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Neuer alter Judenhass

Pepe der Frosch - © Illustration: Rainer Messerklinger
International

Wo sich Terror und Hass im Netz formieren

1945 1960 1980 2000 2020

Internet-Foren wie „8chan“ und „Endchan“ waren zuletzt Tummelplätze für junge Männer, die Terroranschläge begingen. Was steckt dahinter?

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Internet-Foren wie „8chan“ und „Endchan“ waren zuletzt Tummelplätze für junge Männer, die Terroranschläge begingen. Was steckt dahinter?

Als Stephan B. sich zu Jom Kippur mit seinem gemieteten Auto auf den Weg zu einer Synagoge in Halle machte, sprach er ein paar genuschelte Worte auf Englisch in seine Handykamera und leugnete dabei den Holocaust: „Mein Name ist Anon und ich denke, dass der Holocaust nie stattgefunden hat. Feminismus ist der Grund für rückläufige Geburtenraten im Westen, die als Sündenbock für Masseneinwanderung herhalten müssen. Und die Wurzel all dieser Probleme ist der Jude.“

Stephan B. übertrug das Video seines versuchten Anschlages live über Twitch, eine vor allem unter Videospielern bekannte Streaming-Plattform, deren Reichweite pro Tag weltweit knapp 15 Millionen beträgt und die bisher nicht durch rechtsextreme oder gewaltverherrlichende Inhalte aufgefallen war. Beim Attentäter von Halle verfolgten gerade einmal fünf Personen den gescheiterten Terroranschlag. 2200 weitere konnten sich das 35-minütige Video nach Ende der Übertragung ansehen, ehe es schließlich von der Plattform genommen wurde.

Stephan B. reiht sich mit seinem Anschlag in eine Serie der Auswüchse eines neuen Phänomens von Terroranschlägen, das vergangenen März beim Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch seinen grausamen Höhepunkt gefunden hatte. Auch Brenton T. übertrug damals seinen Anschlag über einen Livestream, der sich darauf wie ein Lauffeuer im Internet verbreitete. Dass sich Stephan B. in seinem Video „Anon“ nennt, hat einen Grund: Anon steht in Internetforen für „Anonymous“ und bezieht sich auf die gesamte anonyme Community beziehungsweise jemanden in der Community eines Forums. Der tatsächliche Name, das echte Profil der Person ist hier nicht relevant.

Die Internetforen, in denen die jeweiligen Nutzer unter diesem gängigen Pseudonym posten, sind aufgrund der darin geteilten Inhalte mittlerweile in die internationalen Schlagzeilen geraten. 4chan, 8chan und Endchan nennen sich drei der bekanntesten sogenannten Imageboards, auf denen sich neben harmlosen alltäglichen Postings auch die radikalsten Auswüchse extremer Gewalt, Verherrlichung der Gräueltaten des NS-Regimes und Aufrufe zum Teilen von kinderpornografischen Inhalten finden. 8chan, eines der berüchtigtsten Foren, ist bereits seit Anfang August offline, als bekannt wurde, dass der Attentäter von El Paso dort Pläne für seinen Anschlag, bei dem 20 Leute starben, im Vorhinein verbreitet hatte. Auch Brenton T., der Terrorist von Christchurch, verbreitete Livestream wie Manifest kurz vor seinem Attentat auf dem Imageboard. Während der Rest der Welt die Opfer betrauerte, schlug dem Attentäter auf der Plattform teils gro­ßer Zuspruch entgegen. Viele der User hofften auf einen „High Score“ der Opferzahl.