ganzen Facetten zeigen und auch den Menschen Kurt Weill dem Publikum etwas näher bringen“, beschreibt sie die Absicht dieses Abends am 13. Februar in der Staatsoper.

An Kulturkreise angepasst

Sie selbst hat durch diese intensive Beschäftigung mit Weill ein anderes Bild von ihm bekommen. "Man kennt den Weill, der mit Brecht zusammen gearbeitet hat. Er hat sich aber auch in den jeweiligen Ländern sehr gut akklimatisiert“, spielt sie auf seine polyglotte musikalische Begabung an. "Er hat in Frankreich fast französische Chansons komponiert. Seine amerikanischen Songs klingen richtig amerikanisch.“ Apropos Frankreich: Weills französische Zeit lässt Denoke bei diesem Abend draußen. Das hätte das ohnehin dichte, für Interpreten wie Publikum so abwechslungsreiche wie anspruchsvolle Programm überfrachtet.

In Wien wird sie nach diesem Auftritt eine kleine Pause einlegen. Dafür bereitet sie sich für eine neue Rolle vor, den Adriano in Wagners "Rienzi“, den sie am römischen Opernhaus singen wird. Ihre zweite Hosenrolle nach dem Gymnasiasten in Bergs "Lulu“, wie sie amüsiert anmerkt. Denn zu einem Engagement als Komponist in der "Ariadne“ ist es nie gekommen. Zudem wird sie mit einer ihrer Paraderollen, der Marie, in einer "Wozzeck“-Neuproduktion am Opernhaus von Chicago debütieren. Gewissermaßen ein Heimspiel. Nicht nur, dass ihr Mann Amerikaner ist, hat sie dort auch ihren amerikanischen Wohnsitz.

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