Fuchskusu - © Foto: iStock / JohnCarnemolla
Wissen

Neue Invasoren

1945 1960 1980 2000 2020

Heimlich mitgereist oder gezielt ausgesetzt: Wenn Tiere in fremde Länder kommen, drohen ökologische Probleme.

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Heimlich mitgereist oder gezielt ausgesetzt: Wenn Tiere in fremde Länder kommen, drohen ökologische Probleme.

In den letzten zehn Jahren hatte ich das Privileg, zwölf Länder auf vier verschiedenen Kontinenten zu bereisen. Viele werden wahrscheinlich ähnlich weit gereist sein, denn ein Flug in die USA oder nach Australien ist im 21. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches mehr. Die Möglichkeit, Länder auf der anderen Seite des Planeten zu bereisen („Down Under“!), ist allerdings historisch neu – die ersten Europäer haben erst vor 500 Jahren den nordamerikanischen Kontinent erreicht, und noch vor etwa 200 Jahren waren Reisen nach Australien Abenteurern oder Strafgefangenen, zwangsverschifft zu monatelangen Seereisen, vorbehalten.

„Darwins Alptraum“

Diese Intensivierung der menschlichen Reiselust und die Kolonisierung von Regionen durch Einwanderer aus weit entfernten Ursprungsländern hatte auch unerwünschte Nebeneffekte. Mit den menschlichen Passagieren und Auswanderern reisten auch Tiere in weit entfernte Länder, entweder von den Kolonialisten als landwirtschaftliche Tiere mitgebracht, oder als blinde Passagiere, wie Ratten und Mäuse. In manchen Fällen fanden die absichtlich oder unabsichtlich mitgebrachten Tierarten in der neuen Heimat ideale Bedingungen vor und vermehrten sich ungebremst. Ökosysteme sind von diesen Invasoren oft komplett überwältigt. Dabei geht es nicht um romantische Vorstellungen von der Harmonie in der Natur, sondern um im Laufe der Evolution entstandene gegenseitige Abhängigkeiten von Organismen. Raubtiere, Parasiten und Konkurrenten, die sonst die Population einer Tierart klein halten, würden fehlen in der neuen Umgebung, und eine rasante Ausbreitung ist die Folge. Die Invasoren dezimieren ihre neuen Beutetiere und Futterpflanzen, die auf diese neue Bedrohung nicht eingestellt sind.

Auf der Pazifikinsel Guam hat eine eingeschleppte Schlange einen Großteil der Vogelfauna ausgerottet. In Australien haben zum Jagdvergnügen ausgesetzte Hasen an der Vegetation einen enormen Schaden angerichtet. Der Nilbarsch im afrikanischen Victoriasee hat nicht wenige der einheimischer Buntbarscharten eliminiert oder an den Rand des Aussterbens gebracht, wie etwa Hubert Saupers Film „Darwins Alptraum“ eindrucksvoll zeigt. Die ökologische Bilanz dieser invasiven Tierarten ist katastrophal. Nicht nur sind Menschen schuld daran, dass sich diese gar nicht ins Ökosystem passenden Invasoren ausbreiten, manchmal versuchen wir auch, diese wieder loszuwerden. Zwei Beispiele aus unterschiedlichen Ländern illustrieren die Bandbreite, wie Menschen mit invasiven Tierarten umgehen.

In Neuseeland ist eine Initiative, alle invasiven Raubtiere wieder loszuwerden, im Gange. In den Philippinen hingegen setzen die Behörden invasive Fische aus, um das Denguefieber zu bekämpfen. Neuseeland ist so weit von anderen Landmassen entfernt, dass vor der Ankunft der Polynesier dort keine Säugetiere lebten. Stattdessen haben sich einzigartige bodenlebende Vögel entwickelt, denen von den invasiven Ratten, Katzen und Mäusen stark zugesetzt wird. Selbst Australien, oft selbst ein Ziel invasiver Tierarten, hat zu den neuen Invasoren in Neuseeland beigetragen: Das Fuchskusu, ein baumlebendes Beuteltier, hat sich stark ausgebreitet; die neuseeländische Regierung will diese Invasoren bis zum Jahre 2050 ausrotten.