Einfallsreich, modern: Rembrandt

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Zwei sehenswerte Ausstellungen zeigen die Entwicklung der niederländischen Graphik.

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Zwei sehenswerte Ausstellungen zeigen die Entwicklung der niederländischen Graphik.

Zur Zeit ist Wien ein Muß für Liebhaber niederländischer Kunst. Neben der Großpräsentation der Bruegel-Familie im Kunsthistorischen Museum überzeugen nun zwei Ausstellungen im Kunstforum der Bank Austria von der Qualität niederländischer Graphik. Beeindruckend sind in ihrer thematischen, aber auch technischen Vielfalt die 130 Rembrandt-Radierungen, die das Kupferstichkabinett Dresden zur Verfügung gestellt hat. Die graphische Kunst war für Rembrandt gleich bedeutend wie die Malerei und die Zeichnung - ganz im Unterschied zu Rubens, für den sie lediglich zur Reproduktion von Gemälden diente.

Rembrandt behandelte in der Graphik alle im 17. Jahrhundert üblichen Bildgattungen von Landschaft über Historie und Stilleben bis zum Porträt und Selbstporträt. Besser als an Ölbildern läßt sich an den kleinen, skizzenartigen Graphiken die Experimentierfreude Rembrandts und sein künstlerischer Einfallsreichtum nachvollziehen. So sieht man anhand der unterschiedlichen Blätter, daß Rembrandts Papierauswahl ungewöhnlich war. Neben europäischen Bütten verwendete er auch ostasiatische Papiere, um die Farbigkeit des Bilduntergrunds oder die Feinheit der Linienstruktur zu variieren. Gerade die feinen und zugleich ausdrucksstarken Graphiken wie das "Selbstbildnis mit geöffnetem Mund" (1630) oder die humorvolle und für damals mehr als ungewöhnliche Radierung "Der pissende Mann" (1631) zeigen uns einen faszinierenden Rembrandt, der mit seinen eigenständigen Bilderfindungen sehr modern erscheint.

Die zweite Ausstellung mit Leihgaben aus dem Kupferstichkabinett Dresden gibt Einblick in die Entwicklung niederländischer Zeichenkunst im Laufe von drei Jahrhunderten. Den Auftakt bilden Werke aus dem 15. Jahrhundert wie Jan Van Eycks hervorragendes Porträt "Bildnis des Kardinal Niccolo Albergati", das für den Beginn der autonomen Künstlerzeichnung steht. Gezeigt wird auch die disparate stilistische Entwicklung im Bereich der Zeichnung im 16. Jahrhundert, die sich nach dem calvinistischen Bildersturm nach 1566 noch verstärkte. Erst die Meister des "Goldenen Zeitalters", Rubens und Rembrandt, führten die niederländische Zeichenkunst zu einem Höhepunkt, was für den Besucher am Beispiel der Rubens-Kreidezeichnung "Mittelfigur der Laokoon-Gruppe" oder dem Rembrandt-Blatt "Raub des Ganymed" sichtbar wird.

Bis 1. März.

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