Pierre Teilhard de Chardin: Mystischer Denker auch für heute

1945 1960 1980 2000 2020

Raimund Badelt versucht in seinem Buch „Die Omega-Spur“, die Ansätze des Jesuiten-Denkers Pierre Teilhard de Chardin (1881–1955) den Zeitgenoss(inn)en von heute nahezubringen: Das Denkgebäude von „Noogenese“ bis „Punkt Omega“ passt auch in die digitale Welt.

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Raimund Badelt versucht in seinem Buch „Die Omega-Spur“, die Ansätze des Jesuiten-Denkers Pierre Teilhard de Chardin (1881–1955) den Zeitgenoss(inn)en von heute nahezubringen: Das Denkgebäude von „Noogenese“ bis „Punkt Omega“ passt auch in die digitale Welt.

In der Zeit, in der sich in den Biowissenschaften Darwins Evolutionstheo­rie durchsetzte, hatten es Verbinder zwischen katholischer Theologie und Naturwissenschaft schwer, zumal sich die römische Spielart des Christentums antimodernistisch einbunkerte. Fast prototypisch für die Auseinandersetzungen ist das Wirken von Piere Teilhard de Chardin (1881–1955), Jesuit, Paläontologe und Vordenker einer Synthese aus (alter) Glaubenstradition und Wissenschaft.

Teilhard konnte die meisten seiner Werke zu Lebzeiten nicht veröffentlichen, seine Oberen verhinderten dies, auch im Wissen, dass die Glaubenshüter in Rom diese sowieso auf den Index der verbotenen Bücher verbannt hätten. Erst postum wurden Teilhards Theorien publiziert; im Vorfeld des II. Vatikanums und erst recht danach konnten sie doch wirkmächtig werden. Teilhard versuchte, der auf der Evolutionstheorie fußenden Beschreibung der Entwicklung des Kosmos und dann des Lebens, der Biogenese, eine Entwicklung des Geistes dazuzupostulieren, die er „Noogenese“ nannte. Seinen Glauben an Christus und die damit einhergehende tiefe Frömmigkeit brachte er in diese Theorie ein, indem er die Evolution hin zum „Punkt Omega“ weiterdachte; das Bild des griechischen Buchstabens Omega übernahm er aus dem Buch der Offenbarung, wo Christus so bezeichnet wird.

Das da entwickelte philosophisch-theologische Gebäude fußt auf wissenschaftlicher Erkenntnis der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Haben aber Teilhards Ideen, die auch eminent Mystisches beinhalten, auch im 21. Jahrhundert Bestand?
Raimund Badelt, langjähriger Manager im Bereich der Caritas Wien, hat sich nach dem Ausscheiden aus diesem Beruf intensiv mit Teilhard de Chardin auseinandergesetzt. In seinem Buch „Die Omega Spur“ versucht er, die Teilhard’schen Erkenntnisse auf neueste Entwicklungen hin – Digitalisierung, globale Kommunikations- und Wissensformen, aber auch die Verwerfungen von Ungerechtigkeit und materialistischen Heilsutopien – anzuwenden. Insbesondere, dass Teilhard in seinen Überlegungen auch die (christlich interpretierte) Liebe als eine „Energieform“ mitgedacht hat, birgt für Badelt ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für eine Weiterentwicklung des Humanen.

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