Markus Hinterhäuser - Markus Hinterhäuser - © APA / Tobias Steinmaurer

Kultur am Gängelband der Politik: Zur Causa Markus Hinterhäuser

Die Causa Hinterhäuser ist mehr als eine Personalie der Salzburger Festspiele. Sie stellt die grundsätzliche Frage nach der Freiheit der Kunst.

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Zu Recht gab es einen Aufschrei, als Herbert Kickl forderte, dass das Recht der Politik zu folgen habe und nicht umgekehrt. Wie schaut es gerade in Salzburg aus? Haben die Festspiele, in diesem Fall der Intendant, den Forderungen und Wünschen der Politik zu folgen, egal, was ein Vertrag vorsieht? Ein skurriles, überzogenes Bild? Nicht, wenn man sich die bisher in die Öffentlichkeit gedrungenen Entwicklungen genauer ansieht.

Schon dass sich Intendant Markus Hinterhäuser, dessen Vertrag zweimal ohne Wenn und Aber vom Kuratorium verlängert worden war, für eine dritte Verlängerung bewerben und zusätzlich einem Hearing stellen musste, hat Verwunderung, bei nicht wenigen Befremden hervorgerufen. Manche sahen bereits damals einen möglichen ersten Akt seiner bald folgenden Demontierung. Dabei hätte man ihm im Voraus vermitteln können, dass er sich selbstverständlich bewerben kann, man aber jemanden anderen will. Was hätte daran gehindert, mit offenen Karten zu spielen? Der erzielte Kompromiss, Hinterhäuser zu verlängern, gleichzeitig beiden Seiten – ihm wie dem Kuratorium – die Möglichkeit zu bieten, frühzeitig aus dem neuen Vertrag auszusteigen, ist unter den gegenwärtigen Umständen in einem differenzierten Licht zu sehen.

Seinen Anfang genommen hat das Thema Hinterhäuser mit der Bestellung der neuen Festspielpräsidentin. Mit Kristina Hammer, die eine andere Linie fährt als ihre Langzeitvorgängerin Helga Rabl-Stadler, kam es mit den beiden anderen Direktionsmitgliedern – neben Hinterhäuser auch mit dem Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz – wiederholt zu Konflikten. Das hat zu Parteibildungen geführt. Dazu gesellte sich die gegenüber Intendant Hinterhäuser wiederholt kritisch eingestellte örtliche Presse.

Hätten die Salzburger Nachrichten nicht öffentlich gemacht, dass sich Hinterhäusers Favoritin für die Schauspieldirektion, die ehemalige Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann, dem Hearing nicht gestellt hat, wäre es zur gegenwärtigen Situation nicht gekommen. Die Fakten, dass nämlich die Teilnahme an diesem Hearing gar nicht Voraussetzung für diesen Posten ist, es dem Intendanten sehr wohl freisteht, ihn mit einer Person seines Vertrauens zu besetzen, Bergmann allgemein als Idealbesetzung angesehen wird, spielen mittlerweile kaum noch eine Rolle.

Bedeutet geschlossen einhellig?

„Geschlossen“, so ließ die Kuratoriumsvorsitzende, Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, nach der jüngsten Sitzung am 26. Februar wissen, sei man nunmehr der Ansicht, dass die Voraussetzungen für die bereits beschlossene (sic!) dritte Vertragsverlängerung Hinterhäusers nicht gegeben seien. Was ist plötzlich offen, woran hakt es? Dazu gab es keine Hinweise. Im Übrigen: Sollte der schwammige, unjuristische Begriff „geschlossen“ vermitteln, dass die Kuratoriumsmitglieder doch nicht einer Meinung waren und sind? Spielt man im Kuratorium deswegen auf Zeit, weil man mit einem potenziellen Hinterhäuser-Nachfolger noch nicht handelseins ist? Was hat es mit dem Vorschlag auf sich, den man Hinterhäuser unterbreitet hat? Gesichtsverluste kann man ohnedies nicht mehr ungeschehen machen.

Und mehr als bemerkenswert: Obwohl die Angelegenheit als offen dargestellt wurde, haben Salzburger Medien schon am Morgen nach der jüngsten Kuratoriumssitzung berichtet, dass Hinterhäuser nach dieser Saison wohl Festspielgeschichte sein wird. Aus seinem Pressestatement wiederum ergibt sich unmissverständlich, dass er unverzüglich und mehrfach die Landeshauptfrau von seiner Personalie für die Schauspieldirektion informieren wollte (das übrigens, belegt durch SMS, war am 2. Februar), sie aber partout keine Zeit für ein persönliches Gespräch gefunden hat.

Wird nach all den Querelen das Kuratorium tatsächlich am 20. März eine finale Entscheidung treffen? Oder geht es womöglich nur darum, dass die Politik gegenüber der Kunst wie so oft ihre Muskeln spielen lassen will, um zu zeigen, wer in diesem Kräfteparallelogramm tatsächlich das Sagen hat? Aber müssen dafür Spielchen herhalten, die Menschen tief entwürdigen?

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